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WIEN / Metropol: NESTROY VERLIEBT

02.06.2015 | KRITIKEN, Theater

nestroyverliebt_Plakat

WIEN / Metropol / Pawlatschen: 
NESTROY VERLIEBT von Peter Hofbauer
Premiere: 26. Mai 2015,
besucht wurde die Vorstellung am 1. Juni 2015  

Peter Hofbauer ist gleicherweise als Nestroy-Kenner verbürgt und als Autor bekannt, der mit leichter Hand leichte Stücke hinwirft, die sich für sein „Metropol“ in Hernals besonders gut eignen. Zumal, wenn es Sommer wird und man im Garten vor einer „Pawlatschen“ unter freiem Himmel sitzen kann, essen und trinken, und vorne wird auf den Brettern Theater gespielt. Vorstadttheater.

„Eine Posse über Johann Nestroy im Stil einer Nestroy-Posse“ – ein bisschen Privates, eng verbunden mit Szenen und Couplets aus den Stücken, wobei man sich auf farbige Figuren aus der Realität stützten kann: Nestroy, der wirklich seine Blicke und Hände nicht von hübschen Frauen lassen kann; Direktor Karl Carl, in dieser Hinsicht nicht viel besser, aber sonst vor allem aufs Geldverdienen gepolt; der rundliche Schauspielerkollege Wenzel Scholz, der sich das Tohuwabohu ansieht und kommentiert; und schließlich Theatersekretär Ernst Steinhauser, der tatsächlich zwischen alle Fronten gerät, was für einen anständigen Kerl nicht einfach ist…

So viel auf Männerseite. Auf Damenseite stimmt sich die Marie Weiler, Nestroys scharfzüngige, aber auch sehr geplagte Lebensgefährtin, auf ihre Tobsuchtsanfälle ein. Nicht ganz korrekt ist übrigens die Namensgebung bei Carls Gattin (sie hieß nicht Pauline, wie hier behauptet, sondern Margarethe), und bei jener Dlle. Condorussi, die hartnäckig als Therese bezeichnet wird, aber eigentlich eine Eleonore war. Dass über sie und Nestroy viel geklatscht wurde, stimmt allerdings, und ebenso, dass zweifellos Marie Weiler für ihre Entfernung aus dem Ensemble des Carltheaters sorgte… Das ist eine Menge temperamentvolles Futter für zwei Theaterstunden.

Wo Hofbauer „dichtet“, tut er es im Sinn und Stile Nestroys, und wenn er Couplets sprachlich auf seine Bedürfnisse „zurechtbiegt“, ist das auch legitim, Nestroy war alles andere als ein Purist. Und wenn da ein Publikum von heute unten sitzt, dann erwartet es ja direkt Zusatzstrophen zu Conchita oder einem Baumeister, der aus Liebe geheiratet wurde…

Und im übrigen dürfen vor allem die Damen ganz berühmte Couplets singen – die Weiler jenes der Salome Pockerl, „Die Männer ham’s gut!“ (dies auch der Untertitel des Abends), Paulines jenes über das schwache weibliche Geschlecht, das eigentlich sehr stark ist, und die Condorussi über „Theater o Theater du!“, wobei ihr „Süßes Mädel“-Schicksal – von den Männern benützt und dann weggeworfen – am Ende fast einen tragischen Anhauch hat.

Aber sonst ist es in der nicht wirklich präzisen Regie von Marcus Strahl, begleitet von Michael Kienzl, ein lustiger Abend, wenngleich Alfred Pfeifer zwar ein verbürgter Nestroy-Spieler, aber nicht eben der dürre, scharfe Nestroy-Typ (und leider auch nicht besonders exakt) ist: Aber als Liebhaber in Nöten ist er ein Gegengewicht zu Stephan Paryla, der als ewig lüsterner Karl Carl mit der Condorussi auf seinem Schreibtisch verdammt zur Sache schreitet. Publikumsliebling Gerhard Ernst hat zwar dramaturgisch wenig Funktion, bekommt aber dennoch viele Möglichkeiten, und Andreas Peer als verzweifelter Steinhauser ist geradezu drollig.

Auf weiblicher Seite stehen zwei gewaltig keifende Damen einer jungen Schönheit gegenüber: Anna Sophie Krenn ist äußerst verführerisch, tatsächlich bringt sie etwas vom raffinierten, harten Existenzkampf eines Früchtchens ein. Wenn hingegen Dunja Sowinetz als die ewig Betrogene zur wahren Wut hochfährt, dann ist Furien-Alarm angesagt, und auch mit Ulli Fessl ist nicht gut Kirschen essen.

Da wird natürlich nicht mit feiner Klinge gekämpft, sondern mit dem Holzknüppel herumgeschleudert – aber an einem milden Abend im Garten vor der Pawlatschen? Gerade richtig. Im Haus müsste man es ein bisschen exakter zufeilen.

Renate Wagner

 

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