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WIEN/ Konzerthaus: SIMON KEENLYSIDE – Lieder von Franz Schubert

19.06.2016 | Konzert/Liederabende

SIMON KEENLYSIDE. Lieder von Franz Schubert Wiener Konzerthaus am 17. Juni 2016

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Simon Keenlyside. Copyright: Simon Keenlyside info-Seite

 Lange musste man auf eine Wiederbegegnung mit Simon Keenlyside in Wien warten. Ein Auftritt an der Wiener Staatsoper in der aktuellen Saison musste genauso abgesagt werden wie der Liederabend im Wiener Konzerthaus im Dezember. Nun wurde dieser nachgeholt. Man stellte sich natürlich vor Beginn des Konzertes die Frage in welcher stimmlichen Verfassung sich der Bariton präsentieren würde. Schließlich liegen schwere Monate hinter dem Sänger. Da waren der aufsehenerregende Stimmverlust während der Wiener Rigoletto-Premiere,  eine Schilddrüsen-Operation und eine monatelange Genesung. 

Wie sehr er den Wienern fehlte und wie groß deren Freude über sein Comeback war, zeigte sich zu Beginn als der Sänger mit einem auffällig langen und starken Applaus begrüßt wurde, was den Künstler sichtlich etwas verlegen machte.

Und nach wenigen Minuten konnten sich die Zuhörer davon überzeugen, dass der britische Bariton wieder in alter Form zurück ist. Die Stimme klingt erstaunlich frisch, verfügt über Zartheit und Kraft, Volumen und Dolcezza.

 Für den Liederabend hat sich Simon Keenlyside – der wie so oft vom hervorragenden Malcolm Martineau begleitet wurde – für ein reines Schubert-Programm entschieden. Und wenn Keenlyside Lieder singt ist er nicht einfach nur ein Sänger, sondern er wird zum Gestalter, zum Erzähler.

Im Opener „Alinde“ ist sein Vortrag sehnsuchtsvoll und eindringlich, bei „Im Walde“ intensiv und gleichzeitig schwärmerisch, bei „Die Sterne“ betörend träumerisch.  Keenlyside’s Baritonstimme ist besonders wandlungsfähig und nuancenreich, sein Vortrag stets textbezogen. So beispielsweise auch bei „Herbstlied“, „Der Wanderer an den Mond“ oder „Abschied“.

Sein Fortissimo macht starken Eindruck, erklingt es doch mächtig und geschmeidig zur gleichen Zeit. Mühelos wechselt er ins Piano und die Stimme klingt zart und geradezu fragil. Auch wenn ihm zwei oder drei Mal ein hoher Ton noch etwas mehr Mühe abverlangt. Erstaunlich die hohe Textverständlichkeit und das fehlerfreie Deutsch des gebürtigen Londoners.

Das Publikum war so begeistert, dass Keenlyside drei Zugaben nachlieferte. Dem hervorragend dargebrachten Phydilé von Duparc folgten die Hugo-Wolf-Lieder „Der Knabe und das Immlein“ und „Lied vom Winde“.

 Dieser Liederabend machte eines besonders deutlich. Simon Keenlyside, der im Zugabenteil auch ein wenig mit dem Publikum scherzte, ist wieder da. Mit ihm ist weiter zu rechnen, demnächst auch wieder auf den Opernbühnen dieser Welt. Wiener Staatsoper, Mailänder Scala, Bayerische Staatsoper München, Metropolitan Opera New York stehen auf seinem Auftrittskalender. Und wer ihn nun im Mozart-Saal des Wiener Konzerthauses gehört hat, weiß, dass er auch auf diese Bühnen hingehört.

 Lukas Link

 

 

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