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WIEN/ Schönbrunner Schlosstheater: LE NOZZE DI FIGARO

23.08.2013 | KRITIKEN, Oper

MIT JUGENDLICHEM ELAN : MOZART’S „ LE NOZZE DI FIGARO“ IN SCHÖNBRUNN (23.8.2013)

Wer Mozart’s „ Le Nozze di Figaro“ schwungvoll und mit vielen jungen Sängern, ohne Regie-Gags in einer Kammermusikversion unter dem ambitionierten Guido Mancusi und seinem engagierten „Schönbrunn-Orchester“ erleben will, hat bis Ende August dazu noch mehrfach Gelegenheit. Hier werden das Meisterwerk von Mozart und Da Ponte von einem Regieteam bestehend aus Michael Temme und Friedrich Despalmes (Ausstattung) in einer stilisierten Form mit einigen wenigen historischen Versatzstücken aktualisiert. Und der Jubel eines durchaus auch jungen Publikums bestätigt die Richtigkeit des Konzepts. Die Veranstalter haben nämlich den Otto-Edelmann-Wettbewerb gleichzeitig geschaltet und damit für die vielen jungen Gesichter im Publikum gesorgt.

Im Ensemble schneiden die Herren insgesamt besser ab als die Damen. Raquel Paulo aus Portugal hat zwar eine ausladende, kräftige Stimme, aber für Mozart einfach zu wenig Piano-Kultur. Die Deutsche Lavinia Dames als Susanna kommt da den großen Vorbildern viel näher: sie verfügt über Erotik, Ausstrahlung und singt eine schöne Rosenarie. Miriam Albano ist zwar vom Typ her ein köstlicher Cherubin, aber die Stimme ist zu gaumig, hat zu wenig Timbre. Die Isländerin Agnes Thorsteindottir ist ein wenig zu aufdringlich als Marzelline, aber man nimmt ihr ab, dass sie Figaro heiraten will. Der Kammerdiener der Premiere war der Tiroler Mathias Hoffmann – vom Typ erinnert er an Walter Berry, leider muss er technisch noch viel lernen: Intonation, Höhe, Legato – hier mangelt es noch. Dafür gefällt sein Totaleinsatz. Ausgezeichnet der Basilio des urkomischen Philipp Kapeller. Über eine Prachtstimme verfügt auch der Bartolo des Tirolers Florian Köfler . Star des Abend – auch in punkto Applaus – ist jedoch der 22jährige Tiroler Wolfgang Schwaiger als Graf. Der hochgewachsene „Feschak“ und ehemalige Wiltener Sängerknabe hat alles, was ein junger Sänger braucht. Ein wunderbares Timbre, ein schwelgerisches Legato („Perdono“), die Höhe sitzt (auch beim gefürchteten Fis in der Arie), die Tiefe ist entsprechend, das Volumen ebenfalls. Kein Wunder, dass er auch ins Finale des Otto-Edelmann- Wettbewerbes kam. Die neue Erfolgslinie des Schönbrunner Schloßtheaters basiert auf einer engen Kooperation zwischen der Schönbrunn-Gesellschaft und der Hochschule für Musik und darstellenden Kunst in Wien. Der Finanzrahmen wird sehr eng sein und kann mit Salzburg oder der Staatsoper wohl erst gar nicht verglichen werden. Die Ergebnisse allerdings schon.

Peter Dusek

 

 

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