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WIEN/ MuTh Augarten/ Wiener Taschenoper: HEXE HILLARY GEHT IN DIE OPER

Bildergebnis für hexe hillary geht in die oper
Nicole Tobler (Hillary), Rebeca Olvera. Copyright: Oper Zürich

WIEN / Wiener Taschenoper in the MuTh: HEXE HILLARY GEHT IN DIE OPER
13.1. 2017 Nachmittag –

Karl Masek

Eine nostalgische, liebe, zitronengelbe Citroen 2CV-Ente steht da auf der kunterbunten Bühne vor einer riesigen Wäscheleine samt kunterbunt aufgehängter Socken, Tücher und sonst allerlei Zeug. Vor dem Auto liegt ein entzückender, schnuckeliger Plüschhund. Die Hexe Hillary redet mit ihm – und er beantwortet ihre Kommunikation mit Schwanzwedeln.

Die Hexe Hillary ist noch ein Hexenlehrling. Das mit dem Raben wie bei einer echten Hexe hat nicht so richtig funktioniert. Es ist ein Hund geworden – ein „Sondermodell“, wie sie der diplomierten Hexe und Opernsängerin, Maria Bellacanta, mitteilt.

Aber hübsch der Reihe nach! Der Motorraum ist eigentlich eine moderne Form der „Hexenküche“. Es beginnt zu rauchen, wenn Hillary Zaubersprüche beginnt. Konzentration vor jedem Hokupokus!!  „Parmesan und Ohrenschmalz…“  Aber schmutzige Socken werden nicht rein gezaubert, sondern klein gezaubert. „Ja, zaubern muss man können“, hat zu meiner Kinderzeit schon der Zauberer im Kinderfernsehen (wie hieß der gleich: Habakuk?) gesagt.

Das Auto hat schon Telefon und Autoradio. Hexe Hillary gewinnt im Radio zwei Karten für die Oper. Sie freut sich unbändig über den Gewinn und ist auch mächtig stolz. Aber es wird ihr auch klar: Sie weiß eigentlich gar nicht, was das ist – eine OPER. Sie sucht Rat im „Lexikon für kleine Hexen“. Die Auskunft lautet: OPER ist Theater, wo alle nur singen“…

Das kann wohl nur ein Fluch sein, denkt Hillary. Wer singt denn bitte freiwillig? Natürlich kann sie es nicht lassen, den Hexenspruch, den sie für einen Singfluch hält, auszuprobieren. Auch da geht was schief. Es taucht eben die diplomierte Hexe Maria Bellacanta auf.

Sie erklärt Hillary (die anfangs noch völlig verständnislos reagiert, dass in der Oper Gefühle (ob lustig, ob traurig, ob wütend, ob romantisch,…) nicht gesprochen, sondern gesungen werden. Und mit Singen kann man diese Gefühle oft viel besser ausdrücken als durch noch so viele gesprochene Wörter. Und Hillary findet rasch Gefallen und zeigt ihre Gefühle – sie weint bitterlich bei Paminas Arie, sie setzt die zornigen Koloraturen der Königin der Nacht in eine Körpersprache um, wie das kreative und bewegungsfreudige Kinder auch tun würden.

Als Beispiele dienen zwei Ausschnitte aus: „Hänsel und Gretel“, die „Juwelenarie“ der Marguerite aus Gounods „Faust“ wird angesungen – denn Maria Bellacanta zaubert zwei wunderschöne Ohrringe für Hillary, denn so, wie Hillary „angezogen“ ist, könne man nicht in die gewonnene „Zauberflöte“- Vorstellung gehen. Natürlich kommt die „Zauberflöte zweimal vor – und nach beiden Ausschnitten (natürlich: „Der Hölle Rache…“!) brandet spontaner Applaus der Kleinen auf. Also: Auch Mozart, vor den Vorhang!

Alles soll natürlich nicht verraten werden. Nur so viel: Der Autor Peter Lund hat eine witzige, durchaus kindgerechte Vorlage geschrieben. Anja Horst sorgt mit kundiger Regie und schön anzuschauender, märchenhafter Ausstattung für Kurzweil. Sehr ansprechend die Lichtgestaltung von Dino Strucken. Es handelt sich um eine Produktion des Opernhauses Zürich in Kooperation mit der Wiener Taschenoper.
Nicole Tobler war die Hexe Hillary mit viel clownesker Situationskomik. Manches des doch mit schweizerischem Akzent gebrachten Sprachwitzes ging leider unter.

Rebeca Olvera machte  mit Bühnenpräsenz und koloraturagilem Sopran der Hexe Bellacanta alle Ehre. Und Hélio Vida war ihr ein skurriler „Hexenassistent“am Klavier.

Viel Applaus von den Kindern. Sie waren sehr aufmerksam und gaben auch ihrer Zufriedenheit mit Zurufen („Hallo, Hexe!“) Ausdruck. Für Erwachsene ist es in diesem Zusammenhang besonders vergnüglich, Kinder zu beobachten, wenn diese andere Kinder beobachten…

Für Kurzentschlossene (wenn Sie meine „Frühabend-Kritik“ womöglich noch heute Abend oder morgen Vormittag lesen können): Sonntag (um 16.00 Uhr) gibt’s noch eine Vorstellung, empfohlen für Kinder ab 6, Spieldauer: 50 Minuten.

Wie gesagt im MuTh, dem Konzertsaal der Wiener Sängerknaben, Am Augartenspitz 1, 1020 Wien.

Karl Masek