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WIEN/ Museumsquartier/ Festwochen: „OCCAM OCEAN II“ von Éliane Radigue. Die alte Dame und ihr Ego

20.09.2020 | Konzert/Liederabende

Wiener Festwochen 2020: „OCCAM OCEAN II“ (19.9.2020) – die alte Dame und ihr Ego

 

Lebensfreude vermittelt diese Musik – besser gesagt: Klangtexturen – der heute 88jährigen Pariserin Éliane Radigue so gut wie keine. Die Komponistin elektronischer Musik und Synthesizer-Pionierin früherer Jahre versetzt ihre Zuhörer in eine kaum mehr zu überbietende Minimalismus-Einöde. Zwei Stücke, an die eineinhalb Stunden ein stets ruhiges, sehr ruhiges und nicht die Glücksnerven ansprechendes Klanggemälde mit dem sich geheimnisvoll gebenden Titel „Occam Ocean II / Chry-Ptus“. Ein geduldig  auszusitzender Abend für an Elektro-Akustik Interessierte.

Zuerst einmal nur gleichförmige Synthesizer-Klänge, langatmig, ein bisschen Schattenspiel dazu. Dann nahm das aus Paris eingeladene Ensemble ONCEIM mit auf Gelassenheit ausgerichtetem Gleichmut auf der Bühne der kleinen Museumsquartier-Halle Platz: dreißig leger gekleidete MusikerInnen, davor ein regungsloser Dirigent. Die Doktrin ihres ONCEIM-Chefs: der Klang als plastische Kunstform. Durchaus interessant. Und wie hört sich Radigues Klangzauber an? Minimalismus, aber  total, mit extrem lang gehaltenen, selten changierenden Tönen oder Intervallen, piano, piano, gelegentlich leicht anschwellend, nie verführerisch. Radigue scheint völlig verhaftet in ihrem kompositorischen Ego gewesen zu sein. „Immer im Wachsen begriffen, nie stabil“, meint die alte Dame zu ihrem Lebenswerk.

Seelische Beglückung lässt sie beim Hörer jedenfalls keine aufkommen.

Meinhard Rüdenauer 

 

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