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WIEN/ Konzerthaus „SOMMER IN WIEN – OPERNGALA MIT NETREBKO

Sommer in Wien: 1.7.2015, Konzerthaus: OPERNGALA 

In Folge eines Openair-Konzerts in München kamen die Sänger, die dort schon aufgetreten waren, zu einem Galakonzert nach Wien. Das ORF Radio-Symphonieorchester war aufgeboten und wurde vom allseits geschätzten, stilkundigen Marco Armiliato schwungvoll geleitet, der jedoch die Lautstärke teilweise zu sehr pushte. Das Progamm bestand ausschließlich aus italienischen Opernausschnitten, dabei stammten alle Sänger aus dem ehemals russischen Raum.                                                                                                           

Da der angekündigte Tenor Aleksandrs Antonenko krankheitshalber absagen musste, durfte Yusif Eyvazov für ihn einspringen und gleich mit „Celeste Aida“ beginnen. Er hat eine große, raumfüllende Stimme mit in der Tiefe baritonal gefärbtem Timbre und sicheren Höhen, die für die schwereren Rollen ausgezeichnet geeignet ist. Dramtischer Ausdruck und Ausbrüche liegen ihm besser als feine Abphrasierung. Im 2.Teil konnte er mit der Arie des Canio  „Recitar!..Vesti la giubba“ aus „Pagliacci“ punkten.                                                                  

Gleich nach ihm trat der Star des Abends, Anna Netrebko, mit Aidas „O patria mia“ auf, das sie mit sehr viel Gefühl sang. Viel besser gefiel sie mit jedoch nach der Pause mit „ Un bel di vedremo“  aus „Butterfly“. Solche traumhaft geführten Legatobögen und Feinheiten in Dynamik und Phrasierung hört man nur selten. Wenn diese Stückwahl auf ihr zukünftiges Repertoire hinweist, können wir uns noch auf einige tolle Opernerlebnisse freuen. Zum Abschluß des 1. Teils sangen Eyvazov und Netrebko das Duett aus Otello Gia la notte densa“, das hier durch das private Nahverhältnis der beiden Sänger eine besonders intime und rührende Note gewann.                                                                                                                

Den tiefen Stimmbereich vertrat Ildar Abdrazakov, der sich mit zwei fulminanten Verdi-Arien ( „Mentre gonfiarsi l’anima parea dinanzi a  Roma..“ aus „Attila“ und „Infelice!… e tuo credevi…“ aus „Ernani“ ) vorstellte. Er ist derzeit ein absoluter Meister in diesem Fach, hat einen herrlichen Bass, der wohl mächtige, aber ebenso feine Pianophrasen singen kann ,und erntete daher besonderen Applaus.  Vervollständigt  wurde dasQuartett durch die  Mezzosopranistin Ekaterina Gubanova, die mir nur namentlich bekannt war. Sie sang die Arie der Principessa di Bouillon „Acerba voluttà“ aus „Adriana Lecouvreur“ und „Voi lo sapete, o mamma“ aus „Cavalleria rusticana“. Ihre Stimme ist in allen Registern gut durchgebildet und hat ein sehr angenehmes Timbre, mir schienen diese Stücke aber zu dramatisch für ihre noch lyrische Stimme. Folglich hatte sie auch gelegentlich Probleme, sich gegen das Orchester durchzusetzen.                                             

Im Publikum herrschte absolute Jubelstimmung, die ihren Höhepunkt bei der Zugabe erreichte. Das Solisten-Quartett sang „Non ti scordar di me“, und tanzte, in 2 Paare aufgeteilt, einen langsamen Walzer auf der Bühne. Fan-Herz, was willst du mehr?                           

 Silvia Herdlicka

 

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