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WIEN / Kunstforum: DIE ACHT

11.09.2012 | Allgemein, Ausstellungen

 

WIEN / Bank Austria Kunstforum:
DIE ACHT – A NYOLCAK
Ungarns Highway in die Moderne
Vom 12. September 2012 bis zum 2. Dezember 2012

 

Von Paris nach Budapest

Die k. u. k. Monarchie mochte ein durch Kaiser, Adel, Militär und Klerus zusammen geschmolzenes Gebilde gewesen sein, kulturell herrschte in den Großstädten neben Wien – also Budapest, Prag, Lemberg – ein durchaus eigenständiges Leben. So verwundert nicht, dass die ungarische Haupt- und Königsstadt die „Moderne“ in der Malerei durch acht ungarische Künstler abseits von Wien für sich entdeckte. Diesen „Acht“ war allerdings eines gemeinsam: Sie hatten sich ihr Verständnis der zeitgenössischen Kunst in der Spätzeit des 19. Jahrhunderts in Paris erworben. Was sie heimbrachten, zeigt derzeit das Bank Austria Kunstforum in einer Ausstellung, die so etwas wie Pariser Flair verströmt…

Von Heiner Wesemann

Die schwierigen Namen    Die Namen sind für mitteleuropäische Zungen schwer auszusprechen: Róbert Berény, Dezsö Czigány, Béla Czóbel, Károly Kernstok, Ödön Márffy, Dezsö Orbán, Bertalan Pór, Lajos Tihanyi. Sie wurden in dem relativ kurzen Zeitraum zwischen 1873 und 1887 geboren, einer lebte sogar bis in die achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts. Dass ihnen außerhalb ihrer Heimat der große Ruhm fehlt, soll sich ändern. Auch die Bezeichnung ihrer Gruppe, „A Nyolcak“, so wünscht man sich in Ungarn, sollte so bekannt werden, wie die Künstler es nach Meinung ihrer heutigen Landsleute verdienen. Die Wiener Ausstellung ist für die ungarischen Veranstalter (das Szépművészeti Múzeum, Budapest und der Magyar Nemzeti Galéria, Budapest) ein Schritt in die richtige Richtung. Tatsächlich hat man nie das Gefühl, hier den Arbeiten von „Provinz-Künstlern“ gegenüber zu stehen. Vieles versprüht das internationale, das Pariser Flair.

Treffpunkt Paris    Die Acht, die auf ihre Art zumindest eine kurze Zeit ein „mächtiges Häuflein“ waren und in Wien nun unter dem Titel „Ungarns Highway in die Moderne“ griffig vermarktet werden, trafen sich in Paris. Was sie dort bei Matisse, Cezanne, Picasso oder Braque sahen und lernten, ging unübersehbar in ihre eigene Kunst ein – und wurde auch als Einfluss weder verborgen noch geleugnet. Im Raum der Stilleben könnte man tatsächlich meinen, lauter unbekannte Cezannes zu sehen… Als sie ihre „neuen“ Bilder mit den unkonventionellen Farben und Formen in ihre Heimat brachten, stellten sie die dort noch immer herrschende akademische Kunst aggressiv in Frage. Entsprechend wurde die erste gemeinsame Ausstellung in Budapest 1909 zum – erwarteten – Skandal. 1911 gaben sie sich schon ihren Namen – „die Acht“ („A Nyolcak“).

 
Lajos Tihanyi                                                                           Ödön Márffy

Kurzer Zusammenhalt     Wo immer starke Persönlichkeiten zusammen treffen, sind Gruppenbildungen schwer zu halten (dafür gibt es in der Kunstgeschichte zahlreiche Beispiele). 1912 waren sie nur noch vier, 1914 ins Wiener Künstlerhaus eingeladen, präsentierten sie sich schon uneinig. Dass sie – bei aller Diverganz ihrer individuellen Ausdrucksformen – überholt hatten, was die Wiener Secessionisten mit ihrer ornamentalen Ästhetik zeigten, wird dem Besucher der Ausstellung klar – so gut wie alle der „Acht“ schienen schon in eine kraftvoll-expressionistische Zukunft zu weisen.

Zu verschieden    Um wirklich etwas zu bewirken, das sich am Kunstmarkt und im Bewusstsein einer breiten Kunstöffentlichkeit festgesetzt hätte, waren die Acht zu kurz zusammen und wohl auch zu verschieden. Die Ausstellung stellt Schwerpunkte zusammen, auch thematische, etwa in den Themen Porträts, Landschaften, Stillleben, Nackte, was den Besucher vor die Aufgabe stellt, einmal „Who is Who“ zu begreifen und diese Künstler dann in ihrer Eigenart zu sehen. Was sich in der Ausstellung in schwer auseinander zu dividierender Vielfalt präsentiert, sollte wohl zuhause mit dem Katalog nach gearbeitet werden.

Who is Who    Dann erkennt man die eigenwilligen Porträts und kraftvollen Akte von Róbert Berény, der – wie fast alle anderen auch – ebenso in Stillleben à la Cezanne schwelgte, die spitzen Gesichter des Lajos Tihanyi, die eigenwilligen Großgemälde von Bertalan Pór, dessen Figuren wie Gehäutete wirken, die Landschaften des Ödön Márffy, die Glasfenster des Károly Kernstok. Dabei hat sich keiner thematisch oder stilistisch spezialisiert, jeder hält das Feld seines Ausdrucks breit. Das Gemälde einer Schauspielerin von 1907, die nichts an Reiz verliert, wenn Teile ihres Gesichts grün sind, wurde als Plakatsujet gewählt: Es stammt von Dezsö Czigány. Entscheidend ist, dass diese Ausstellung in einem überreichen Wiener Angebot, das manchmal dazu neigt, sich zu wiederholen oder zu überschneiden (wobei nicht von der nötigen Klimt-Offensive die Rede ist), einmal wirklich Neues bietet – auch wenn es hundert Jahre und mehr alt ist.

Bis 02. Dezember 2012, täglich 10 bis 19Uhr, freitags 10 bis 21.00 Uhr.
Bank Austria Kunstforum / Freyung 8 / 1010 Wien

 

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