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WIEN/ Konzerthaus/Festival Resonanzen: MATINÉE am 29.1.vm/ LUCIO SILLA von G.F.Händel(abends)

30.01.2017 | Konzert/Liederabende, Oper
  1. 1.2017 Wien  Konzerthaus MS – Matinée -„REIF FÜR DIE INSEL“

 Pino De Vittorio ist ein Künstler aus Apulien, der sich unter anderen sehr mit der alten volkstümlichen Musik des Südens Italiens beschäftigt. Er sang alle Lieder des sehr großen Programms und spielte auch die Kastagnetten und das Tamburo muto. Eine nicht sehr edle, aber einprägsame Stimme, die stimmtechnisch für diesen Stil sehr aus der Kehle geführt wird.

Das „Laboratorio `600“ ergänzte instrumental und begleitete den Sänger. Der Musikologe Franco Pavan leitete den Vormittag. Er spielte die Theorbe und die Chitarra battente. Weiters hörte man Fabio Accurso auf der Laute und Flora Papadopoulos an der Harfe

Die Musik war ausnahmslos von Anonymi, auch die Texte volkstümlich in Dialekten,

Die Texte sind teilweise sehr poetisch, leicht sentimental, liebe voll, religiös und auch frech spöttisch. Die Musik der unbekannten Komponisten ist der traditionelle Stil der Sizilianer mit diversen Einflüssen  verschiedenster Bevölkerungstypen.

Ein amüsanter Vormittag.  

Elena Habermann

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KONZERTHAUS GROSSER SAAL 29.1. 2017″: LUCIO SILLA“ von G.F.Händel

Georg Friedrich Händel (1685 –1759) konnte auch kurze Opern schreiben. „Lucio Silla“ ist die kürzeste und vierte Londoner Oper des Komponisten aus Halle/Saale.

Der römische Tyrann Sulla wird in der Oper (auch bei Mozart) zu Silla, warum ???

Bei der Händeloper ist die Forschung nicht ganz sicher, ob nicht doch Stücke im Laufe der Zeit verschwunden sind oder ob dieses Werk tatsächlich so kurz ist. Für diese Zeit und auch für den Komponisten etwas unwahrscheinlich.

Die Handlung ist der Mozartoper sehr ähnlich, die Namen mancher Personen aber ganz anders.

Als Silla war Sonia Prina präsent. Ihre Stimme wird immer profunder in der Tiefe, ein Contralto plus. Das allerdings geht doch etwas auf Kosten der Höhe und der Flexibilität für die Koloraturen, die früher leichter kamen. Die Persönlichkeit der Künstlerin für „Kastratenrollen“ dieser Art ist enorm. Der zweite Mann war Vivica Genaux als ebenso wirksamer Widersacher Lepido. Ihre Stimme ist ein eher heller Mezzosopran, der hervorragend geführt alle Arien musterhaft meistert. In der dritte Hosenrolle Claudio, auch er ein Gegner  des Tyrannen stellte sich Martina Belli vor. Eine wunderschöne dunkle Stimme, locker, leicht geführt. Sie konnte mit  jeder Arie voll begeistern. Als Mars kam der Bass Luca Tittoto kurz und schön klingend zum Zug.

Nicht so beeindruckend die Damen diverser Herren. Als Metella stellte sich Sunhae Im vor, eine etwas unfertige Sopranstimme, die doch manchmal noch sehr nach Klassenabend klang. Das rote Abendkleid war aber sehr elegant. Ganz in grün kam Roberta Invernizzi, die Gattin Lepidos, Flavia. Die Stimme klang diesmal nicht so ausgeglichen und fein, wie man es von ihr gewohnt ist. Sollte da die klirrende Kälte der letzten Tage zugeschlagen haben. Celia, die Verlobte von Claudio war Francesca Lombardi Mazzulli, eine junge, noch sehr am Beginn stehende Sängerin, mit an sich schönem Material. Ihre Robe war schwarz – beige. Wer sagt ihr, dass man bodenlange Kleider beim Gehen nicht bis knapp unters Knie raffen soll, auch wenn die Beine sehr fesch sind !

Fabio Biondi leitete in der Tradition des „Stehgeigers“ sein Ensemble Europa Galante in bewährter Qualität.

Ein sehr gelungenes Festival, die Resonanzen 2017, auch wenn Lucio Silla wenig mit Freizeit am Hut hat.   

Elena Habermann

 

 

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