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WIEN/ Konzerthaus/ Mozart-Saal: „BACH-KANTATEN“ – der Zyklus geht erfolgreich in die neunte Etappe

13.10.2016 | Konzert/Liederabende

WIEN/Konzerthaus, Mozart-Saal: Der Zyklus „Bach-Kantaten“ geht erfolgreich in  die neunte Etappe

am 12.10. 2016 (Karl Masek)

Es war eine großartige Idee des Schweizer Dirigenten und Lautenisten Luca Pianca und des Wiener Bassbaritons Georg Nigl, das Bach’sche Kantatenwerk in seiner Gesamtheit aufzuführen. Ein Projekt, das mittlerweile acht Saisonen währt. Wir halten beim Konzert Nummer 28. Eine begeisterte Fangemeinde füllt ein ums andere Mal den Mozart-Saal und begleitet diesen musikalischen „Jakobsweg“ mit nie erlahmender Ausdauer, mit Entdeckerfreude und Hörlust.

Einen zusätzlichen Energieschub bekamen die musikalischen Wanderer um das Ensemble Claudiana erstmals mit der jugendlich-enthusiastischenCompany of Music. Künstlerischer Leiter des Chors: Johannes Hiemetsberger. Dieser erarbeitet mit seinen professionellen Sängerinnen und Sängern ein Repertoire von großer Bandbreite. Von Renaissancewerken über szenische Werke des Barock wie Purcells „Dido und Aeneas“. Von a capella-Kinderopern bis hin zu Jazz- und Popausflügen.

Und es ist ein prchtvolles Vokalensemble von 16 Stimmen, das Bach mit Ausdruckskraft, Klangsinnlichkeit, Eleganz und Präzision angeht. Und die geradezu körperlich spürbare Begeisterung dieser jungen Hochbegabten pflanzt sich fort ins Auditorium, das mit lautem Jubel die Debütanten feiert. Konzerthaus-Chef Matthias Naske hat „Company of Music“ in der Saison 2016/17 sogar einen eigenen Zyklus mit drei Konzerten im Mozart-Saal ermöglicht. Hier werden Werke von Bach bis Boulez, von Gustav Mahler bis Arvo Pärt, von Monteverdi bis Claude Debussy gesungen (7.11./1.3./11.6.). Unbedingt hingehen, unbedingt anhören!

Perfekt gelang das Zusammenspiel mit dem Ensemble Claudiana, einem Garant für Bach-Höhenflüge seit Anfang des Projekts. Wie etwa der Konzertmeister Dmitry Sinkovsky, der Flötist Reinhard Czasch, oder die Cellistin Dorothea Schönwiese Arien mit musikantischer Grandezza begleiten und Rezitative hellwach und sinnfällig phrasieren: das ist ohne Übertreibung Weltklasse.

Überwiegend licht und freudvoll  der Gesamtcharakter aller drei diesmal aufgeführten Kantaten: „Ach wie flüchtig,ach wie nichtig“ BWV 26, „Meine Seel erhebt den Herren“ BWV 10 und „Freue dich, erlöste Schar“ BWV 30. Bei Bach ist Frömmigkeit auch sinnlich, auch fröhlich (und eben nicht frömmelnd). „Kommt, ihr angefochtnen Sünder, eilt und lauft, ihr Adamskinder, Euer Heiland ruft und schreit! Kommet, ihr verirrten Schafe, stehet auf vom Sündenschlafe, denn itzt ist die Gnadenzeit!“ lässt Bach etwa  den Alt in seiner Arie singen.

Terry Wey gestaltete diese Frohbotschaft  mit samtigem Altus und balsamischen Tönen, von Violine und Flöte kongenial begleitet. Den in Wien ausgebildeten Schweiz-Amerikaner mit dem noblen, elegant gerundeten, weichen  Timbre würde man gerne öfter in Wien hören. Die junge Debütantin im Solistenquartett, Marie-Sophie Pollak, bezauberte mit kristallklarem, quecksilbrig beweglichen Sopran von aparter, noch mädchenhafter Anmut (Arie: „Eilt ihr Stunden, kommt herbei…“), der Tenor Tobias Hunger überzeugte mit Stilsicherheit und Wortdeutlichkeit, wie sie offenbar allen in Dresden und Leipzig ausgebildeten Sängern bei Bach, Schütz & Co eigen ist. Schließlich der Bassbariton Georg Nigl. Ihm vertraut Bach die dramatischen bis sogar martialischen Töne an. Nigl singt derlei mit markiger Tongebung, mitreißend rasant, mitunter aber auch mit stimmlichem Überdruck..

Luca Pianca ist der  Souverän am Pult und an der Laute. Er weiß, wann er gestaltend eingreifen, wann er anfeuern muss – und wann er einfach die Musik atmen und seine Mitstreiter allein gestalten lässt. 

Jubel für alle. Man freut sich schon auf Nummer 29!                                             Karl Masek

 

 

 

 

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