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WIEN/ Museumsquartier: ASTANA-BALLETT

MUSEUMSQUARTIER/HALLE E : ASTANA BALLETT(Gastspiel) am 24. 9. 2014

Unbenan
Copyright: Astana Ballett

 Mit Spannung war das erste Gastspiel des Astana Balletts in Wien erwartet worden, hatte doch die Werbung im Vorfeld Großartiges versprochen:

 “ Ein Spektakel wie aus Tausend und einer Nacht….ein überraschendes und vielseitiges Programm… eine atemberaubende Produktion, die an die geheimnisvolle Welt des Fernen Ostens und Zentralasien erinnert…in orientalischen farbenprächtigen Kostümen und vor einem spektakulären Bühnenbild werden die Künstlerinnen aus der Steppe das Wiener Publikum verzaubern…das Repertoire spiegelt die bunte Palette der verschiedensten Völker dieser Welt wider. ..kasachische, türkische, indische und chinesische Kompositionen sowie Meisterwerke der klassischen Musik werden in anspruchsvollen Choreografien dargeboten…“

Nun haben ja die Erzählungen aus 1001 Nacht schon rein geographisch mit Astana gar nichts zu tun (sie spielen in Bagdad und entstammen der persischen Kultur), dennoch wurden die Zuschauer in der bis auf den letzten Platz gefüllten Halle E im Museumsquartier diesbezüglich nicht enttäuscht.

 Denn die junge Truppe – erst vor wenigen Jahren auf Wunsch des Präsidenten gegründet – weist zwei Besonderheiten auf: sie besteht erstens nur aus Ballerinen und zweitens lernen diese gleich nach dem Abschluss des Konservatoriums nicht nur klassische und neoklassische Nummern, sondern auch zeitgenössische, und traditionelle Volkstänze. Außerdem arbeitet man mit eigenen,“ hauseigenen “ Komponisten zusammen.

Im ersten Teil des Abends sah man sechs einzelne, von einander unabhängige  Choreographien : “ Die Schwäne (Y.Kusainov), “ Die Schwalben “ (K.Jenkins), “ Die Namensgebung “ (K. Shildebayev), „Berührung“ (Japanischer Tanz),“ Sinnestäuschung „(I.Stravinsky) und „Parade der Schönheiten “ (Komposition der Ethno-Gruppe Turan).

 Alles sehr soft, sehr friedlich, sehr freundlich, mit sehr fließenden Bewegungen und –  zum Entzücken der zahlreichen anwesenden Kinder – auch sehr „prinzessinnenhaft“.

 In Pausengesprächen konnte man vernehmen, dass die angekündigte und wörtlich genommene „Farbenfrohheit“ (mit grellen Farben, wie sie weder im westeuropäischen Alltag noch auf westeuropäischen Bühnen üblich sind) einigen Besuchern gewöhnungsbedürftig erschien, und manche weibliche Tanzbegeisterte beklagte wortreich den Mangel an Ballerinos.

Auch die flächendeckend(im Hintergrund und auf den Bühnenboden) eingesetzten Videoprojektionen (die bei uns ja doch langsam wieder aus der Mode kommen) wurden nicht allgemein goutiert.

 Nach dem Break folgte hingegen ein einaktiges Handlungsballett namens „Alem“ mit dem Untertitel “ Geburt der Schönheit „.

Unbenannt

Copyright: Astana Ballett

 Inhalt laut Programmheft:

 “ Ak Yene – die heilige Mutter – bereitet sich auf die Erschaffung eines neuen Lebens vor. Um das Neugeborene vor dem Bösen bewahren zu können, braucht sie sieben sakrale Talismane. Sieben Mädchen helfen ihr dabei, diese Talismane herbeizuschaffen, wobei das letzte der sieben Mädchen, Ala Zhip, die Talismane zur einen gemeinsamen Einheit verbindet. Danach beginnt Al Yene mit dem Ritual.

 Es erscheinen Helferinnen von Ak Yene – Priesterinnen, Reisende in drei Welten: der oberen, der mittleren und der unteren Welt. Sie beschützen den Baum des Lebens, dessen Blätter Seelen sind, die sich wünschen, eine irdische Haut zu finden. Die Priesterinnen warnen sie vor den Schrecken des Lebens auf der Erde, schildern furchtbare Bilder des Hungers, der Einsamkeit und des Leidens. Trotzdem will jede Seele auserwählt werden und die Welt mit Schönheit erhellen.

 Ak Yene und ihre Helferinnen haben nur eine Seele ausgesucht, nämlich alle drei ihre Hypostasen und geben jeder ihre eigene Farbe. Die helle Seite wird blau, die dunkle schwarz, und das echte Wesen der Seele purpurrot. Doch zuerst müssen alle Belastungsproben bestanden werden. Als erste erscheint vor den Priesterinnen die helle Seite der Seele. Sie ist wunderschön, aber für die Priesterinnen ist es wichtig zu wissen, inwieweit sie lebensfähig, stark und offen für die Welt ist. Die erste Belastungsprobe ist Angst. Die Priesterinnen fallen über die blaue Schwester her, aber es gelingt ihnen nicht, sie zu erschrecken.

 Nachdem sie die schweren Belastungsproben gesehen haben und die Trennung von der Freundin ahnen, nehmen die anderen Seelen-Blätter von der Erwählten Abschied und weinen. Die Peri – lichtbringende Feen, die alle lebenden Wesen vor Bösen der unteren Welt beschützen – trösten sie. Sogleich, als gutes Vorzeichen, das das Gute verspricht, erscheinen Pferde.

 Es erklingt ein Gebet der Auserwählten. Ihr steht eine Hauptbelastungsprobe bevor – in die Ungewissheit einzutreten, eine irdische Haut zu erwerben. Ob sie es wert ist, das Gottesgeschenk der Seele zu behalten? Die Erwählte macht einen Schritt und wird gleich von bösen Mächten überfallen, die ihre helle Seite vernichten wollen.

 Der große Kampf beginnt. Ak Yene und die Priesterinnen kämpfen mit dem Dämon des Bösen – Martu und seine Armee des Chaos. Einmal gewinnen sie, ein anderes Mal werden sie besiegt. Die bösen Mächte haben die Dreifaltigkeit der Seele erkannt und führen nun ihre dunkle Seite mit fort. Mit ihrer Hilfe erobern sie Dombaul – das Stonehenge der Steppe, ein uraltes Observatorium. Ak Yene und ihre Wächterinnen bereiten sich auf die Belagerung von Dombaul vor – sie nehmen ihre Waffen zur Hand. Die dunkle Seite der Seele tritt auf die Seite des Bösen und der Sieg fällt dem Chaos zu. Doch die Priesterinnen haben noch nicht all ihre Kräfte eingesetzt.

 Nun kommt es zum Höhepunkt des Kampfes und die Kräfte des Lichts erringen den Sieg. Es ist ein Mensch zur Welt gekommen, dem Ak Yene KUT schenkt– ein göttliches Talent. Die Seele hat eine irdische Haut gefunden, sei es auch nur für eine kurze Zeit, doch es ist eine wunderschöne Haut. Die Seele hat einen Namen verdient – ALEM. Es ist der Name unserer Welt, unseres Universums.“

Alle diese Vorgänge waren natürlich für den Nicht-Kasachen nicht wirklich nachvollziehbar. Aber bereits  von den ersten Takten an hob es sich dieses Handlungsballett doch sehr von den sechs choreographischen „Hors d’Oeuvres“ ab.

 Heftigere, schnellere, härtere Rhythmen, eine abstraktere Lichtregie(mit schachbrettartig aufflackernden Scheinwerferquadraten, extensive Ausnützung der Bühnendiagonalen,etc., insgesamt viel kraftvoller und eindrucksvoller.

 Das Publikum folgte diesen sehr unterschiedlichen Stilübungen jedenfalls mit großer Aufmerksamkeit und Spannung, ermüdete aber dann gegen Ende aufgrund der unerwartet langen Spieldauer (1 Stunde 15 Minuten) doch ein wenig.

 Dennoch großer Applaus für die hübschen,sympathischen und ohne Rücksicht auf Verluste rückhaltlosen Einsatz zeigenden jungen Tänzerinnen aus Kasachstan, besonders für Nazerke Akhmet (die Schönheit der Welt), Zere Ismailova (die helle Seite der Seele), Zhibek Meshitbav (die dunkle Seite der Seele) und Ayaulym Makumova (die Göttin-Stammmutter)..

 Die Truppe hat, wie uns der künstlerische Leiterin Alila Alisheva in einem Interview mitteilte, jedenfalls noch große Pläne. Der Spielplan sei bereits auf Jahre hinaus festgelegt. Als nächstes stünde „Die Seele des Tanzes“, eine Hommage an Anna Pawlowa, sowie ein weiteres einaktiges Handlungsballett mit dem Arbeitstitel “ Melodien eines Nomaden “ auf dem Programm. Weitere Gastspiele in Europa und Asien sollen auch folgen.

 Robert Quitta

 

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