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WIEN / Renaissancetheater: DINOSAURIER!

14.10.2014 | Operette/Musical

Dinosaurier x
Foto: Theater der Jugend / Rita Newman

WIEN / Theater der Jugend im Renaissancetheater:
DINOSAURIER! – DAS MUSICAL
Premiere: 07. Oktober 2014
Besucht wurde die Vorstellung am 14. Oktober 2014 

Ein Theater der Jugend hat die Aufgabe, sein Publikum auf das Theater vorzubereiten, mit dem es einst konfrontiert sein wird. Und keine Frage: Die da heute als Sechs- bis Zehnjährige im Renaissance-Theater sitzen, werden noch viele, viele Musicals sehen. Und die allermeisten werden vermutlich genau so aussehen wie „Dinosaurier!“ In diesem Sinne kann man es als richtige Vorbereitung für den Unernst des künftigen Theaterbesuchers nehmen…

Also: ein Musical ist immer laut, sehr laut wie dieses auch. Die Musik (Robert Reale) ist schmissig und eingängig, wenn auch kein Ohrwurm für die Ewigkeit dabei ist (was seit Andrew Lloyd Webber ohnedies niemand mehr geschafft hat). Die Töne kommen übrigens von irgendwoher, Christian Frank wird als Dirigent geführt.

Die Handlung (Buch und Songtexte von Willie Reale) gibt sich lustig, manchmal ein bisschen gruselig und jedenfalls unkompliziert, aber, was am wichtigsten ist: Sie hat eine Aussage. In diesem Fall: Friede unter den Menschen (vorgeführt an verschiedenen Dinosaurier-Arten), mit dieser Botschaft kann nichts schief gehen.

Das sind die Vorgaben. Die Machtart – die Ausstattung sei bunt, das schafft Roswitha Wilding-Meisel  mit einem grünen Berg im Hintergrund, der an Machu Picchu erinnert, am Ende ein Vulkan sein soll und, wenn er sich dreht, ein flottes Wirtshaus offenbart. Größtes Manko, wenn man es anmerken darf: die Kostüme von Elisabeth Gressel, die offenbar nicht genug Geld hatte, um ein paar echt spektakuläre Dinosaurier-Gewänder zu schaffen. Nur einige Zähne als Kopfschmuck machen noch keinen überzeugenden Tyrannosaurus-Rex. Dafür funktioniert die Choreographie von Simon Eichenberger mit der Zackigkeit, die man von Musicals erwartet, und Werner Sobotka als Übersetzer und Regisseur ist ein Routinier des Genres, der genau weiß, wie man blödeln lässt und wie viel an aktuellen Anspielungen hinein darf (schließlich sitzen genug Eltern mit ihren Kindern im Zuschauerraum) – da hat das Theater der Jugend nicht gespart.

Dass die Geschichte übersimpel ist, nimmt man nicht übel, die Darsteller könnten in jedem größeren Haus reüssieren, wobei Patricia Nessy als zickige Diva und vor allem Carin Filipčić als italienisch-radebrechende Erfinderin der Spaghetti den Vogel abschießen. Und weil diese Nudeln mit Sauce so gut schmecken, braucht man auch nicht seine Mittiere essen, nicht wahr, liebe Rexe? So einfach sind Problemlösungen noch im Kindermusical.

Renate Wagner

 

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