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WIEN / Mozarthaus: PAOLO RUMETZ – UNA SERATA ITALIANA

Paolo und Pianistin  est~1

WIEN / Mozarthaus / Bösendorfersaal: 
PAOLO RUMETZ – UNA SERATA ITALIANA
Italienische Lieder und Arien
25.
Februar 2017

Paolo Rumetz, geschätzter Rigoletto-Einspringer der Staatsoper, bewunderter Einspringer-Falstaff, hat sich entschlossen, einmal hören zu lassen, was er noch alles kann (außer den Bassi Buffi, als welche er gelegentlich auf der Bühne erscheinen darf). Begleitet von der immens kompetenten Kristin Okerlund gab er in den Tiefen des Mozarthauses (der Bösendorfersaal liegt „unter der Erde“) einen Abend, bei dem er sich in brillanter Höchstform präsentierte, mit herrlich dunklen, samtigen Tiefen und kraftvoll-metalligen Höhen – ein echter Bassbariton, der in Basses Regionen hinabsteigt und jede geforderte Bariton-Höhe erreicht. Er hat es temperamentvoll bewiesen.

Dabei hat er das Programm gegen jeden Usus „umgedreht“ – üblicherweise kommen erst die Opernarien, dann die Drüberstreuer, die italienischen „Schlager“. Allerdings sind Denza, Brogi und vor allem Paolo Tosti gar nicht so einfach zu singen, das ist Folklore auf höchstem Niveau, „L’ultima canzone“ ist ein Meisterstück, das nicht nur Stimme, sondern inhaltlich ausgeformte Interpretation fordert.

Paolo am Klavier~1

So prächtig Rumetz sein Publikum eingestimmt hatte, so war er doch nach der Pause mit den großen Arien des Bariton-Repertoires am rechten Ort und ließ Rollen hören, die er in Wien nie singen durfte: Von Verdi Posas ergreifenden Tod, Renatos glühende Wut und später, als Gänsehaut erzeugende Draufgabe, Jagos abgrundtiefen Nihilismus. Zumindest in dieser Rolle möchte man ihn unbedingt auf der Bühne hören (und ein paar andere, von Amonasro bis Germont, könnte man sich auch gut vorstellen – aber die Staatsoper hatte niemanden zu diesem Liederabend entsandt).

Ein pointiert durchgeformter Bajazzo-Prolog und die große Arie des Gerard aus „André Chenier“ bewiesen, dass er die Kraft und die Lust auf den explosiven Verismo hat, um dann in Sekundenschnelle die Stimmung zu wechseln und zu zeigen , was er – wie man seit Falstaff weiß – auch hat: nämlich Humor. Den Gianni Schicchi ließ er in herrlicher Boshaftigkeit auf die Zuhörer los.

Diese waren schlechtweg hingerissen. Und als die Besucher nach dem erwähnten Jago dann noch Tostis „Una serenata“ als Draufgabe bekamen – da hatte der Abend seine  Vorgabe einer „Serata Italiana“ auf das schönste erfüllt.

Renate Wagner

 

 

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