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WIEN / Nationalbibliothek: WILLKOMMEN IN ÖSTERREICH

11.05.2012 | Ausstellungen

 

WIEN / Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek:
WILLKOMMEN IN ÖSTERREICH
EINE SOMMERLICHE REISE IN BILDERN 
Vom 11.Mai 2012 bis zum 28. Oktober 2012  

Zwischen Natur und Kultur

Eine originelle „Liegestühle“-Landschaft erwartet den Besucher in den Eingangsräumen der Österreichischen Nationalbibliothek und verweist auf die Ausstellung im Prunksaal. „Willkommen in Österreich“ heißt es dort. Die romantische Formulierung bezieht sich auf die Schönheit der Landschaft und die Reichhaltigkeit des kulturellen Angebots. Die schlicht ökonomische Kehrseite der Medaille besagt, wie groß der wirtschaftliche Effekt des Fremdenverkehrs als Quelle von Erwerb und Wohlstand ist. Österreich war immer ein Tourismus-Land. Mit welchem „Selbstbild“ man versucht hat, die Fremden hierher zu holen, das sieht man nun an vielen Beispielen.

Von Renate Wagner

Schon das Kaiserpaar   Nachdem das „Reisen“ auf kultureller Basis lange Zeit einer reichen Oberschicht vorbehalten gewesen war, setzte sich im 19. Jahrhundert die „Sommerfrische“ für breitere Bevölkerungsschichten durch. Die Monarchie konnte damals auch noch ein gutes Stück Meer bieten, das entsprechend beworben wurde. „Vorbildlich“ als treuer Sommerfrischler war Kaiser Franz Joseph, der 83 von seinen 86 Lebensjahren zur Sommerszeit  im Ischl verbrachte. Dass Kaiserin Elisabeth sich für die vielen Orte, die sie besuchte, auch wirklich interessierte, scheint ihre Sammlung von “Woerls Reisehandbüchern“ zu beweisen, damals die Klassiker der Reiseführer, klein, rot und handlich, in einer eigenen Vitrine zu betrachten. Wo der Kaiser war, kamen auch alle hin, die es sich leisten konnten – in der Villa von Johann Strauß in Ischl war dann auch Johannes Brahms zu Gast, ebenso auf einem Foto zu betrachten wie Jahresregent Gustav Klimt am Attersee.

 

Franz Joseph im Urlaub / Sisis Reiseführer

 Österreich im Plakat    Je mehr Österreich sich als Fremdenverkehrsland verstand, umso intensiver warb man, wobei das Plakat eine besondere Rolle spielte und die Österreichische Nationalbibliothek tief greifen kann: Die Sammlung des Hauses beträgt über 100.000 Stück, ist eine der größten des Landes und als Quelle zur visuellen Geschichte herausragend. Bevor es noch den Beruf des „Werbegraphikers“ gab, haben  Künstler Plakate ausgeführt, später erarbeiteten Firmen zielgerichtete Konzepte. Schon rein stilistisch wandert man durch Zeiten und Ideologien. Gezeichnetes mit Trachten, Blumen, mit Berg und See, Bauernhaus und Eisenbahn wirkt heute nostalgisch, fast naiv, zeigt von anderem Bewusstsein. Griffige Slogans, die vor Jahrzehnten gefunden wurden („mit der Seele baumeln“), als zum Bild noch das Wort kam, haben sich im Bewusstsein gehalten.

Ein Stück Geschichte      Nicht nur stilistischer, auch politischer Wandel ist an Plakaten abzulesen: Als Hitler mit der Tausend-Mark-Sperre Österreich um sein deutsches Stammpublikum brachte, musste man sich um ein englischsprachiges Publikum bemühen, was durchaus erfolgreich gelang. Freilich, als Österreich dann bei Deutschland war, wich nicht nur Rot-Weiß-Rot dem Hakenkreuz, da fand sich Wien dann plötzlich in „Niederdonau“…

  

Charming Austria für die Amerikaner / Österreich liegt in Deutschland…

Der Winter verschiebt manches    Die Parameter verschoben sich: War früher Niederösterreich das urlaubsintensivste Bundesland gewesen, so wurde, als man die Sommer- und die Wintersaison extra bewarb, Tirol das wichtigste Fremdenverkehrsland. Spektakuläre Erschließung der Natur wie durch die Großglocknerstraße setzte neben den klassischen Themen – etwa Wachau oder Salzkammergut – neue Schwerpunkte. Hatte man früher eher naiv „gezeichnete“ Plakate, so gab es später die Fotos. Und neben der Natur setzte man auf Kultur, die Bregenzer Festspiele waren hier früh aktiv. Die Ausstellung, die auch noch das Thema des Privatfotos und Fotoalbums einbringt, endet in den siebziger Jahren. Aber wie wir wissen, ist „Ferien in Österreich“ eine Never Ending Story.

  

Großglockner / Bregenzer Festspiele

 Bis 28. Oktober 2012
Täglich außer Montag von 10 bis 18 Uhr, Do bis 21 Uhr  
Der Katalog im Metro Verlag ist ein kulturgeschichtliches Kompendium des Themas

 

 

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