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WIEN/ Musikverein: 3. KONZERT DER WIENER SYMPHONIKER IM BEETHOVEN-ZYKLUS UNTER PHILIPPE JORDAN MIT DER „ZWEITEN“ UND DER „SIEBENTEN“

22.04.2017 | Konzert/Liederabende

WIEN/ Musikverein: 3. KONZERT DER WIENER SYMPHONIKER IM BEETHOVEN-ZYKLUS UNTER PHILIPPE JORDAN MIT DER „ZWEITEN“ UND DER „SIEBENTEN“ 21.4.2017

Dies war nun nach Konzert eins mit der 1. und 3., Konzert zwei mit der 4. und 5. Konzert Nummer drei mit der 2. und 7. Symphonie im heurigen Beethoven Zyklus der Symphoniker unter Jordan.

Die Zweite vor die Siebte zu stellen, schien mir eine gute Wahl. Wie ein Geschwisterpaar treten sie auf, die Zweite und Ältere ist die Wohlbehütetere, aber man hört ihr schon an, was die jüngere Schwester, die, von den Eltern weniger behütet, wird tun dürfen. Wo die ältere Schwester um zehn Uhr zuhause sein musste, darf die jüngere irgendwann nach Mitternacht heimkommen.

Kurz gesagt: Das Konzert war gut bis sehr gut, aber auch diesmal war ich nicht zu hundert Prozent begeistert. Warum?

Die interpretationen der Beethovenschen Symphonien der Wiener Symphoniker unter Philipp Jordan wandern zwischen interpretatorischer Tradition und Moderne. Klug gesetzte, durchaus auch von mir so noch nicht gehörte Akzente, zügige Tempi wohl in Nähe der Beethovenschen Metronomangaben, hervorragend aufeinander eingestimmte Bläser, alles in allem recht erfrischend. Nikolaus Harnoncourt hat einmal gesagt, dass ein Konzert dann besonders gut würde, wenn sich das Orchester kurz vor dem Chaos befände. Das heißt, die Musiker müssen ans Limit gehen können und wollen. Nun, hier liegt vielleicht der Hund bei den Beethoven Konzerten der Symphoniker unter Jordan begraben. Jetzt sind die Symphoniker nicht gerade bekannt dafür, im Konzert das letzte Hemd zu geben (Ausnahmen bestätigen die Regel) und im Wissen, dass man eine Gesamtaufnahme aller Symphonien für CD und hoffentlich auch Vinyl macht, klingt das Orchester über weite Strecken so, als würden die Musiker mit angezogener Handbremse spielen. Im Streben nach Präzision und Fehlerfreiheit, fehlt, so erschien mir bisher, der unbedingte Wille zum letzten Risiko. Schade, denn das Orchester war bei allen bisherigen Konzerten dieser Reihe bestens disponiert.

Philipp Jordans Bemühen um das Dirigat zu folgen, war mir nicht immer möglich. Große, ausladende Armbewegungen, einem Dompteur gleich versucht er das Orchester zu dressieren. Mal will er förmlich auf die Geiger einstechen, vielleicht selbst Hand anlegen, dann rudern seine Arme großen Bögen gleich im Schwall der Musik. Welchen Takt Jordan dirigierte, war mir nicht immer nachzuvollziehen. Allein ich hatte das Gefühl, dass die Musiker gar nicht hinschauten, was ihr Maestro gerade von ihnen wollte. Also alles nur Show?

Es war trotzdem ein gelungener Abend. Die Zweite ist ja gar nicht so leicht zu interpretieren. Eine Vielzahl von Ideen, die zu einem Ganzen zu verbinden, sehr anspruchsvoll ist. Beispielhaft: Gänsehaut beim Finale der ersten Satzes des Zweiten, sehr gelungen die Spannungssteigerung, großer Glanz. Tänzerische Momente stehen langen Bögen im zweiten Satz gegenüber, hervorragend nicht nur hier die Holzbläsergruppe. Interessant der Dialog zwischen Holz und Streichern im dritten Satz, wie Jordan auch den vierten Satz wie ein sehr angeregtes Gespräch, das sehr versöhnlich endet, gestaltet. Und nach der Pause dann die Siebte. Fast erschien es mir, als spiele das Orchster so wie ein Fußballteam nach einer Kabinenpredigt in der Pause, nämlich so, als wolle man einen Rückstand in einen Sieg umwandeln. Spannungsgeladen, frisch, sehr lebendig und lustvoll der 1. Satz, intim und auf der eher schnellen Seite der 2. Satz. Rhytmisch pulsierend und presto der dritte Satz. Großes Lob bis hierher für das Orchester, etwas mehr Freiheit und Mut für die Pauke hätte ich mir generell gewünscht. Wozu gibt es sie denn? Und dann für mich leider viel zu schnell der 4. Satz. Das war prestissimo und nicht allegro assai und damit so wie bei manch einer modernen Inszenierung im Burgtheater: es wird so schnell gesprochen, dass man nichts mehr versteht. Der vierte Satz ist von sich aus wie ein Hymnus, eine Apotheose und extrem voller Energie. Dies dann aber noch durch ein absurdes Tempo zu unterstreichen, erschien mir kontraproduktiv. Das war sehr effektvoll und hat dem Publikun wohl gefallen, aber ob es im Dienste der Musik stand, wage ich zu bezweifeln. Und auch die Symphoniker hatte mit dem Tempo ihr verständliche Mühe. Das war für mich zu viel des Guten. Eine Hudlerei.  

MIWA

 

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