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WIEN / KosmosTheater: VON HOLLYWOOD NACH UGANDA

17.05.2012 | Allgemein, Theater

 

WIEN / Kosmos Theater: 
VON HOLLYWOOD NACH UGANDA
nach dem gleichnamigen Roman von Jane Bussmann
Koproduktion von dieheroldfliri.at und KosmosTheater
Premiere: 10. Mai 2012  
Besucht wurde die Vorstellung am 16. Mai 2012 

In ihrer englischen Heimat ist die Schreiberin und „Komödiantin“ (was den Begriff „Comedy“ nicht wirklich übersetzt) Jane Bussmann sehr bekannt. Hierzulande dankt man „dieheroldfliri“ – der Kombination von Autorin/Regisseurin Barbara Herold und der Schauspielerin Maria Fliri – nicht nur die Bekanntschaft mit ihr, sondern auch das genauere Schürfen in einem Problem, das westliche Medien immer nur nebenbei betrachten: Was da eigentlich wirklich vorgeht in Uganda, was mit den vom Westen reichlich zur Verfügung gestellten Mitteln tatsächlich geschieht, welche Edelmenschen da gegen Verbrecher vorgehen – oder sind es möglicherweise Verbrecher auf beiden Seiten?

Jane Bussmann hat sich das aus der Nähe angesehen, möglicherweise eher unfreiwillig. Mit dem Roman, den sie darüber geschrieben hat, tourt sie als viel beachtete Show durch England. Wir erleben ihre Erfahrungen nun in brüllend witzigen, brillanten Eindreiviertel Stunden im WienerKosmosTheater, nachdem die Protagonisten schon in Feldkirch damit lachen und nachdenklich gemacht haben. Also: Jane – die echte Jane, kein Zweifel, dass der Kern ihrer Geschichte bei aller komödiantischer Überzeichnung stimmt – war aufgeregte britische Freelance-Journalistin in Hollywood. So, wie sie ihr Abenteuer mit Ashton Kutcher erzählt, kann man verstehen, dass jeder halbwegs intelligente Mensch auf der blödesten Meile der Welt einfach verzweifeln muss, vor allem angesichts dessen, was sich Stars,Presseagenten und leider auch die Redakteure in den Zeitungen unter Promi-Berichterstattung vorstellen… Egal, Jane hatte begreiflicherweise die Nase voll.

Dass sie nun „Auslandskorrespondentin“ werden wollte, beschönigt sie nicht – sie jagte dabei zuerst bloß einen attraktiven amerikanischen Friedensvermittler, hinter dem sie mir nichts, dir nichts herreiste, um sich allein in Uganda zu finden. Nun bietet sie Geschichten an, die keine westliche Presse interessierten, die aber auch durch die komischen Begleiterscheinungen von Janes Erlebnissen im Land (etwa: Was geschieht, wenn man dort Bus fährt?) nicht überdeckt werden können: Die Kindersoldaten des religiösen Irren Joseph Kony, die Korruption der Machthaber, das blauäugige Verhandeln der westlichen Mächte (mit fetten Spesenkonten in Luxuslimousinen) mit den offiziell Herrschenden, die vermutlich auch nicht viel besser sind als Idi Amin einst, die Millionen und Abermillionen Westwährung, die hierher fließen und genau dort landen, wo sie nicht sollen. Ein gefährliches Pflaster. Kurz, Jane musste froh sein, am Ende nur andauernd bestohlen, aber sonst unbeschädigt wieder aus dem Land zu kommen. Der Flirt mit dem feschen Amerikaner, von dem sie immer wieder träumt, hat nie geklappt…

Die Fassung, die Barbara Herold für die Bühne findet, ist von Ironie und Selbstironie getränkt, verschleudert aber nie den bitteren Kern der Geschichte, um den es letztendlich geht. Vor einer Strohwand (das wirkt letztlich afrikanisch) und unterstützt von einer brillanten Dia-Show punktgenau zur jeweiligen Situation (Ausstattung und Animation: Caro Stark) steht Maria Fliri auf der Bühne – und wie! Kaum, dass sie die ganze Vorstellung über Zeit hat, Atem zu holen, so flächendeckend überzieht sie den Zuschauer mit Janes Erlebnissen und Erfahrungen, wobei ihr letztlich nicht viel mehr zur Verfügung stehen als ihre Sprache und ihre Körpersprache. Aber für eine Schauspielerin wie diese, die so verblüffend viel kann (das sieht man nicht alle Tage), reicht das vollkommen.

Am Ende hat sich eine intelligente, humorvolle Frau (gemeint ist jetzt Jane Bussmann) gnadenlos über sich selbst lustig gemacht und dennoch eine wichtige Geschichte erzählt. Und genau das haben Barbara Herold und Maria Fliri umgesetzt. Kompliment. Das sollte man gesehen haben. Das gut besuchteKosmosTheaterfeierte die Interpretin, wie sie es verdient.

Renate Wagner

Vorstellungen nur noch bis Samstag

 

 

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