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WIEN/ Museumsquartier/ Halle E: PALLAS ATHENE WEINT von Ernst Krenek

30.10.2016 | Oper

Opernrarität in Wien:: „Pallas Athene weint“ von Ernst Krenek (Vorstellung: 29. 10.2016)

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Pallas Athene (Mareike Jankowski) weint über den Untergang von Athen (Foto: Armin Bardel)

Wenn in Wien einmal eine Opernrarität eines österreichischen Komponisten zu sehen ist, dann handelt es sich meist um eine Produktion der Neuen Oper Wien. So auch in diesen Tagen in der Halle E des Museumsquartiers mit der fast nie aufgeführten Oper „Pallas Athene weint“ von Ernst Krenek (1900 – 1991). Das Werk (1 Vorspiel und 3 Akte) entstand in den Jahren 1952 bis 1955 und wurde 1955 in Hamburg uraufgeführt.

Den historischen Hintergrund der Oper, die als Rückblende erzählt wird und deren Libretto der Komponist selbst verfasste, bilden die Sizilien-Expedition der Athener in den Jahren 415 / 414 und der Peloponnesische Krieg. Die Handlungen der drei Schüler von Sokrates – Alkibiades, Meletos und Meton – ist im Werk richtungsgebend für die faschistoide Bedrohung Athens durch Sparta und dessen König Agis. Wie zeitlos Kreneks Werk ist, zeigt uns die derzeitige politische Krise der Europäischen Union. Bezeichnend hiefür ein Zitat aus dem sehenswert gestalteten Programmheft der Neuen Oper Wien: „Die Frage wird sein, wie die politischen Akteure es in der absehbaren Zukunft mit dem Schutz der europäischen Demokratie angesichts der poltischen Krise halten, oder wie Sokrates es formuliert: ‚Müssen wir also, um die Freiheit zu erhalten, sie erst aufgeben?‘“   

Christopher Zauner sorgte für eine packende Inszenierung mit exzellenter Personenführung. Das eher karge Bühnenbild von Jörg Brombacher zeigt eine zum Teil zerstörte Säulenhalle, die Kostüme – von Mareile von Stritzky entworfen – wirkten zeitlos, wobei die Damen eleganter kostümiert waren. 

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Der Wiener Kammerchor agierte stimmkräftig als Volk von Athen (Foto: Armin Bardel)

Das gut ausgewählte Sängerensemble bot durchwegs eine starke Leistung, die das Publikum von Beginn an in seinen Bann zog. Schon im Vorspiel berührte die Mezzosopranistin Mareike Jankowski als weinende Pallas Athene mit Klagelauten ohne Worte die Herzen. Elegant und weise wirkte mit seiner wortdeutlich warnenden  Stimme der Bariton Klemens Sander als Sokrates, der schließlich zum Schierlingsbecher greift.  

Die Darsteller seiner drei Schüler Alkibiades, Meletos und Meton überzeugten auf unterschiedliche Weise in ihren Rollen. Hervorragend der Tenor Franz Gürtelschmied, der die Machtgier und den Verrat von Alkibiades stimmlich wie schauspielerisch exzellent darstellt. Ebenso der Tenor Lorin Wey in der Rolle des Meletos, der wie ein Wendehals die Lehren seines Meisters verrät. Aber auch der Bariton Yevheniy Kapitula als Meton, der seine Ziele mit Fanatismus verfolgt, überzeugte stimmlich wie darstellerisch.

Auf fast tänzerische Art und Weise gab die Sopranistin Barbara Zamek die Rolle der Priesterin Althea, wobei sie des Öfteren stimmlich extremste Höhen zu meistern hatte.  

Eine Augenweide war die elegante südafrikanische Sopranistin Megan Kahts, die ihre Rolle als Königin Timaea temperamentvoll gegenüber ihrem Gatten Agis und  verführerisch gegenüber Alkibiades spielte.

Mit großer Bühnenpräsenz stellte der Bass Karl Huml Agis, den König von Sparta dar. Mit markanter Stimme und hinterhältigem Lächeln spielte er den grausamen, ohne Mitleid agierenden Herrscher. Eine eindrucksvolle Leistung!

Zur guten Ensembleleistung trugen aber auch die Darsteller der kleineren Rollen bei: der chinesische Tenor Hanzhang Tang als Lysander, der isländische Bariton Kristján Johannesson in den Rollen Nauarchos und Brasidas und der russische Tenor Savva Tikhonov. Stimmkräftig der Wiener Kammerchor, der als Volk und Senatoren von Athen agierte (Einstudierung: Michael Grohotolsky).

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Timaea, die Gattin Königs Agis von Sparta (Megan Kahts), verführt Alkibiades (Franz Gürtelschmied) Foto: Armin Bardel

Für die hohe musikalische Qualität sorgte das stark besetzte Tonkünstler-Orchester Niederösterreich unter der Leitung von Walter Kobéra, dem Intendanten der Neuen Oper Wien. Zur Musik Kreneks ein Zitat aus dem Programmheft: „Ernst Krenek gelingt es, mit dem freien Umgang mit der Zwölftontechnik einen kompositorischen Bogen zur Grundthematik von ‚Pallas Athene weint‘ zu schlagen, der Freiheit.“

Am Schluss gab es vom begeisterten Publikum nicht enden wollenden Beifall mit Bravorufen für alle Mitwirkenden. Man muss der Neuen Oper Wien zu dieser Produktion gratulieren. 

Udo Pacolt

 

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