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WIEN/ Rathaus: 31. INTERNATIONALER HANS GABOR GESANGSWETTBERB – Finalrunde

08.07.2012 | KRITIKEN, Oper

Wiener Rathaus: 31. INTERNATIONALER HANS GABOR BELVEDERE GESANGSWETTBEWERB – Finalrunde – am 8.Juli 2012


 Hlengiwe MKHWANAZI, 28,  gewann den Publikumspreis und den Preis der Medienjury und 2. Preis Oper, Mitte: Beomjin KIM, 22, Erster Preis Oper, Rechts: Sangh-Ah YOON, 24, Dritter Preis Oper. Foto: Peter Skorepa

Wieder waren aus mehr als 3000 internationalen Teilnehmern nach einer Vorauswahl 138 Sängerinnen und Sänger nach Wien zu einer Endausscheidung geladen, vierzehn schafften es von ihnen in das Finale Oper. Aus dem traditionellen Land des Operngesanges, ich würde Italien noch immer so bezeichnen, ist wiederum niemand vertreten gewesen.

Diesmal gab es, angeblich aus Kostengründen, nur das Finale Oper, für ein Finale Operette hat es nicht gereicht, obwohl man ja gerade Wien eine gewisse Tradition in der Operette nachsagt – oder?

Und diesmal waren sich Volk und Presse einig und bescherten der Südafrikanerin Hlengiwe MKHWANAZI, 26 Jahre jung, die Freude des jeweiligen Sonderpreises. Es war auch erstaunenswert, wie sie die Koloraturattacken von Mozarts “Martern aller Arten” ins Publikum pfefferte. Auch die Juroren der Opernjury waren von der Bravour des Vortrags und dem langen Atem der schwarzen Sängerin beeindruckt und bescherten ihr den 2. Preis Oper.

Für den 1. Preis Oper hingegen machte der 22 Jahre junge Südkoreaner Beomjin KIM das Rennen, mit seinem “Tombe degli avi miei” aus Donizettis “Lucia” ließ er erstaunliches Material hören, dass mehr durch Volumen als durch Feinschliff auffiel. Sein Preis gilt also mehr dem Potenzial seiner Zukunft, er stellt sozusagen einen Arbeitsauftrag für Vervollkommnung an Ausdruck und Phrasierung dar. Den 3. Preis Oper bekam Sang-Ah YOON, 24, aus Südkorea, man könnte sagen, Puccini hat da mit seinen rührenden Melodien der Mimi ein wenig nachgeholfen, denn es gab heuer ein ungemein dichtes Feld an gut ausgebildeten Sängern, die allesamt für einen Spitzenplatz gut gewesen wären: Etwa die Russin Alla Vasilevitsky mit der herrlichen Arie aus Charpentiers “Louise”, die Südkoreanerin Eun-Kyong Lim, die mit satt-sinnlichem Mezzo Samson besang, die Ungarin Dorottya Lang als seine Verliebtheit besingender Cherubino oder Heather Engebretson als aufhorchen lassende Juliette von Gounod.

Auch zwei Counter taten mit, Jakob Huppmann aus Österreich mit glasklaren Koloraturen aus Rossinis “Tancredi” und Daichi Fujiki, der zu Händels “Rodelinda” gleich mit einer Palette ausdrucksstarker Darsteller aufwartete. Irgendwie müßte Farinelli auferstehen, damit sich ein Countertenor gegen die angetretene Damenwelt durchzusetzen instande ist. Zumindest habe ich diesen Eindruck. Zu erwähnen wäre auch noch der Türke Caner Akin, dem die Freude, ins Finale gekommen zu sein, ins Gesicht geschrieben stand. Dafür machte er uns mit den neun hohen C´s aus der Regimentstochter Donizettis Freude.

Alle waren sie Sieger, die vierzehn ins Finale angetretenen Sängerinnen und Sänger und mit ihnen Isabella Gabor und Holger Bleck mit ihrem Team. Auf noch viele Jahre!

 

Peter Skorepa

 

 

 

 

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