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WIEN / Ronacher: SISTER ACT

13.09.2012 | Oper

WIEN / Ronacher: 
SISTER ACT  von Alan Menken
Wiederaufnahme: 13. September 2012

„Sister Act“ hatte vor ziemlich genau einem Jahr im Ronacher Premiere, von Whoopi Goldberg höchstpersönlich als „Produzentin“ beworben, von Kathrin Zechner damals noch mit großen Worten verkauft. Nun muss das Musical, das nur eine Show ist, noch ein paar Monate weiterlaufen, bis im Februar 2013 in diesem Haus die nächste Premiere ansteht. Die Wiederaufnahme fand in weitgehend derselben Besetzung statt wie seinerzeit die Premiere und hinterließ auch weitgehend denselben Eindruck.

Dramaturgisch folgt das Geschehen ja bekanntlich dem einst ganz amüsanten Whoopi-Goldberg-Film, bei dem man auch mitsingen konnte. Die Musik durfte hier nicht verwendet werden, und obwohl der Ersatz von Routinier Alan Menken stammt, bietet sie absolut keine genuine Musical-Qualität, sondern nur Show-Untermalung. Das ist Dutzendware, die sich ein bekanntes „Label“ sucht, unter dem sich das Publikum etwas vorstellen kann (in diesem Fall den Film), und die dann überall zum schnellen Abcashen über die Bühne gejagt wird. Abendunterhaltung ohne weitere Nachhaltigkeit.

Nimmt man „Sister Act“ einfach als Show, ist diese bestens gemacht, voran die Choreographie von Anthony van Laast, aber auch die ganze Inszenierung von Carline Brouwer und die wirkungsvolle Ausstattung (Bühnenbild Klara Zieglerova). Was die Professionalität der Umsetzung betrifft, lassen sich die Vereinigten Bühnen nichts nachsagen.

Ana Milva Gomes ist nach wie vor die Powerfrau als Nutte und Nonne, nur wenn sie “losbeltet”, ist von Textdeutlichkeit keine Spur. Da steckt „Mutter Oberin“ Dagmar Hellberg sie und alle anderen souverän in die Tasche. Besonderen Applaus holte sich wieder Thada Suanduanchai als Eddie, wenn der brave Polizist in einer Nummer (auch mit bravourösem Umkleide-Akt) in die ersehnte Rolle des Rockstars schlüpft. Dass man als Kardinal besonderen Erfolg hat, wenn man der Bruder eines Kardinals ist, kostet Michael Schönborn schrankenlos aus, immer kräftig dabei, dem Affen Zucker zu geben.

Viel Gelächter, viel Applaus, aber man würde wünschen, dass der künftige Intendant Christian Struppeck nicht so viel Allerweltsware bringt. Allerdings war er Mitproduzent bei Udo Jürgens, und für Februar ist “Natürlich Blond” angekündigt: Der Titel lässt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vermuten, dass hier wieder ein Film in ein so genanntes Musical umgearbeitet wird. Solcherart bleibt vermutlich alles beim Alten.

Heiner Wesemann

 

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