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WIEN/ Konzerthaus/Resonanzen: "EUROVISIONEN"

24.01.2018 | Konzert/Liederabende

WIEN/RESONANZEN: KONZERTHAUS MOZARTSAAL 23.1.2018 „EUROVISIONEN“

Ein kammermusikalischer Abend auf höchsten Niveau. Vorgetragen vom Ensemble „Eurowinds“. Dorothee Oberlinger ist eine Virtuosin auf diversen Blockflöten, der ihre Partner Michael Oman und Maurice Steger aber in nichts nachstanden. Dieses Trio kann sich also mit dem leichten Gepäck von einigen Flöten auf eine Reise durch Europa machen. Für das Continuo sorgten am Cello der Ungar Balázs Máté, der Sizilianer Daniele Caminiti auf der Theorbe und die Moskauerein Olga Warrs am Cembalo und Orgelpositiv. Diese drei mussten sich aber nicht mit der Begleitung begnügen, sondern hatten jeder auch eine große Solonummer zu bestreiten. Bei dem Theorbensolo von Daniele Caminiti war es faszinierend, wie das Diminuendo zum fünffachen Piano das Publikum zu einer Stille brachte, die man nur atemlos nennen kann.

Das Programm führte durch sechs Nationen, den Beginn stellte Österreich und die Schweiz. Es gab eine Begegnung mit der mittelalterlichen Flötenmusik des „Schulmeisters von Esslingen“, ein Künstler aus dem 13.Jhdt. Er könnte den Namen Heinrich getragen haben, in der manessischen Liederhandschrift wird er nur eben als Schulmeister von Esslingen erwähnt. Sein „Ruf“ mit der Soloflöte ließ das Konzert beginnen. Alle weiteren Komponisten sind aus dem Frühbarock, bis auf Antonio Vivaldi ( 1678 – 1741) und Johann Adolf Hasse (1699 – 1783) die für Italien am Start waren. Wenn das Motto des Konzertes schon Eurovisionen hieß, so konnte das „Prelude“ aus dem „Te deum“ von Marc – Antoine Charpentier (1634 – 1704).nicht fehlen, das ja die Kennmelodie der Eurovision ist. Deutschland ohne Georg PhilppTelemann (1681 – 1767) geht nicht, auch er eher dem Spätbarock zuzuschreiben, ebenso wie Carl Friedrich Weidemann (frühes 18.Jhdt. – 1783) Für die Niederlande war unter anderen die Musik von Jacob van Eyck (ca. 1590 – 1657) über die Nymphe „Daphne“ zu hören.

Der wunderbare Abend wurde mit reichsten Beifall belohnt und man konnte sich über zwei schöne „Draufgaben“ erfreuen. Besonders schön war die gute Kollegialität der Musiker untereinander zu sehen, denn der im Publikum anwesende Hugo Reyne, der Leiter des Vorabendskonzerts, der auch ein wunderbarer Flötist ist, spielte als „Gag“ die erste Zugabe (Les Sauvages von Rameau) mit. Als Schlussscherz versuchten sich Dorothee Oberlinger und Maurice Steger noch am Flöte spielen in der Position eines Bruderschaftskusses.

Elena Habermann