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WIEN/ Konzerthaus: SIMON BOCCANEGRA konzertant – 2. Aufführung

17.04.2013 | KRITIKEN, Oper

Giuseppe Verdi: SIMON BOCCANEGRA (konzertant) – Zweite Aufführung. Wiener Konzerthaus 17. April 2013

Mit großen Namen lockte das Wiener Konzerthaus das Publikum zu einer fulminanten konzertanten Wiedergabe von Giuseppe Verdi’s Simon Boccanegra, die mit großem Jubel gefeiert wurde.

Alleine schon in orchestraler Hinsicht sorgten die genial musizierenden Wiener Symphoniker unter Massimo Zanetti für eine Meisterleistung. Zanetti entlockte dem Orchester die herrlichsten Klangfarben, gleichermaßen kraftvoll wie sensibel. Der Dirigent verstand es die ungeheuer dichte Atmosphäre, die in der Musik steckt, fühlbar zu machen und gleichzeitig eine enorme Spannung aufzubauen. Dabei geriet der Klang des Orchesters manchmal sehr üppig, doch trotz dieser Musikkraft verstand es Zanetti auch den Sängern genug Raum zu geben.

Ja, die Sänger. Und welch wunderbare Sänger da auf der Bühne standen. Thomas Hampson ist den Wienern als Simon Boccanegra durch seine Auftritte in dieser Rolle an der Wiener Staatsoper ja bestens vertraut und er hat seine Interpretation dieser Partie inzwischen noch verfeinert. Sein Bariton beeindruckte vor allem in den lyrischen Stellen und Hampson schaffte es alleine schon mit vokalen Mitteln einen leidenden und milden Boccanegra darzustellen. Gelegentlich geriet er mit seinem lyrischen Bariton an seine dramatischen Grenzen, trotzdem empfahl sich Hampson als ein hervorragender Vertreter dieser Rolle.

Carlo Colombara sang den Jacopo Fiesco mit schönem Bass, tauchte aber rein vokal nicht so ganz in die Tiefen seiner Figur und deren Empfindungen ein. Da fehlte an manchen Stellen der dramatische Biss. Ansonsten eine gute Leistung.

Joseph Calleja, dessen prachtvolle Tenorstimme über so viel Schmelz und Strahlkraft verfügt, sang einen Gabriele Adorno der Extraklasse. Jede tenorale Höhe wurde mühelos erklommen, vom fortissimo bis ins zarteste Piano konnte sich die Stimme des Maltesers entfalten. Eine ganz tolle Leistung. Seine Arie evozierte den einzigen bejubelten Szenenapplaus des Abends vom so gebannt lauschenden Publikum. Im Herbst wird Calleja den Adorno auch an der Wiener Staatsoper singen. Darauf darf man sich schon jetzt freuen.

Wahrhaft luxuriös war der Paolo Albiani mit Luca Pisaroni besetzt, der mit dieser Verdi-Partie ungewohntes Terrain betrat und mit seinem markanten Bass-Bariton eine überzeugende Leistung bot.

Kristine Opolais sang die Amelia Grimaldi, die nach unsicherem Beginn erst ab der Ratsszene zu einer guten Form gefunden hat. Ihr eher reifes Timbre überzeugte besonders in den dramatischen Stellen, doch für die Amelia fehlte es ihr an der so notwendigen lyrischen Zartheit. In der Höhe fühlte sich die Stimme nicht ganz so wohl, da neigte die Sängerin zu manchen leicht schrillen Tönen.

Das Ensemble komplettierten Igor Bakan als solider Pietro, Andrew Owens als Hauptmann mit auffallend schöner Tenorstimme und Gaia Petrone als Amelia’s Magd.

Den sehr gut disponierten Chor stellte die Wiener Singakademie.

Am Ende des Abends gab es im Großen Saal des Wiener Konzerthauses begeisterten Applaus mit unzähligen Bravo-Rufen und Standing Ovations für die Künstler für einen musikalisch packenden Simon Boccanegra. Ein CD-Mitschnitt dieser Aufführungsserie wird demnächst veröffentlicht.

Lukas Link

 

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