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WIEN / Renaissancetheater: DES KÖNIGS LIEBSTES KIND

22.02.2012 | Theater

WIEN / Theater der Jugend im Renaissancetheater:
DES KÖNIGS LIEBSTES KIND
nach Shakespeares „König Lear“ von Ulrich Hub
URAUFFÜHRUNG
Premiere: 21. Februar 2012  nachmittags

William Shakespeare wäre etwas harte Kost für ein kindliches Publikum von 6 bis 12 Jahren, aber der preisgekrönte Jugendautor Ulrich Hub hat sich für das Wiener Theater der Jugend da etwas Besonderes ausgedacht: „König Lear“ reduziert darauf, was die Kinder begreifen können – weil sie es ja selbst leben und erleben. Lear als Beispiel für „Eltern und Kinder, Kinder und Eltern“ – und wie viele Probleme man miteinander hat.

Für die Kinder ist der „Herr König“, der da oben steht (in einer so sparsamen wie gelungenen Ausstattung von Grit Dora von Zeschau, eine schiefe Ebene, ein „Theaterportal“ rumdum, mehr braucht es nicht), einfach ein lästiger Papa, der seine Töchter sekkiert, ihm zu beweisen, wie lieb sie ihn haben. Und noch ein anderer ebenso lästiger Papa, der heißt Gloster, dem an seinen beiden Söhnen Edgar und Edmund nichts recht ist. Sieben Personen, zwei Familien, ein bisschen Palast, ein bisschen Verlorenheit in der Heide. Der Stoff wird kühn bearbeitet, Cordelia verwandelt sich in einen Clown, der den schlecht behandelten Papa Lear begleitet, Gloster wird zwar auch blind, wie bei Shakespeare, aber nur vorübergehend – tatsächlich hat Ulrich Hub für die jungen Zuschauer nicht den grauenvollen Pessimismus des Originals bieten wollen, sondern am Ende die allgemeine Harmonie gesetzt – niemand stirbt (außer Lear friedlich ganz am Ende), alle haben sich lieb.

Ein bisschen einfach, und vielleicht wäre es sinniger gewesen, ein eigenes Stück zum Thema Familienzwist und Familienharmonie zu schreiben, statt hier Shakespeare-Material zu plündern. Denn wenn aufgeweckte Zwölfjährige das sehen und ein paar Jahre später dem echten Stück begegnen, dann werden sie sich nur daran erinnern, dass sie das doch ganz anders gesehen haben… Im Grunde ist mit diesen Spielereien niemandem gedient.

In der Regie von Autor Ulrich Hub ist Horst Eder der törichte Lear, Tanja Raunig besonders dann eine liebenswert-reizvolle Cordelia, wenn sie in das Clown-Kostüm schlüpft. Sara Livia Krierer und Karin Lischka als Goneril und Regan erhalten von Hub (als Autor und Regisseur) mehr Möglichkeit, sich nicht ganz so unmenschlich zu gebärden wie die Shakespeare-Vorgängerinnen, Sebastian Eckhardt als Vater und Matthias Hacker sowie Joe Ellersdorfer als Söhne agieren ihre Problematik weitgehend komödiantisch aus.

Den Kindern schien es zu gefallen, sie wissen ja nicht, was da alles an Weltliteratur erst bemüht und dann wieder wegreduziert wurde, um diese relativ schlichte Familienaufstellung zu bewerkstelligen.

Renate Wagner

 

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