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WIEN/ Konzerthaus: SITCOM-OPER „DAS LEBEN AM RANDE DER MILCHSTRASSE“ von Bernhard Gander – Staffel II/ Folge 4-6

08.11.2014 | Oper

Sitcom-Oper im Wiener Konzerthaus: „Das Leben am Rande der Milchstraße“ von Bernhard Gander

(Staffel II / Folge 4 – 6 / Vorstellung: 7. 11. 2014)

 Am 7. November fand im Wiener Konzerthaus (Berio-Saal) im Rahmen des Musikfestivals „WIEN MODERN 14“ die Staffel II der satirischen Sitcom-Oper „Das Leben am Rande der Milchstraße“ von Bernhard Gander mit drei weiteren etwa 25 Minuten dauernden Folgen statt.

 In der Folge 4, „Figls Erbe“ genannt, beschloss Leo, dem Europäischen Büro für Zukunft ein neues Sofa zu schenken. Das alte, schon abgenützte Sofa stammte noch aus Figls Zeiten und war schon in den ersten drei Folgen oftmals das zentrale Möbelstück des Büros. Die Folge 5 hieß „Die Geister, die sie riefen“. In ihr wollte Leo endlich wissen, was Jürgen Oder, der Leiter des Büros, über ihn denkt und warf dabei vorübergehend seine moralischen Prinzipien über Bord. Unter anderem entwendete er dem Büroleiter sein Notizbuch. In der  Folge 6 mit dem Titel „Das Büro ist tot. Lang lebe das Büro“ werden in Brüssel Streikvorbereitungen getroffen, während das Europäische Büro für Zukunft in der Milchstraße 142a noch dabei ist, die feinen Unterschiede zwischen Streik und Meuterei sowie anderen Formen des zivilen Ungehorsams zu klären. Im dadurch entstehenden Durcheinander behält nur Donatella die Ruhe. Schließlich soll ein spezieller Kalender für ein Neuer Europa die Rettung des Büros sicherstellen.

 Das Ensemble PHACE spielte unter der Leitung von Simeon Pironkoff die expressive Partitur des Komponisten neuerlich mit extremer Lautstärke, wobei auch die Hintergrundmusik manchmal „ohrenquälend“ war (Klangregie: Alfred Reiter). Da das Sängerensemble, das wieder mit enormer Spielfreude agierte, mit Wangenmikrophonen ausgestattet war, hatte es nur selten Probleme. Dafür bekamen die auf der linken Seite des Berio-Saals sitzende Zuschauerinnen und Zuschauer Probleme mit den Augen, da in der Folge 5 und 6 die grellen Scheinwerfer genau aufs Publikum gerichtet waren (Lichtdesign: Thomas J. Jelinek, Lichttechnik: Martin Knaupp). Durch diese fiese Idee mutierte das witzig-skurrile Stück zu einem reinen „Blendwerk“! Absicht oder Unvermögen? Auffallend war, dass sich in der Pause zwischen diesen beiden Folgen die Reihen merklich lichteten.

 Den stärksten Eindruck aus dem Büroteam hinterließ an diesem Abend die Mezzosopranistin Anna Clare Hauf als Donatella, die zeitweise das Kommando als starke Befürworterin sowohl für die Gründung einer Sofa-Arbeitsgruppe wie auch für die Produktion eines Kalenders übernahm. Der Bariton Benjamin Appl wurde in der Rolle des Leo Bloom neuerlich von seiner ehrgeizigen Praktikantin Imogen, dargestellt von der quirligen Sopranistin Theresa Dlouhy, ausgestochen. An diesem Abend etwas blasser waren der Bassist Nicholas Isherwood als Bürochef und die Sopranistin Bibiana Nwobilo als seine Mitarbeiterin Yumi, während der Countertenor Bernhard Landauer neuerlich für subtile Situationskomik sorgte.

 Der starke und lang anhaltende Applaus des Publikums, das sich zeitweise blendend unterhielt und auf das sarkastisch gehaltene Libretto des Öfteren mit Lachsalven antwortete, lässt vermuten, dass auch die Staffel III im Wiener Konzerthaus ausverkauft sein wird. 

 Udo Pacolt

 PS: Das Finale mit der Folge 7 der Sitcom-Oper findet am 21. November im Berio-Saal des Wiener Konzerthauses statt, wobei an diesem Abend zwei Vorstellungen zur Wahl stehen: Beginnzeiten 20:15 und 22:00 Uhr.

 

 

 

 

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