Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

WIEN – NEW YORK / Die Met im Kino: RUSALKA

26.02.2017 | KRITIKEN, Oper

Met Rusalka x~1 xx

WIEN – NEW YORK / Die Met im Kino: 
RUSALKA von Antonin Dvorak
25.Februar 2017

Als die „Met im Kino“ zuletzt „Rusalka“ zeigte, war es Renée Fleming in der „märchenhaften“  Inszenierung von Otto Schenk. Im Vergleich zur Wiener Aufführung ist die neue „Met“-Produktion immer noch märchenhaft genug. Aber Regisseurin Mary Zimmerman, die sich sonst meist in der Broadway-Szene bewegt, ist nicht ausschließlich auf Lieblichkeit eingestellt.

Die Optik (Bühnenbild: Daniel Ostling / Kostüme: Mara Blumenfeld) sorgt zwar dafür, dass eine Nixe eine Nixe ist, der Wassermann eine Königskrone trägt, dass Natur (mit einer Art von fröhlichen, tanzenden „Blumenmädchen“ bestückt, die halb Rheingold-, halb Parsifal-tauglich wären) und Schloß (mit dem bedrohlichen roten Ballsaal) sich romantisch von einander absetzen. Und die Hexe Jezibaba ist in ihrer Hexenküche von „echten“ großen Tieren umgeben. So weit funktioniert das Märchen und befriedigt den New Yorker Geschmack. Abgesehen davon, dass es auch für unsere Augen ein Fest ist.

Trotzdem herrscht szenisch in der klug gearbeiteten Inszenierung nicht nur harmlose Romantik, das Geschehen wirkt immer wieder hintergründig. Zum Beispiel, wenn Rusalka als Schattenspiel ihre Fischflosse auf einem Operationstisch von  Jezibabas Gehilfen (Ratte, Katze, Krähe) entfernt bekommt… gut zu verwenden demnächst in „Hoffmanns Erzählungen“. Gnadenlos hat die Regisseurin im zweiten Akt die Choreographie von Austin McCormick eingesetzt, um die negativen Seiten der Menschenwelt voll auszureizen. Am Ende verwandelte sich die Natur zu einer geradezu „nach der Bombe“-Szenerie, so dass das tragische Ende ohne romantische Beschwichtigung verlief.

Kristine Opolais ist nicht nur eine traumhafte Nixe aus einer anderen Welt, auch ihre Stimme scheint geradezu zu perlen und zu fließen, entfaltet die volle Schönheit von Dvoraks Gesangslinie. Die große Arie an den Mond gestaltet sie in kontrollierter Steigerung, ohne nur auf den brillanten Endeffekt abzuzielen.

Als ihr Prinz sah Brandon Jovanovich gut aus, geriet aber nach gutem Anfang im zweiten Akt in einige hörbare Unsicherheiten, bevor er sich wieder erfing. Katarina Dalayman als gesanglich überzeugende fremde Fürstin konnte schon – um es ungalant geradeaus zu sagen –  vom Alter her keine wirkliche Konkurrenz für die wunderschöne Rusalka sein. Jamie Barton, die üppige, dämonisch geschminkte Jezibaba, spielte mit geradezu glitzernden Augen die Freude an der Bosheit aus. Hervorragend Eric Owens mit seinem großartigen Baß als durchaus positiv gesehener Wassermann.

Dirigent Mark Elder betonte im Pauseninterview, dass er sich schon seit Jahrzehnten mit „Rusalka“ auseinandersetzt und es für die schönste slawische Belcanto-Oper hält, und so klang der Abend auch. Mit zwei Pausen geriet er überlang, aber das tat der Begeisterung des Publikums keinen Abbruch.

Heiner Wesemann

 

Diese Seite drucken