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WIEN/ Konzerthaus/ Zyklus „Schöne Stimmen“: DIE GEISTERBRAUT von Antonin Dvorak

04.06.2016 | Konzert/Liederabende

WIEN/  KONZERTHAUS – „DIE GEISTERBRAUT“ -von Antonin Dvorak am 3.6.2016

Antonin Dvořák wurde 1883 eingeladen für das Birmingham Triennial Music Festival ein großes Oratorium zu schreiben. Nachdem er ursprünglich an ein Thema aus der tschechischen Geschichte dachte, entschloss er sich schließlich für die Ballade Svatební Košile (wörtlich: Die Hochzeitshemden) von Karel Jaromir Erben. Noch vor der Aufführung in Birmingham fand die Uraufführung 1885 in Plzeň statt. Bei dem Festival in England dirigierte der Komponist einen 400-köpfigen Chor und ein Orchester mit 150 Mitwirkenden und erzielte einen großen Erfolg. Die Handlung erinnert an die Lenore von Gottfried August Bürger. In beiden Fällen wartet ein Mädchen auf den Bräutigam, der in den Krieg gezogen ist, aber während Lenore mit Gott hadert und mit dem zurückgekehrten Toten untergeht, kann sich das Mädchen in der tschechischen Ballade durch ihre Gebete retten. Die Schilderung der nächtlichen Reise lässt einen daran denken, dass einige Jahre später in den Gurreliedern auch eine nächtliche wilde Jagd geschildert wird. Zuletzt war das Werk in Wien 2012 im Theater an der Wien zu hören.

Nun bildet es den Abschluss des Zyklus Stimmen im Konzerthaus. Unter seinem Chefdirigenten Cornelius Meister spielte das RSO Wien in großer Besetzung unterstützt von der von Heinz Ferlesch einstudierten Wiener Singakademie, die zwar keinen 400-köpfigen Chor aufbieten kann, aber gehörige Durchschlagskraft hat. Das Werk wechselt zwischen sehr lyrischen Stellen und bedrohlich lauten Passagen, bei denen auch immer wieder lautmalerische Tupfen die Reise der beiden durch die Nacht und die unheimlichen Begegnungen in einem Leichenhaus unterstreichen. Ein Hauptthema wird bereits in der Introduktion vorgestellt und erscheint schließlich wieder im Finale, um so ein großes Band um das Werk zu schließen. Das verlassene Mädchen wurde von Simona Šaturová mit einem schönen, klaren Sopran gesungen, bei dem besonders die Pianohöhen in ihren beiden Gebeten beeindruckten. Leider war die Tragfähigkeit der Stimme in der unteren Mittellage nicht sehr groß. Ihr toter Geliebter wurde von Pavol Breslik mit einer schönen Mischung aus belcantesken Phrasen und dramatischer Attacke gestaltet. Der Erzähler, der oft gemeinsam mit dem Chor die Handlung beschreibt, war mit Adam Plachetka bestens besetzt. Der Prager hat auch in den lauten Stellen des zweiten Teiles keine Probleme, sich gegen den Chor und das voll aufspielende Orchester durchzusetzen.

Wolfgang Habermann

PS: Unter 7 Tage Oe1 läßt sich das Konzert noch bis zum 10.6. nachhören.

 

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