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WIEN/ Raimundtheater: JESUS CHRIST SUPERSTAR – grelles Oster-Happening für jungwiener Kids

28.03.2015 | Operette/Musical

27.3.2015: Wiener Raimundtheater: „JESUS CHRIST SUPERSTAR“ – grelles Oster-Happening für jungwiener Kids

 Ganz der Osterzeit angepasst haben die Vereinigten Bühnen Wien einen echten Musical-Klassiker ausgepackt und aufgepäppelt: „Jesus Christ Superstar“ ist in einer konzertanten Aufführungsserie  – The Rock-Musical in Concert heißt es jetzt hier – für mehrere Abende in das Raimund Theater eingezogen. Ja, Andrew Lloyd Webbers frühes Rock-Musical (oder wie es Webber und Texter Tim Rice zu nennen wünschten: Rockoper; 1971 in New York uraufgeführt, 1973 verfilmt) kann in seiner perfekten dramaturgischen Gestaltung schon sehr wohl mit Klassiker-Qualitäten auftrumpfen.

 Klassiker? Nicht nach heimischem Zuschnitt. Der historische Eiserne Vorhang mit dem dichtenden, von seinen Musen umhegten und seine Phantasiegestalten beschwörenden Ferdinand Raimund, in spätromantischer Manier biedermeierlich verinnerlicht uns nahe gebracht, hebt sich und führt in die Pause. Doch das von Inszenator Werner Sobotka auf der Bühne platzierte groß besetzte Orchester lässt von sich schon weit weniger subtile Töne hören, und auf der Vorderbühne wie auf einer Rampe hinter den Musikern spielt sich ein extrem lebendiges und hemdsärmeliges Oster-Happening mit bösen Priestern, einer emotionsgeladenen Apostelschar und wippenden Flower-Power-Kids (Nadine Beiler als Maria Magdalena) ab. Und Drew Sarich als Jesus schreit seinen ganz Schmerz heraus. Sexy tanzende Glitzergirls putzen putzmunter das Spektakel auf.

 Jedenfalls ist es ein immens lautes. Dirigent Koen Schoots erweist sich als echter Hämmerer, und somit fehlt es nicht wenigen der so impulsiven Webber-Numern an souverän und locker ausschwingendem Drive. Nun, die Replik des obersten Chefs der Vereinigten Bühnen Wien: „Ja, wenn man zu alt  ist …..“. Ja, recht hat er. Jugendfrei ist er, dieser Jesus Christ in Concert, und er verlangt weder nach Geistig- noch Geistlichkeit. Passt sich unserer derzeitigen Denkkultur an. Nicht Ferdinand Raimunds Musen sondern perfektes Marketing sind gefragt.   

Meinhard Rüdenauer

 

 

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