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WIEN/ Musikverein: ABSCHIED VON NIKOLAUS HARNONCOURT

18.04.2016 | Konzert/Liederabende

WIEN / Musikverein: ABSCHIED VON NIKOLAUS HARNONCOURT am 17.04.2016

Als wir im Oktober des Vorjahres die Karten für dieses Konzert kauften, freuten wir uns auf zwei Beethoven-Sinfonien in einer nicht alltäglichen Interpretation von Nikolaus Harnoncourt mit seinem Concentus Musicus. Diese Veranstaltung kam bekanntlich wegen des angegriffenen Gesundheitszustandes des Altmeisters nicht mehr zu Stande – als Ersatz war ein Konzert im April 2016 mit Telemann-Ouvertüren  unter der Leitung von Stefan Gottfried vorgesehen.

Leider führte das Schicksal gnadenlos Regie und so wurde aus dem Aufbruch in eine neue Ära eine Gedenkveranstaltung, bei der die Musikwelt und die Gesellschaft der Musikfreunde von ihrem Ehrenmitglied Abschied nahmen. Am Samstag Vormittag würdigten Freunde, Wegbegleier und Vertreter des öffentlichen Lebens das Schaffen und die Persönlichkeit dieses einzigartigen Musikers; abends wurde erstmals das Gedenkkonzert mit Werken von Mozart gespielt. Dieser Bericht handelt von der zweiten Aufführung am Sonntag, bei dem auch ein Kondolenzbuch für den persönlichen Abschied aufgelegt wurde. Wir haben davon im Namen des „Merker – Vereins“ und im eigenen Namen Gebrauch gemacht.

Das Konzertprogramm war mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozart, der ja im Leben des Musikwissenschaftlers und Dirigenten eine dominierende Bedeutung hatte, passend und würdig zusammengestellt.

Zu Beginn hörten wir die g-moll Symphonie KV 550 – die uns ja als Klingelton von vielen Handys entgegenschallt – vom Concentus Musicus in einer temperamentvollen, fein detaillierten Interpretation. Besonders im dritten Satz war Nikolaus Harnoncourt allgegenwärtig – man hatte seinen unvergleichlichen, leidenschaftlichen Gesichtsausdruck deutlich vor dem geistigen Auge – er lebt in der Spielpraxis „seines Orchesters“ weiter.

Der würdige Abschied konnte nicht besser als durch das Requiem d-moll KV626 begangen werden. Stefan Gottfried, der in Zukunft gemeinsam mit Erich Höbarth und Andrea Bischof die Geschicke des Concentus Musicus lenken wird, führte das Orchester zu einem leidenschaftlichen, ungewohnten Hörerlebnis, das vom fast übersinnlichen Klang des Arnold Schoenberg Chores – Leitung: Erwin Ortner – ergänzt wurde.

Für die Solostimmen wurden internationale Stars aufgeboten, die allesamt mit Nikolaus Harnoncourt zusammengearbeitet und von seinem Wirken profitiert haben. Die Sopranpartie sang Julia Kleiter mit klarer, tragfähiger Stimme. Bernarda Fink bildete mit ihrem eindrucksvollen Alt einen interessanten Kontrast.

Den bewährten Mozarttenor Michael Schade verband mit Harnoncourt eine enge künstlerische Partnerschaft  – diesen Einfluss hört und spürt man wohltuend. Mit dem kanadischstämmigen Bariton Gerald Finley war ein vielseitiger Star für die souveränen, tiefen Töne zuständig.

Das Requiem in dieser ausdrucksstarken Interpretation macht deutlich, dass Mozart – gemeinsam mit seinem Partner Franz Xaver Süßmayr – bei der Arbeit an diesem interessanten Werk mit der abenteuerlichen Entstehungsgeschichte revolutionäre Ideen verwirklichte um die besinnliche Grundstimmung zu erzielen, die für eine feierliche Totenmesse geboten ist.

Dass das Requiem zu Mozarts Opus ultimum wurde, gibt dem Werk eine zusätzliche Bedeutung – dieser Geist wurde nach dem Verklingen der Musik spürbar. Aus dem segensreichen Brauch, nach einem Requiem nicht zu applaudieren entwickelte sich eine Schweigeminute, in der der Geist des Verstorbenen deutlich spürbar war.

Maria und Johann Jahnas

 

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