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WIEN/ NEW YORK/ DIE MET IM KINO: IOLANTA / HERZOG BLAUBARTS BURG

15.02.2015 | Oper

14.02.2015   MET/Kino   „Iolanta“, „Herzog Blaubarts Burg“. Wien, Cineplexx Landstraße

Märchenhaftes aus der MET brachte die jüngste Live-Übertragung, in gerechter Verteilung von Gut und Böse. Vor der Pause wurde Tschaikowskis letzte Oper „Iolanta“ gespielt, zum ersten Mal an der MET. Etwas zweideutig war die Bemerkung von Joyce di Donato zu verstehen: „Das war es wert, 123 Jahre auf die Uraufführung zu warten“. Vielleicht war es auch nur als Scherz zum Valentinstag gedacht. Faktum ist, dass dieses Werk reich an musikalischen Gustostückerln ist, da ist alles drinnen, was man an diesem Komponisten des Tragischen schätzt, schöne Melodien, dramatische Orchesterpassagen und das Gefühlsspektrum von fröhlich bis – das ist die Ausnahme – nicht ganz desperat. Es wirkte sich auch sehr positiv auf den Gesamteindruck aus, dass überwiegend Kräfte aus Osteuropa am Werk waren.

Dem Regisseur Mariusz Trelinski gelang es, die fabelhafte Handlung nicht in Kitsch ertrinken zu lassen. Der Bühnenbildner Boris Kudlicka schuf eine sparsame, aber durchaus passende Szenerie, wenn man von der seltsamen Idee absieht, Skilanglauf mit Mascherl im Sommer auf die Bühne stellen zu wollen (Vaudemont, Robert). Recht ordentliche Kostüme von Marek Adamski rundeten das Gesamtbild ab.

Musikalisch wurden alle Wünsche erfüllt, die man nur stellen kann. Valery Gergiev war natürlich der ideale Leiter eines prächtig spielenden Orchesters, besser kann man diese Musik nicht spielen. Auf der Bühne stand ein hochkarätiges Ensemble, aus dem Anna Netrebko in der Titelrolle mit ihrer vollen und warm timbrierten Stimme wohl an die Spitze zu stellen ist – in solchen Rollen ist sie derzeit konkurrenzlos. Aber Piotr Beczala war als Graf Vaudemont ein ebenbürtiger Partner. Auch ihm liegt dieses Genre bestens, da kommt seine strahlende und sichere Höhe voll zur Geltung. Der schmachtende Liebhaber ist eher sein Fach als der saloppe Draufgänger. Die tiefen Stimmlagen waren bestens vertreten, da war viel Kraft vorhanden, markig, höhensicher bewältigten sie ihre Partien. Der Bariton Alexei Markov als Robert, König Rene wurde von Alexei Tanovitski verkörpert, ihm gelang es auch gut, den unglücklichen Vater einer blinden Tocher zu spielen, und letztlich noch Elchin Azizov als Ibn Hakia, der Arzt, dem die Heilung Iolantas gelang.

Nach diesem „Triumph des Guten“ war es angebracht, im zweiten Werk die Schattenseiten des Menschlichen darzustellen. Bela Bartoks Oper bot dazu die besten Voraussetzungen. Die Geschichte des Frauenmörders  aus der märchenhaften Ebene auf die psychologische zu heben, war eine Idee des Librettisten Bela Balazs‘, die vom Leading Team des Abends perfekt umgesetzt wurde. Die Erfüllung von Judiths ehrgeizigem Wunsch, Blaubart mit ihrer Liebe zu erlösen, wird mit dem Öffnen der Türen von Mal zu Mal unwahrscheinlicher, der Erkenntnis ihres Scheiterns setzt sie keinen Widerstand mehr entgegen. Die Leistung der beiden Protagonisten ist nicht hoch genug einzuschätzen, mit welcher Kraft und Intensität sie ihre Rollen verkörperten, war erstaunlich. Nadja Michael, hierzulande bekannt geworden als Eboli im französischen „Don Carlos“ hat nach ihrem Fachwechsel vom Mezzo zum Sopran merklich an Kraft gewonnen, ihr kommt natürlich das „alte“ Fach entgegen, wenn sie die tieferen Lagen mit Bravour meistern kann. Mikhail Petrenko war ein imposanter Blaubart, der mit glaubhafter Darstellung den dämonischen Frauenmörder auf die Bühne stellt.

Welch Kontrast der Werke und welch ähnlich begeisternde Wirkung bei beiden!      

Johannes Marksteiner

 

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