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WIEN / Kosmos Theater: EINE STILLE FÜR FRAU SCHIRAKESCH

01.02.2017 | KRITIKEN, Theater

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Foto: Kosmos Theater

WIEN / Kosmos Theater:
EINE STILLE FÜR FRAU SCHIRAKESCH von Theresia Walser
Premiere: 19.Jänner 2017,
besucht wurde die Vorstellung  am 31. Jänner 2017

Tschundakar gibt es nicht, aber ein islamisches Land irgendwo zwischen Saudi-Arabien und Tadschikistan könnte schon so heißen. Und Frau Schirakesch? Wer ist das? Auch das wird nicht klar. Man erfährt nur, dass die Dame gesteinigt wird. Warum? Wer weiß das schon in diesen Ländern? Wichtig ist doch nur, dass man hierzulande eine „Betroffenheits-Talkshow“ zum Thema veranstaltet: erst andächtiges Schweigen coram publico, dann blödes Gerede. Und das hätte die Voraussetzung für eine erstklassige Mediensatire.

Nur das ist Theresia Walsers Stück „Eine Stille für Frau Schirakesch“ – als Österreichische Erstaufführung im Kosmos Theater – nicht wirklich geworden. Dazu plustert sie die nicht sehr glaubwürdigen, schräg überzeichneten Diskussionsteilnehmer zu künstlich, theatralisch, ärgerlich auf. Vielleicht, dass man – wenn überhaupt – eine „Schönheitskönigin“ einlädt, falls es in Tschundakar tatsächlich so etwas wie einen Schönheitswettbewerb gegeben hat (auch wenn die „Bikini“-Parade verboten wurde), aber zwei, nur damit sie sich angiften und gegenseitig heruntermachen können („Du bist aus Bielefeld!“ „Und du bist ausgeschieden!“). Dazu einen General, der nur stolz darauf ist, ein Klohäuschen in Tschundakar erbaut zu haben, damit die Frauen, die den ganzen Tag am Markt sitzen, sich erleichtern können. Dazu eine Soldatin, die als Souvenir ein menschliches Ohr mitgebracht hat (und ihr Vater, der sie offenbar managt).

Dieses Personal ist nicht im geringsten einleuchtend, die Moderatorin schon eher (Katharina Solzbacher schwankt zwischen genervt und konventioneller Höflichkeit), und dass Regisseurin Dora Schneider die Bielefeld-Schönheitskönigin von Marius Michael Huth als schrille Transvestiten spielen lässt (da hat Nr. 2, Karin Yoko Jochum, trotz exotischem Aussehens, wenig Chancen), treibt die allgemeine Unglaubwürdigkeit noch weiter. Julia Schranz als Soldatin Rose ist a priori dumm oder durch den Krieg dumm geworden, aber vielleicht gehört das – so, wie Hannes Gastinger den General spielt – zur Jobbeschreibung? Ein lästiger Vater (Walter Ludwig) wird, um alle Unglaubwürdigkeiten auf die Spitze zu treiben, in eine Burka gekleidet – und das Publikum kann sich leider nur fragen, was das Ganze soll.

Dass eine solche „Betroffenheits-Diskussion“, die allen Beteiligten herzlich egal ist, stattfinden könnte, steht außer Frage. Aber so würde es dabei nicht zugehen. Das bringt weder zum Thema noch für das Theater etwas.

Renate Wagner

 

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