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WIEN / Scala: ANTONIUS UND KLEOPATRA

03.05.2012 | Theater

WIEN / Scala
ANTONIUS UND KLEOPATRA von William Shakespeare
Premiere: 21. April 2012,
besucht wurde die Vorstellung vom 3. Mai 2012 

Von den Geschichten, die das Leben schrieb, spielen ein paar der außerordentlichsten in der römischen Antike, denn dies war eine Welt der extremen Persönlichkeiten, rasender Leidenschaften, kaltblütigster Ruchlosigkeit. Marc Anton, der römische Feldherr, der zeitweise ein Herrscher der damaligen Welt war, und die ägyptische Königin Cleopatra, die schon Julius Caesar in ihren Bann gezogen hat, liefern eine solche immer wieder erzählte überdimensionale Story. Da es um Macht, Reichtum und Herrschaftsanspruch ging, konnte das Ganze nur letal enden.

Aber die Welt hat sich immer gefragt, wie es möglich war, dass ein Mann auf alles verzichtete, was ihm als Römer von Bedeutung sein musste – nicht zuletzt seine Ehre -, und sich in die Arme einer Frau warf. Nun, Antworten gibt es viele (neben Erotik hatte Cleopatra noch eine Menge an materiellen Gütern zu bieten), aber jene, die William Shakespeare fand, spiegelt doch vor allem den Reiz des Exotischen, Fremden, Andersartigen, Besonderen, Abweichenden in Gestalt der ägyptischen Königin. Sie steht als ebenso leidenschaftliche wie berechnende Frau auf der Bühne, eine, die treibt und getrieben wird. Gegen ihre Welt des sinnlichen, verführerischen Orients steht die kalte Machtpolitik Roms – ein Stück voll prächtiger Spannung.

Nun hat man in der Scalaauf der Wiedner Hauptstraße schon eine Menge interessanter Shakespeare-Umsetzungen gesehen. Dass diese dem Direktor / Regisseur Bruno Max (der sich einen ganz schlichten Raum mit rundem Podest gebaut hat) nicht so gelungen zu sein scheint wie frühere, lag vielleicht an der Besetzung. Zwar stand Alexander Rossi als Antonius durchaus glaubhaft im Raum, man glaubte ihm den Ehrgeiz des Soldaten und die Sinnlichkeit des Liebhabers, aber schon bei Cleopatra hatte die Interpretin Melanie Waldbauer (exquisit eingekleidet von Alexandra Fitzinger) nur optische Reize zu bieten, scheiterte bereits an der Sprache, schon gar an den von Shakespeare so exzessiv gezeichneten Stimmungsumschwüngen. Aus dem ganzen großen Ensemble ragten gerade Michael Reiter und Leopold Selinger hervor, vielleicht noch der von Shakespeare so unsympathisch gezeichnete spätere Kaiser Augustus (der „Bösewicht“ des Stücks) in Gestalt von Thomas Groß.

Der Abend ist lang, nicht immer so spannend, wie er sein müsste, und ohne den souveränen Einfallsreichtum, mit dem Bruno Max andere Shakespeare-Werke gestaltet hat. Aber immerhin hat er aus dem Werk keine Dodel- und Trottelschau gemacht, wie man es zuletzt im Burgtheater erleben musste… Wer in dieScalageht, sieht zumindest das Stück. Und das ist heutzutage ja eine Rarität und folglich etwas wert.

Renate Wagner

 

 

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