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WIEN/ L.E.O – (Letztes erfreuliches Operntheater: TEUFLISCHE LIEDER, gesungen von Apostol Milenkov

24.02.2017 | Konzert/Liederabende

L.E.O: – 23.2.2017: Teuflische Lieder 

Ein Theater, das sich „Letztes  erfreuliches Operntheater“ nennt, kann nur entweder vom Humor leben oder den Frust über Missstände im heutigen Opernbetrieb zum Thema machen. Letzteres  wäre freilich frustrierend, der Humor hingegen feiert in diesem Theaterchen in der Ungargasse 18 im 3. Wiener Gemeindebezirk (5 Minuten vom Bahnhof Landstraße bzw. „Wien Mitte“) fröhliche Urständ‘. Ein beachtliches Kontingent an Stammpublikum lacht sich mitunter krumm. Da aber auch immer wieder erstrangige Sänger in das zu ebener Erde bespielte Terrain, wo gerade noch mit Ächzen auf der Mini-Bühne ein Klavier Platz findet, den Weg finden, wird den Besuchern auch so mancher musikalische Genuss bereitet.

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( c: L.E.O.)

Ein geborener Theatermensch wie der bulgarische Bassist Apostol Milenkov (den wir nicht genug dafür bewundern können, dass er, um seiner Ehefrau Nadia Krasteva eine Weltkarriere zu ermöglichen, sozusagen in Wien das Haus mit Tochter und Hund hütet und sich mit lokalen Auftritten in kleinerem Rahmen, wie z.B. auch im Merker-Kunstsalon, begnügt) vergnügt sich und das Publikum gerne hier. Diesmal mit Teufelsgesängen, deren es ja in der Oper zur Genüge gibt. Natürlich spart er an diesem Abend gelegentliche Kostümierung und Requisiten nicht aus und setzt sich ebenso humorig wie beängstigend in diversen Teufelsrollen in Szene. Da seiner Stimme die dunklen Töne ebenso zur Verfügung stehen wie die verführerischen Kantilenen und die bösen Attacken, das alles bereichert durch diverse teuflische Lach-Varianten, war das Vergnügen an diesen seit eh und je beim Publikum äußerst beliebten Figuren perfekt.  Natürlich war er Gounods Mephisto und Boitos Mefistofele, Verdis Jago, Artur Rubinsteins Dämon und Offenbachs Dapertutto mit der Diamanten-Arie aus „Hoffmanns Erzähungen“. Beim Rondo vom Goldenen Kalb durften die Zuhörer auf „Lalala“ als Chor mitsingen, bei Mussorgskys Flohlied gab es eine köstliche optische Draufgabe und bei Boitos „Eccoilmondo“ trat der Sänger gar mit einem Luftballon auf, den er am Schluss gekonnt platzen ließ – eccoilmondo…Ein Mordsspaß das Ganze!

Das Teuflicheste an diesem Abend aber war Liszts Mephisto-Walzer, den die alle Musikstücke begleitende junge Pianistin Rugiada Lee mit einem wahrlich teuflischen Totaleinsatz hinlegte, dass einem der Atem wegblieb. Hausherr Stefan Fleischhacker moderierte den Abend auf lockere Art mit kurzen Erläuterungen zum Gesungenen und dessen Komponisten. Man fühlte sich unweigerlich persönlich angesprochen, auch indem man Fragen beantworten oder Kommentare abgeben durfte.

Wer findet, dass man der Kunstgattung Oper nicht unbedingt und immer mit tierischem Ernst begegnen muss, der wird den Weg in die Ungargasse nicht bereuen.

Sieglinde Pfabigan

 

 

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