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WIEN/ Merker-Kunstsalon: DONIZETTI UND DAS ANTIKE ROM

10.6. 2014Merker-Kunstsalon : Donizetti und das antike Rom – Lasst mich den Löwen auch spielen

 

Zum Saisonausklang präsentierte der Merker-Kunstsalon im Rahmen der Wiener Bezirksfestwochen Ausschnitte aus zwei wenig bis gar nicht gespielten Opern von Donizetti. Beide Opern, L’esule di Roma und Poliuto, spielen im antiken Rom und in beiden Opern gibt es im Finale eine Tierhatz mit Löwen. Sinnvollerweise begannen die Ausschnitte mit L’esule di Roma, denn hier überlebt der Tenor, weil er auf den Löwen trifft, den er einst gesund gepflegt hat und der daher seinen Wohltäter verschont. (Ein Motiv, das sich durch viele Sagen und Legenden zieht – Androkulos, David, Hieronymus, Iwein – aber die Methode zur Löwenzähmung ist aber trotzdem nicht empfehlenswert.) Diese Oper spielt in Rom, wohin der Verbannte zurückkehrt und als Angelia stellte sich die junge Römerin Giulia de Blasis erstmals dem Publikum des Kunstsalons vor. In einem Duett und der Finalarie ließ sie eine perfekt geführte, leicht dunkel timbrierte und sehr bewegliche Stimme hören, die auch zarte Pianophrasen gestalten kann. Ihr Geliebter Settimo war Sergio Tallo Torres, der gleich zwei Arien samt Caballetten sang. Die Stimme des jungen Spaniers hat sich in erstaunlich kurzer Zeit von einem Tenore di grazia weiterentwickelt und hat nun sehr viel Metall, ohne die sichere Höhe einzubüssen und so machten ihm auch die effektvollen Acuti keinerlei Probleme. (Übrigens: Er sang seine Arien auswendig, was nicht jeder hochbezahlte Tenor der Staatsoper in konzertanten Aufführungen macht.) Da er also vom Löwen verschont blieb, wechselte er nach der Pause in die Partie des Poliuto. Da diese Oper in Armenien zu Beginn der Christianisierung spielt, war die Paolina natürlich mit der Armenierin Anna Ryan besetzt. Sie konnte wieder einmal ihre Vielseitigkeit beweisen und zeigen, dass sie nicht nur in veristischen Partien zu Hause ist, sondern auch den Belcantostil beherrscht. Der Severo war Russi Nikoff mit einem  edlen, dunklen Bariton, der mit einer Arie und dem Duett mit Paolina beeindrucken konnte.

Am Klavier trotzte Pavel Kachnov den hochsommerlichen Temperaturen ohne Marscherleichterungen bei der Kleidung und war den Sängern ein einfühlsamer Begleiter, der mit dem Klavier vergessen machte, dass bei diesen Konzerten kein Orchester zur Verfügung steht. Der Abend war wieder ein Beweis für die Eingängigkeit der Melodien des Meisters aus Bergamo, der offensichtlich auch Verdi tief beeindruckt hat, sonst hätte dieser wohl nicht den Schluss des Poliuto-Duettes in der Forza wiederverwertet.

 Wolfgang Habermann

 

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