Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

WIEN / Salon am Hof: LIEDERABEND MAURO PETER

IMG_0943 Saal breit~1

WIEN / Salon am Hof:
LIEDERABEND MAURO PETER
Am Klavier: Helmut Deutsch
8. November 2015

Wien hat einen neuen Schauplatz für Konzerte, und dieser ist superelegant: Das relativ neue Park Hyatt Vienna Hotel, am Hof im Gebäude der ehemaligen Länderbank errichtet, in der allerobersten Luxusklasse angesiedelt, veranstaltet in seinem „Grand Salon“ eine Reihe von Liederabenden an Sonntagnachmittagen, denen man den schönen Titel „Salon am Hof“ gegeben hat, um an die historische „Salonkultur“ von einst anzuschließen. Sonstream-Chefin Samantha Farber hatte die Idee – und der Erfolg stellte sich auf Anhieb ein. Tatsächlich fanden sich eine Menge Gäste ein, die zweifellos zu den Hotelbesuchern zu zählen waren, aber man sah auch Musikfreunde, die man sonst in Wiens Konzertsälen trifft.

Der Große Salon, in dunklem Holz getäfelt, mit bunter Decke und einem eindrucksvollen Riesengobelin, vor dem Podest und Flügel aufgebaut sind, ist allerdings nicht unbedingt akustisch für Liederabende geschaffen – hier wird sich der Begleiter der Serie, Helmut Deutsch, noch „einarbeiten“ und künftig vielleicht eine Idee weniger Kraft geben. Denn vor allem, wenn man im hinteren Teil des Saales sitzt, wirkt der Klavierton überbordend hallig. Nicht, dass er den Sänger zugedeckt hätte, aber Chance zur Textverständlichkeit war keine gegeben, zumal wenn schon a priori nicht überdeutlich artikuliert wird.

IMG_0948 Mauro Peter singt, breit~1

Der Saal war fast voll, das Interesse galt offenbar einem jungen Tenor, dem Schweizer Mauro Peter, dem bereits ein großer Ruf als Liedersänger vorauseilt, besonders als Schubert-Interpret. Zehn Schubert-Lieder, fünf zu Beginn, fünf am Ende des Nachmittags, standen denn auch auf dem Programm, aber tatsächlich waren es die zehn Richard-Strauss-Lieder (fünf vor der Pause, fünf danach), die dann den stärkeren Eindruck hinterließen.

Mauro Peters Stimme hat die Qualität der Jugend (wenn sie gut ausgebildet ist), nämlich den klag- und fugenlosen Registerwechsel zwischen mühelosen tieferen Tönen, leicht baritonaler Mittellage und strahlender Tenorhöhe, die er bei Strauss mehr glänzen lassen konnte als bei Schubert, dessen Höhen programmatisch „zögerlicher“ gesungen werden wollen, mehr liedhaft eben, während Strauss durchaus auch Opernlegato ins Lied einbringt – und Mauro Peter ist (wie man sich ja auch beim Harnocourt-Mozart im Theater an der Wien überzeugen konnte) vielleicht doch in erster Linie ein Bühnentemperament.

Nach vom Publikum erklatschten drei Draufgaben krönte der Sänger das Programm mit Schubert auf Schweizerisch, und dass Helmut Deutsch (wenngleich, wie gesagt, gelegentlich schlicht zu laut wirkend) in jedem Lied, für jede Stimmung der ideale Begleiter ist, daran gab es ja nie Zweifel.

Renate Wagner

 

Diese Seite drucken