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WIEN/ Musikverein: LA STRANIERA – konzertant

08.02.2013 | KRITIKEN, Oper

Musikverein Wien: LA STRANIERA – 8.2. 2013

 Im Vergleich zu Norma, der Sonnambula und den Puritanern hat es Vincenzo Bellinis vierte Oper ungleich schwerer, sich auf den europäischen Bühnen zu behaupten. Die Uraufführung des melodramas in zwei Akten fand am 14. Februar 1829 am Teatro alla Scala in Mailand statt. Dem Libretto von Felice Romani liegt der Roman „L’Étrangère“ von Charles Victor Prévôt, vicomte d’Arlincourt (1789-1856) zu Grunde. Der gleiche Stoff wurde auch von François Ponsard (1814-67) in seiner Tragödie „Agnès de Méranie“ (1847) verarbeitet.

Neben einigen Einspielungen der Oper auf Tonträgern, existiert lediglich eine kommerzielle als Videomitschnitt einer Aufführung des Teatro Bellini di Catania vom 10. Januar 1988 mit Lucia Aliberti, Salvatore Fisichella, Elena Zilio und Franco Sioli in den Hauptrollen. Dirigent war Spiro Argiris, die Regie besorgte Alberto Fassini und der Ausstattung von William Orlandi.

Gespannt wartet man nun auf die szenische Umsetzung, die das Opernhaus Zürich gemeinsam mit dem Theater an der Wien koproduziert, und die für den 23. Juni 2013 geplant ist. Im Jahr 2015 wird diese Produktion dann ins Theater an der Wien übersiedeln und die Primadonna Assoluta di Belcanto, Edita Gruberova, wird die Wahnsinnspartie der Fremden erstmals szenisch in der Regie von Christof Loy und unter der musikalischen Leitung von Fabio Luisi interpretieren.

Von ihrem unvergleichlichen Können durfte sich das begeisterte Publikum am 8. Februar im Großen Saal des Wiener Musikvereins ein Bild machen. Die Handlung der Oper ist kaum verwickelter als jene der Norma. Immerhin liegt der Straniera aber ein historisches Ereignis zu Grunde: Im Jahre 1193 hatte König Philipp II. August von Frankreich die dänische Prinzssin Ingeborg geehelicht, ließ aber diese Ehe kurz danach vom französischen Klerus für ungültig erklären, welchem Akt Papst Innozenz III. jedoch seinen Sanctus verweigerte. Der König heiratete dann im Jahr 1196 Agnes von Andechs-Meranien und lebte somit in Bigamie. Im Jahr 1200 belegte der Papst den König dann mit dem Anathema und drohte ihn zu exkommunizieren. Daraufhin verstieß der König Agnes, die ein Jahr später verstarb, und nahm Ingeborg wieder bei sich auf.

Alaide, die Fremde, naht nach etwa einer halben Stunde, und hinter der geöffneten Bühnentüre hört man ein phrasiertes Ah, eine ergreifende Vokalise voller Melos. Edita Gruberova kennt die Partie in- und auswendig, schaut kaum in den bereitgestellten Notenständer mit der Partitur und spielt diese schwermütige Alaide als ob es sich bereits um eine szenische Aufführung handelte.

Ein Teil ihrer verdienten Begleiter waren – wie schon bei der konzertanten Anna Bolena im Januar – José Bros als stimmgewaltiger Arturo di Ravenstel, Sonia Ganassi als Isoletta mit gut geführtem Mezzosopran, Paolo Gavanelli als Valdeburgo, eigentlich Leopoldo, Bruder der Fremden, mit behäbigem Bariton, sowie Sung-Heon Ha als Prior mit solidem Bass, der junge rumänische Bass Leonard Bernad als Signore di Montolino und der ebenso junge US-amerikanische Tenor Randall Bills als Osburgo ergänzten, mit wenigen Abstrichen, zufriedenstellend.

Pietro Rizzo leitete das Münchner Opernorchester mit Verve. Der Philharmonia Chor Wien unter der routinierten Leitung von Walter Zeh trug das Seine zum großen Erfolg dieses Abends bei. 19 Minuten lang währender Applaus bedanke das gesamte Team für diese Sternstunde des musikalischen Lebens in Wien. Am 18. Februar wird die Primadonna dann exakt ihr 45-jähriges Bühnenjubiläum mit der Straniera im goldenen Saal des Musikvereins feiern. Für ihre Fans ist das natürlich ein Pflichttermin! Hingehen und miterleben!

Harald Lacina

 

 

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