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WIEN / Schönbrunner Schloßtheater: COSI FAN TUTTE

14.07.2018 | KRITIKEN, Oper

WIEN / Schönbrunner Schloßtheater:
COSI FAN TUTTE von W. A. Mozart
Eine Aufführung der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien
Besucht wurde die zweite Vorstellung am 13. Juli 2018

Solange ein junger Sänger nicht auf einer „richtigen Bühne“ steht und vor „richtigem Publikum“ singt, wird weder er selbst noch die anderen wissen, ob er es wirklich kann – die Nerven behalten, singen, sich selbstverständlich auf der Bühne bewegen, als gäbe es nichts anderes, gestalten, kurz, den unendlich schweren Beruf eines Opernsängers ausüben. Ohne „the real thing“, nämlich eine gewissermaßen professionelle Aufführung zu bestreiten, ist alles nur Arbeit wie am Simulator oder im Trockendock.

Michael Schade, Kammersänger, neben vielem anderen vor allem auch Mozart-Tenor, immer brennend am Nachwuchs interessiert, ist derzeit an der Wiener Universität für Musik und darstellende Kunst „Artist in Residence“ und hat sich mit ungeheurer Energie in das Projekt gestürzt, eine Produktion von „Cosi fan tutte“ im Schönbrunner Schloßtheater zu gestalten. Sein Wunsch, „meine Erfahrung, mein Wissen und mein Brennen für die Musik an die nächste Generation junger Talente weiterzugeben“, ist in höchstem Maße geglückt. Die bescheiden so genannte „halb szenische“ Aufführung der Oper kann als vollgültiger Abend durchgehen, und das hat sich ganz schnell herumgesprochen: Auch die zweite Vorstellung war rappelvoll.

Schade weiß es am besten, dass man nicht viel braucht, um genuinen Mozart zu spielen – auf der scheinbar leeren Bühne reichen ein paar Sessel, mal eine Truhe, mal eine Leiter, ein Ausstattungs-Minimum, wenn man die Sänger in ihre Rollen hineinführt, wenn man (in diesem Fall einmal ohne Subtext) das Stück selbst spielen lässt (wie erholend), wenn man diese so komische und so brutal-tragische Geschichte unverkrampft und mit Humor erzählt. Keine Frage, dass die jungen Sänger Michael Schade viel verdanken: Jeder könnte so, wie er sich an diesem Abend präsentierte, auf jeder (kleineren) professionellen Bühne reüssieren.

Man muss allerdings auch die beiden Korrepetitorinnen Luisella Germano und Brenda Rein nennen, denn ohne eiserne Übung und kompetente Anleitung hätten die sechs jungen Sänger, die als „zweite Besetzung“ am zweiten Abend antraten (und durchaus eine „erste“ Besetzung waren), nie diese Exaktheit der Artikulation erreicht wie auch die Präzision der Stimmführung,  gleicherweise in den Rezitativen wie in den Ensembles. Dass die Probleme gelegentlich bei den Arien lagen und dass an mancher Stimme grundsätzlich zu arbeiten ist – das ist klar. Aber auf der Basis dieser hervorragenden Ausbildung kann sehr viel erreicht werden.

Ganz besonders wichtig für den Abend war dann auch der bulgarische Dirigent Vladimir Kiradjiev am Pult der Webern Kammerphilharmonie. Man kennt die Neigung auch großer Dirigenten, gerade Mozart zu zergrübeln, an ihm herumzuprobieren, ihn künstlich interessant zu machen (wobei man nur sich selbst bespiegelt): Kiradjiev gibt Mozart Glanz, Leuchten und ein begeisterndes Vorwärtsdrängen, das dem Abend einen musikalisch „stürmischen“, mitreißenden Charakter verleiht und die Sache für die Sänger durchaus nicht leicht macht.

Oper ist international, so hat man eine Ukrainerin, eine Isländerin und eine Slowenin, einen Slowenen, einen Tschechen und einen Serben auf der Bühne, zusammen gebunden durch Mozarts Musik, problemlos ein Ensemble ohne Brüche bildend. Jeder von ihnen ist technisch versiert und weit genug, auch um zur Gestaltung vordringen zu können (was ja die nächste Stufe ist, denn wenn man sich innerlich noch vordringlich um den musikalischen Teil kümmern muss, bleibt ja keine Kraft für anderes).

Dabei ist Nataliya Stepanska, die Fiordiligi, kein völliger Neuling, neben ihrem Studium hat sie schon an Wettbewerben teilgenommen. Ihr schöner, leuchtender Sopran passt ideal zur Rolle, und „Come scoglio“ ohne Wackler zu singen, gelingt oft arrivierten Damen nicht. Abgesehen davon weiß sie, wie man Komik schreibt – wie auch Kristin Sveinsdottir als köstliche Dorabella, mit sehr hellem Mezzo einmal nicht die kleine Mollige, sondern die dünne Lange an der Seite der Schwester. Und Maja Triler, die mit ihrem exotischen Look und ihrer Rübensüßchen-Selbstironie eine ideale Despina ist, ergänzte den Damenreigen. Wo noch das eine oder andere zu feilen ist… an Präzision mangelt es jedenfalls keiner der Damen.

Der Tenor David Jagodic hat noch einen leichten Schleier über der Stimme, der weggearbeitet werden sollte, wie Lukas Barak für seinen durchdringenden Bariton noch etwas Resonanz braucht. Stefan Hadzic, der schon auf einige Engagements zurückblickt, dürfte ein echter Bassbariton sein, denn er sang nicht nur an diesem Abend einen sehr wohlklingenden Don Alfonso, er wird sich auch in einer späteren Vorstellung den Guglielmo hernehmen.

Michael Schade, der sich am Ende inmitten seiner Schützlinge verbeugte, war ein begeisterter Applaudierer für ihre Leistungen, aber es hätte dieser Hilfe gar nicht bedurft, das Publikum wusste, wann (und wie viel) Klatschen angemessen war und sparte nicht mit Zustimmung.

Renate Wagner

 

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