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WIEN / MuTh: MAMELOSCHN DAHEIM

19.10.2014 | Konzert/Liederabende

Jiddischer Kulturherbst Plakat

WIEN / MuTh:
20 Jahre Jiddischer Kulturherbst
MAMELOSCHN DAHEIM
19. Oktober 2014 

Seit 20 Jahren bereits gibt es den von Kurt Rosenkranz und dem Jüdischen Institut für Erwachsenenbildung veranstalteten „Jiddischen Kulturherbst“, der seine diversen Veranstaltungen diesmal im MuTh, dem Konzertsaal der Wiener Sängerknaben am Augarten, darbietet.

Unter dem Titel „Mameloschn daheim“ („Mameloschn“ ist die Bezeichnung der jiddischen Sprache auf Jiddisch) haben vier hoch kompetente Interpreten, die Schauspielerinnen Dagmar Schwarz und Inge Maux (diese auch als Sängerin tätig) und die Musiker Horst Hausleitner und Alexander Shevchenko einen Abend gegeben, der das Jiddische als – nennen wir es Welt- und Lebensgefühl in vielen Aspekten ansprach.

Dagmar Schwarz war für die Texte des Abends zuständig, die sie unter das Motto des jüdischen Sprichworts „Die Feder schießt schärfer als ein Pfeil“ stellte. Dann aber war es weniger das brillant Kasuistische als vielmehr das Melancholische des jüdischen Wesens, das sie mit den verschiedenartigen Beispielen ansprach, der sanfte Humor, das Rätselhafte.

Das alles bewegte sich in gut verständlichem Hochdeutsch – schließlich waren auch viele Gojim im Zuschauerraum, die dankbar waren fürs Verstehen. Nur gegen Ende des Abends, als Dagmar Schwarz und Inge Maux dann ein paar Lozelach tatsächlich in Jiddisch erzählten, war es mit dem intellektuellen Begreifen vorbei – da begab man sich auf eine andere Ebene des emotionalen Verständnisses…

Jiddischer Kulturherbst Inge Dagmar lesend 400

Dort war auch der Teil des Abends angesiedelt, den Inge Maux mit Jiddischen Liedern bestritt. Mit „Shpil zhe mir a lidele af yidish“ schlug sie den Ton an und bot mit ihrer wundervoll-ausdrucksstarken Stimme und ihrer geradezu zärtlichen Interpretation dann heitere Klassiker wie „Un az der Rebbe singt“ (wie schön, wenn die Chassidim einfach alles nachmachen, was der Rebbe tut…), aber auch Besinnliches wie die berühmte „A yidische mame“ und Tragisches, das einen geradezu würgte wie „Es brent Brider es brent, Oj unser orem Schtetl nebech brent“ von Mordekhay Gebirtig. Man hätte an diesem Abend sehr gern noch viel mehr Lieder von Inge Maux gehört.

Jiddischer Kulturherbst Musiker 400

Dass dieser Teil des Abends so stark war, lag auch daran, dass zwei hochkarätige Klezmer-Musiker, Alexander Shevchenko am Akkordeon und Horst Hausleitner mit der Klarinette, sie begleiteten. Darüber hinaus boten sie in Solo-Szenen immer wieder die „Seele“ des Jiddischen mit ihren Musikeinlagen, von zutiefst traurig grundiert bis zur stürmischen Fröhlichkeit dieser in Rhythmik und Melodik so unverwechselbaren Musiksprache, wobei Horst Hausleitner so virtuose Soli hinlegte, dass das Publikum hingerissen in die Musik hinein applaudierte.

Renate Wagner

 

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