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WIEN/Konzerthaus“Resonanzen“: FLORENTINER GARTENFEST mit dem Sollazzo-Ensemble

25.01.2022 | Konzert/Liederabende

WIEN/ Konzerthaus, RESONANZEN“ am 24.1.2022

 Florentiner Gartenfest

Da waren es nur noch fünf… Das 2014 in Basel von Anna Danilevskaia gegründete Sollazzo Ensemble hatte das Programm mit 8 Mitwirkenden geplant, doch in einer Pandemie kann es durchaus Überraschungen geben. Zwei Tenöre und der Lautenist mussten auf Grund positiver Test absagen und so war die ohnedies vorhandene Improvisationsfähigkeit besonders gefordert. Vielleicht etwas leichter, als das Programm um ein Fest in Zeiten der Pest entstand. Dem großen Ausbruch der Seuche im Jahre 1348 fielen über drei Viertel der Bevölkerung zum Opfer. In dieser Zeit siedelt auch Boccaccio sein Decamerone an. Da flüchten sieben Frauen und drei Frauen aus der verseuchten Stadt auf einen Landsitz, wo sie sich die Zeit mit dem Erfinden von Erzählungen vertrieb.

Das junge Ensemble, das vor zwei Jahren erstmals bei den Resonanzen gastierte, konnte also auf eine weibliche Instrumentalgruppe zurückgreifen, in der die Leiterin eine Fidel alla gamba und Natalie Carducci eine Fidel alla braccia spielte. Auf dem Psalterium sorgte Franziska Fleischhanderl mit großer Fingerfertigkeit für die Grundlage. Diew, der Laute zugedachten Einlassungen entfielen und der eine verbleibende Tenor, Victor Sordo, hatte die ehrenvolle Aufgabe, seine beiden ausgefallenen Kollegen zu vertreten. Da nicht bekannt ist, wem ursprünglich welche Nummern zugedacht waren, ist schwer zu beurteilen, was für ihn eine neue Aufgabe war. Glücklicherweise fiel kein Sopran aus, denn da war auch ursprünglich nur Carine Tinney geplant, die mit sehr vibratoarmer, klarer Stimme überzeugte.

Der Abend hinterließ einen großen Eindruck und es war in keinem Moment zu bemerken, dass da sicher einiges sehr spontan geändert wurde. Da das Ensemble aber schon vor zwei Jahren damit überzeugte, mit wenig personellem Aufwand große Wirkung zu erzielen, kam das nicht überraschend.

Bei der Draufgabe gab es diesmal nichts Zeitgenössisches, sondern eine Nummer von Niccolò da Perugia (Il meglie è pur tacere) aus dem regulären Programm wurde wiederholt und konnte auch beim zweiten Mal Heiterkeit damit erzielen, dass die Gesangsstimmen immer ätherischer wurden und ins Nichts entschwanden.

Wolfgang Habermann

 

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