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WIEN/ Raimundtheater: SCHIKANEDER der Untreue, doch sicher auf glattem Musical-Parkett

27.12.2016 | Operette/Musical

Im Repertoire des Wiener Raimund Theaters:
29.12.2016: „SCHIKANEDER“– der Untreue, doch sicher auf glattem Musical-Parkett


Milica Jovanovic, Mark Seibert. Copyright: Barbara Zeininger

Die Schikanedergasse beim Naschmarkt, welcher der Wiener Taxifahrer kennt noch dieses enge Gässchen? Nach Stichproben: Keiner der Taxler …. hm, alle die mit fremdländischem Akzent. Den alten Wiener Opernfreunden und Bildungsbürgern ist der  Name jedoch schon noch ein Begriff: Emanuel Schikaneder, der große bayrische Theatermann – Dichter, Regisseur, Sänger, Schauspieler – höchst erfolgreich in Wien und doch hier mit tragischem Ende (nach Verarmung mit psychischen Problemen). Mit Ewigkeitswert, wenn so möglich: Er hat für Mozarts „Die Zauberflöte“ das wunderbare Textbuch geschrieben und auch gleich selbst den Papageno gespielt – eine Erfolgsgeschichte für ihn bereits damals, 1791.

Christian Stuppeck, der Musical-Verantwortliche der Vereinigten Bühnen Wien, hat sich Schikaneders Lebensgeschichte an die Brust genommen, eine Story ausgedacht und geschrieben. Klar, eine konfliktreiche Liebesgeschichte, eine auf glattem Parkett dahin gleitende, ist daraus geworden. Drei Monate ist dieses aufwendig und durchaus geschmackig gestaltete Spektakel – sagen wir es lieber gleich auf englisch: „SCHIKANEDER – THE TURBULENT LOVE STORY BEHIND THE MAGIC FLUTE“  – im Wiener Raimund Theater zu sehen. Gut besucht, vom Publikum gut aufgenommen. Auch eine offensichtlich teilweise alternative Besetzung. Gesangskultur: Nicht so ganz reif für ein größeres Opernhaus. Lautstärke: Eh schon wissen, ungut laut. Tablets-Benutzungen im Zuschauerraum: Ungemein viele, der derzeitigen Österreich-Kultur entsprechend.


Mark Seibert und Ensemble. Copyright: Barbara Zeininger

Viele Stärken der Produktion sind zu loben. Die Vereinigten Bühnen Wien haben sich dafür aber auch Spitzenleute aus England und den USA eingekauft. Trevor Nunn, britische Regie-Legende („Cats“, „Starlight Express“, „Les Misérables“ und auch bester Shakespeare), hat ein in sich stimmiges und sehr nettes Spielchen, kompakt und ganz konventionell, hingezaubert. Set and Costume Design von Anthony Ward: Auf der ingeniös eingesetzten Drehbühne immer wirklich schön anzusehen – nämlich historisch. Und der New Yorker Erfolgskomponist früherer Jahre, Stephen Schwartz (Jahrgang 1948, „Godspell“, „Pippin“, einiges mehr am Broadway, auch in Zusammenarbeit mit Leonard Bernstein), hat doch mit feiner Feder gar nicht so wenige hübsche wie flotte Liedchen mit klaren Melodielinien und kurzweilig orchestriert abgeliefert. Old Fashioned im Stil, dabei souverän serviert.


Mark Seibert & Ensemble. Copyright: Barbara Zeininger

Die simple Geschichte vom untreuen Schikaneder und all die Konflikte zwischen ihm und zwischen den Frauen, bis „Ich bin glücklich“ und bis hin zum großen Erfolg: Ohne Spannungsbogen, doch sehr, sehr gefällig, wohl auch zu lang, einige Wiederholungen, munteres Geplapper. Mozart mischt sich hier nicht ein, ist auch nicht zu sehen.Von Beglückung überwältigt wird man aber erst, wenn schließlich auch echter „Zauberflöte“–Sound zu hören ist.

Meinhard Rüdenauer

 

 

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