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WIEN/ Konzerthaus: „RESONANZEN“: 3. Gebot – Du sollst den Tag des Herrn heiligen

21.01.2020 | Konzert/Liederabende

20.1.2020: Konzerthaus 3.Gebot / Konzert „RESONANZEN“

 Du sollst den Tag des Herrn heiligen

Was würde zum dritten Gebot besser passen als eine Messe. Wenn das dann noch eine außerhalb ausgetretener Pfade ist, umso besser. Während die Ensembles der ersten beiden Konzerte erstmals bei den Resonanzen auftraten, sind Conjunto de Música Antigua Ars Longa alte Bekannte, die bereits zum vierten Mal Gast bei diesem Festival sind. Im Jahr 2013 bekamen zwei Ensemblemitglieder keine Ausreisegenehmigung aus Kuba. Zumindest einer der beiden war heuer aber mit dabei. Eine Messe lässt zwar nicht unbedingt eine effektvolle Show erwarten wie beim letzten Auftritt vor drei Jahren, aber dem Ensemble gelingt auch das.

Zunächst gelingt es der Continuogruppe bei völliger Dunkelheit unfallfrei auf das Podium zu gelangen. Im blauen Licht beginnt die Harfenistin mit einem anonymen prähispanischen Lied. (Für Sprachbegabtere als mich sei auch der Titel Xochipitzahuatl genannt.) Dazu zieht die gesamte Truppe von hinten in den Saal ein und vollführt, auf dem Podium angelangt, eine Art älplerischen Bandltanz.

Der Kern der folgenden Musiknummern ist ein Hochamt zu Ehren der Jungfrau Maria von Guadelupe, das auf die Missa Ego flos campi des Juan Gutiérrez de Padilla beruht. Dieser wurde um 1590 im spanischen Málaga geboren und wanderte 1622 nach Mexiko aus, wo er es bis zum Maestro de capilla an der Kathedrale von Pueblo brachte und schuf ein umfangreiches Oeuvre an geistlicher Musik. Immer wieder werden in den eigentlichen Messtext Villancicos eingestreut. Dabei handelt es sich um eine ursprünglich spanische Musikart, die sich im 17.Jahrhundert in Lateinamerika großer Beliebtheit erfreute und oft wie ein Rundgesang wirkt. Einige dieser Nummern stammen vom Nachfolger Padillas, Antonio de Salazar, andere sind von anonymen Schöpfern. Für die verschiedenen Nummern gruppieren sich die Ensemblemitglieder auch immer wieder neu, so dass eine sorgfältige choreographische Auflösung auch für Abwechslung sorgt. Zentraler Bezugspunkt ist die Leiterin Teresa Paz, die auch singt und tanzt. Denn nach absolvierter Messe kommt die pure Lebensfreude wieder zum Tragen und vor dem Auszug werden auch wieder zwei Leute aus dem Publikum zum abschließenden Tanz mit auf die Bühne gebeten, ehe die Truppe wieder durch den Saal auszieht. Wie schon bei den bisherigen Begegnungen ein sehr erfreulicher, optimistisch stimmender Abend mit einem wunderbaren Kollektiv.

 

Wolfgang Habermann

 

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