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WIEN / Museum Judenplatz: WARHOLS JUDEN

14.03.2012 | Ausstellungen

 

WIEN / Jüdisches Museum Wien – Museum Judenplatz: 
„JÜDISCHE GENIES“ – WARHOLS JUDEN
Vom 14. März 2012 bis zum 2. September 2012 

  

Sigmund Freud bleibt in Wien

Es war ein Ereignis, zu dem Direktorin Danielle Spera in ihrer Dependance, dem Museum Judenplatz, bitten konnte: Sie brachte nicht nur Andy Warhols legendäre Serie „Ten Portraits of Jews of the Twentieth Century“ nach Wien, sondern auch den Mann, dem die Kunstwelt diese Werke verdankt: Ronald Feldman, Kunsthändler und lange Zeit einer der engsten Mitarbeiter Warhols. Eines der zehn Bilder zeigt einen weltberühmten Österreicher, nämlich Sigmund Freud, und es hat sich ein Sponsor gefunden, der dieses Bild für das Jüdische Museum erworben hat. Nun würde die Direktorin inständig wünschen, dass großzügige Spender zusammen legen, damit die ganze Serie in Wien bleiben kann…

Von Renate Wagner

Ronald Feldman erzählt    Wer genügend Zeit hat, kann sich in einem kleinen Extraraum ein Interview ansehen, das Danielle Spera mit Ronald Feldman über die Entstehung dieses Zyklus geführt hat (es ist auch im Katalog nachzulesen): Tatsächlich hat Warhol Feldmann nach einer Idee für einen Bilderzyklus gefragt – und dieser schlug erst amerikanische Präsidenten vor. Das interessierte Warhol nicht. Für zehn bedeutende Juden des 20. Jahrhunderts konnte er sich sofort erwärmen. Die Wiener Ausstellung zeigt handschriftlich und transkribiert die Liste, die Feldman damals erstellte. Warhol nahm von jeder Spezies (Politiker, Musiker, Wissenschaftler, Künstler) eine Persönlichkeit, und Ronald Feldman griff nur einmal in die Wahl ein: Er bestand geradezu auf den Juristen Louis Brandeis, der erste Jude, der in den USA oberster Richter wurde und dessen liberale Entscheidungen auch für die Besserstellung der Frauen von Bedeutung waren.

„Nur“ Foto-Collagen     Danielle Spera kehrte bei der Pressekonferenz keinesfalls unter den Tisch, dass diese Serie von Warhol zwiespältig aufgenommen wurde. Er hatte einmal nicht seine klassischen bunten Siebdrucke von weltweit bekannten „Promis“ hergestellt, sondern Fotos mit Verfremdungeffekt collageartig bearbeitet. Dazu kam, dass Warhol kein Jude war und sich, wie Ronald Feldman berichtet, auch nicht mit dem Judentum auseinander gesetzt hat. (Dennoch sind gerade diese Werke für die Juden besonders wichtig geworden.) Als Warhol beispielsweise Martin Buber in die Liste aufnahm, hatte er diesen überhaupt nicht gekannt, bevor er ihn durch Feldman kennen lernte.

Drei Damen und sieben (neun) Herren     Warhol wählte die Schauspielerin Sarah Bernhardt, die Schriftstellerin Gertrude Stein (mit ihrem durch und durch männlichen Gesicht) und jene Dame, die einem vor allem unverkennbar geradezu entgegen springt: die große Golda Meir. Neben Louis Brandeis sieht man die Gesichter von Albert Einstein, Martin Buber, George Gershwin, den drei Marx Brothers (und diese hat Warhol auch noch dreifach dargestellt) sowie der „Österreicher“ (wenn man Kafka als Sohn der Monarchie dermaßen vereinnahmen darf) Franz Kafka und Sigmund Freud.

 

Zum Drüberstreuen: André Heller    Als Andy Warhol 1981 nach Wien kam, hat André Heller ihn nicht nur durch die Stadt geführt, wovon man in der Ausstellung einige bemerkenswerte Fotos sehen kann. Die beiden verstanden einander auch so gut (Andy und André, das wäre doch ein guter Titel für eine Operette, meinte Warhol damals), dass Warhol Heller zeichnete. Zweimal Heller fettet nun die Juden des 20. Jahrhunderts auf – nur dass der Porträtierte persönlich fehlte: Er schmückte die Präsentation seiner Biographie bei der Leipziger Buchmesse. International betrachtet, wird ihn vielleicht sub specie aeternitatis nichts berühmter machen, als die Tatsache, dass Warhol ihn gezeichnet hat.

Bis 2. September 2012, täglich außer Samstag 10 bis 18 Uhr, Freitag nur 10 bis14 Uhr

 

 

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