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WIEN / Leopold Museum: RUDOLF KALVACH

12.06.2012 | Ausstellungen

WIEN / Leopold Museum: 
FANTASTISCH! RUDOLF KALVACH.
WIEN UND TRIEST UM 1900
Vom 7. Juni 2012 bis zum 10. September 2012 

Aus der Vergessenheit geholt

Das Leopold Museum bleibt auch nach dem Tod seines Gründers und Leiters Rudolf Leopold seinem Geist treu: Österreichische Kunst als Schwerpunkt – und nicht nur das gängig Populäre, sondern auch Wiederentdeckungen. So, wie Rudolf Leopold 2009 staunen machte, als er den vergessenen Josef Maria Auchentaller und sein Werk bewusst machte, so hat Direktor Tobias Natter nun einem Mann die große Sommerausstellung gewidmet, den wenige kennen werden: Rudolf Kalvach. Sein im wahrsten Sinn des Wortes „buntes“ Werk ist des Kennenlernens wert.

Von Heiner Wesemann

Wien und Triest    Allerdings hatte sich, das muss erwähnt werden, schon Rudolf Leopold auf die Spur von Rudolf Kalvach gesetzt und in den neunziger Jahren dessen Enkel Giorgio Uboni in Triest aufgesucht. Dass ein Künstler so gänzlich vergessen wurde, dessen Qualitäten dem Ausstellungsbesucher von den Wänden des Leopold Museums mit gut 250 Werken evident ins Auge springen, ist nur mit den tragischen Lebensumständen zu erklären. Das Leopold Museum hat, um auch die künstlerische Nähe zu den Zeitgenossen zu belegen, rund 50 von deren Werken (darunter natürlich Schiele und Kokoschka) korrespondierend in die Ausstellung hineingenommen.

 

Rudolf Kalvach (1883-1932)    Am 22. Dezember 1883 in Wien geboren, besuchte er ab 1900 die Kunstgewerbeschule. Seine Eltern übersiedelten zu diesem Zeitpunkt nach Triest, Kalvach blieb für seine Studien in Wien, aber von da an war Triest seine zweite Heimat, die auch in seinem Schaffen Ausdruck finden sollte. Bei dem Lehrer Carl Otto Czeschka saßen die Schüler Kalvach und Otto Kokoschka nebeneinander – möglicherweise galt Kalvach damals als der begabtere. Der ungleich berühmtere wurde Kokoschka, und auch dass Kalvach 1908 für die legendäre Wiener Kunstschau ein berühmt gewordenes Plakat entwarf (ein „Zwillings-Werk“ zu jenem Kokoschkas), hat ihn nicht vor der Vergessenheit bewahrt. Er war in der Folge bei Ausstellungen der Neukunstgruppe vertreten oder arbeitete für die Wiener Werkstätte. Doch ähnlich wie Kollege Auchentaller in Grado den Anschluss an die Wiener Gruppierungen verlor, so ging es letztendlich Kalvach, der viel Zeit in Triest verbrachte. Entscheidend wurde 1912 der Ausbruch katatonischer Schizophrenie, die sein Leben in der Folge schwer beeinträchtigte. Zwar konnte er die Klinik in Steinhof wieder verlassen und auch arbeiten, 1918 stellte er noch in der Secession aus. Als er nach dem Ersten Weltkrieg in Böhmen für die Glasindustrie arbeitete, wurde er tschechischer Staatsbürger. Vergessen starb er am 14. März 1932 in der psychiatrischen Klinik von Kosmonosy bei Prag. Dort ist er auch begraben.

 

Eigentümlich und phantastisch    Das Leopold Museum definiert Kalvach als einen „Künstler am Schnittpunkt von Jugendstil und Expressionismus“, aber man kann noch zahlreiche andere „ismen“ für sein Werk finden. Sicher war er in hohem Maße ein Phantast, sicher hat er mit Vorliebe das Surreale, Skurrile, Unheimliche gestaltet und schuf sich damit eine eigene Welt. Das gilt ebenso für seine Ölgemälde, die vielfach Märchenhaftes beschworen, wie für die Postkarten für die Wiener Werkstätte, die oft wahrlich schauerlich ausgefallen sind. Kalvach bediente mit seinem aus der Reihe tanzenden Können das Kunsthandwerk – Schmuck, Emailarbeiten, Plakate, Werbeinserate, Spielkarten.

Triestiner Hafenleben     Ab 1907 schuf Kalvach eine Serie von Druckgraphiken, die er teils in schwarz / weiß belassen, teilweise im nachhinein handkoloriert hat (was manches Bild fast „japanisch“ scheinen lässt). Diese 16 Holzschnitte vom Triestiner Hafenleben markieren unter vielem Beeindruckenden einen Höhepunkt der Ausstellung. Hier ist er dem Expressionismus nahe, zeigt die Welt der Schiffe, der Ladungen, der arbeitenden Menschen. Viele der Ansichten sind dermaßen suggestiv, dass man ihren Ruhm schon zu seinen Lebzeiten begreift, als diese „Triestiner“ Bilder zu seinen bekanntesten geschätztesten Arbeiten zählten.

Der Mann und sein Werk    Die Leistung, die mit dieser Ausstellung erbracht wird, vervollständigt sich durch den zweisprachigen Katalog auf Deutsch und Italienisch, der Kalvachs Werk in angestrebter Vollständigkeit (vieles kam aus Privatbesitz) verzeichnet und darstellt, darüber hinaus in vielen Fachartikeln einordnet und würdigt. (SilvanaEditoriale)

Vom 7. Juni bis 10. September 2012,  Juni bis August täglich geöffnet,
ab September Dienstag geschlossen.
10 bis 18 Uhr, Do bis 21 Uhr

 

 

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