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WIEN/ Raimundtheater: SCHIKANEDER ein Musical-Hit mit Export-Chancen. Premiere

30.09.2016 | Operette/Musical

„SCHIKANEDER“ ALS MUSICAL-HIT IM RAIMUNDTHEATER (30.SEPTEMBER 2016)

Schikaneder - September 2016_MG_0483 small by ahaunold@gmx.at
Das Schikaneder-Team. Copyright: DI. Dr. Andreas Haunold

Erste (offizielle) Reprise des neuen Musicals „Schikaneder“ im Wiener Raimundtheater: Bombenstimmung beim zum Teil sehr jungen Publikum, die Aufführungsdauer ist auf das Übliche zusammengestutzt und ich wage die Prognose – hier bahnt sich ein neuer Musical-Hit an! Titel wie „Ich träum groß“ oder „So viele Fische im Meer“ haben „Ohrwurm“-Qualität. Die Ensembles sind exzellent, die Besetzung  ist optimal, die Regie gelungen. Kurzum die Story über die verrückte Liebesbeziehung zwischen Eleonore und Emanuel Schikaneder wird die Erfolgsgeschichte von Stephen Schwartz weiterschreiben: immerhin hat der US-Komponist Erfolgs-Musicals wie „Wicked“ oder „Der Glöckner von Notre Dame“ geschaffen. Nun also – gemeinsam mit dem Buchautor und Wiener Musical-Direktor Christian Stuppeck – die Vorgeschichte zu Mozarts letzter Oper. Der Sänger, Schauspieler und Impressario Emanuel Schikaneder (der sich erst seiner Frau Eleonore zuliebe von Joseph Johann zu Emanuel umbenannte)  ist ein notorischer Fremdgänger. Und obwohl er seine Frau vergöttert, zerbricht die Beziehung an der Flatterhaftigkeit des ersten Papageno. Nicht zuletzt an der Tatsache, dass die Kollegin Maria Anna schwanger wird. Das Ehepaar Schikaneder lebt also getrennt, wenn das Stück beginnt. Eleonore leitet mit ihrem kranken Lebensgefährten Johann Friedel in Wien das Theater auf der Wieden. Doch der frühe Tod ihres Partners im Jahr 1789 gefährdet die gesamte Truppe. Denn Frauen dürfen damals noch nicht Theaterdirektoren sein. Und in der ausweglosen Situation taucht Emanuel Schikaneder auf, das zerstrittene Ehepaar versöhnt sich und der Weg zur „Zauberflöte“(und später zum Theater an der Wien) ist frei. Ein utopischer Traum geht in Erfüllung! Und das Raimund-Theater rechnet – wohl zurecht – mit einem internationalen Erfolg ähnlich wie „Elisabeth“. Jedenfalls werden schon jetzt englischsprachige Texte simultan geliefert  – die deutsche Version stammt immerhin von Michael Kunze. Sehr professionell die Regie des Briten Trevor Nunn (Ausstattung Anthony Ward, Choreographie Anthony van Laast). Eine riesige Drehbühne vermittelt eine Zeitreise in die Ära der Französischen Revolution, in die technisch aufwendige Bühnenwelt von Schikaneder und Mozart. Apropos Wolfgang Amadeus Mozart. Der Schöpfer der „Zauberflöte“ tritt im Musical „Schikaneder“ gar nicht persönlich auf. Von ihm wird nur geredet, wenn es sich um den „verrückten Komponisten“, um den „genialen Alkoholiker“ oder um den „Spielwütigen“ dreht. Zuletzt siegt jedoch die Musik von Mozart. Denn so zündend die vielen bejubelten Nummern von Stephen Schwartz (Orchestrierung David Cullen) auch sein mögen, so sympathisch auch die beiden Schikaneder-Hauptdarsteller – Mark Seibert und Milica Jovanovic – agieren, zuletzt gibt es ein paar Original-Zitate aus der „Zauberflöte“, die allesamt Hit-verdächtig sind. Ein geschickter Schachzug allemal oder eben die Genialität Mozarts, die sich auch in der heutigen Welt bewährt. Bleibt für eine Erstbeurteilung zu erwähnen: am Pult des 32köpfigen Orchesters der Vereinigten Bühnen steht mit  dem Niederländer Koen Schoots ein Routinier zur Verfügung, er sorgt für Tempo und ein gewisses Gefühl der „Leichtigkeit“ und führt seine Hauptdarsteller behutsam durch den Abend, wobei ihm ein ideales Ensemble zur Verfügung steht. Mark Seibert ist vom Typ her schon „everybodies darling“, ein Charmeur und Faser-Schmeichler, der auch bei den lyrisch-elegischen Titel („Der letzte Vorhang“) punktet. Große Momente liefert auch  Milica Jovanovic als Eleonore Schikaneder, wenn sie ihre ständigen Kränkungen überwindet und sich doch zur Utopie der Liebe  und den großen Träumen durchringt. Vom übrigen Ensemble müssen noch Katia Hall als entzückende Koloraturen-sichere Maria Anna, Florian Peters als tenoral verliebter Johann Friedel und Hardy Rudolz als imposanter Franz Moser bzw. Josef von Bauernfeld ebenso genannt werden wie Katja Reichert als höhensichere Mozart-Schwägerin und Schikaneder-Geliebte Josepha Hofer. Das Raimund-Theater darf sich wohl mit Recht auf eine lange Laufzeit von „Schikaneder“ einstellen. Und der Export-Erfolg ist ebenfalls absehbar.

Peter Dusek

 

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