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WIEN/ Konzerthaus: ELINA GARANCA – von der Magie einer Samt-Stimme

18.02.2017 | Konzert/Liederabende

Konzerthaus: VON DER MAGIE EINER SAMT-STIMME: ELINA GARANCA (17.2.2017)

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Elina Garanca. Copyright: APA/ Georg Hochmuth

Der Fachwechsel von Elina Garanca ist voll angelaufen. Nach der ersten Sanzuzza in „Cavalleria Rusticana“ wird die letttische Mezzo-Sopranistin im kommenden Oktober wieder in der Bastille-Oper ein wichtiges Debüt absolvieren. Und zwar ihre erste Eboli in Don Carlos mit Jonas Kaufmann in der Titelpartie. Im Mai 2018 folgt dann die erste Dalila – immerhin an der Wiener Staatsoper. Und dann kommt schon die erste Amneris.

Der Abschied von Rossini und Hosenrollen dürfte definitiv sein. Und wer wissen wollte, ob sich die Stimme von Elina Garanca verändert hat, konnte dieser Frage im Großen Saal des Wiener Konzerthauses am 17. Februar nachgehen. Und die Antwort fiel eindeutig aus: die aus Riga stammende Blondine hat an Volumen zugelegt, wobei die strahlende Höhe weiterhin ihr „Markenzeichen“ ist. Zugleich hat sich der Samt-Charakter der Mittellage verstärkt und dazu kommen „tiefe Töne“, die man von ihr bisher nicht gekannt hat. Alles in allem: Elina Garanca steuert ihre Karriere offenbar perfekt. Bei ihr fasziniert nicht nur die Klugheit ihrer Repertoire-Erweiterung. Die Magie ihrer Samt-Stimme erfasst auch die Bewältigung ihrer familiären Ansprüche. Hier schafft es eine intelligente, starke Frau, ihre künstlerischen und privaten Träume (mit 2 Töchtern) unter einen Hut zu bringen. Man wünscht noch lange Fortsetzung. Apropos Familien-Leben. Immer öfter dirigiert der Ehemann, Karel Mark Chichon. Auch diesmal – und das Wiener KammerOrchester ließ sich vom Temperament des Garanca-Ehemannes anstecken. Schon beim „Auftakt“ – beim Walzer aus dem „Schwanensee“ von Peter Iljitsch Tschaikowsky – zeigt er seine Vorzüge. Der in Gibraltar geborene Engländer, der im kommenden Juli zum 10.Mal mit seiner Frau in Göttweig antritt, ist ein flexibler Kapellmeister mit südländischen Temperament. Und er liest Elina Garanca alle Wünsche von den Augen ab. 1.Arie von Elina Garanca: die Arie der Jeanne D’Arc von Tschaikowsky. Ein Schwelgen in Wohlklang und ein „goldglänzender“ Spitzenton. Und dann – als Vorgriff auf Samson und Dalila von Camille Saint-Saens – die berühmte Arie „Siehe mein Herz erschließt sich deiner Stimme“. Schöner und erotischer kann man diesen „Lockruf“ kaum gestalten. Vor und nach der Pause: 2 Arien aus „Adriana Lecouvreur“ von Francesco Cilea, die Ouvertüre der Verdi-Oper „Sizilianische Vesper“ und dann – für mich zumindest – der Höhepunkt des Konzerts: die Arie der Santuzza „Voi lo sapete“ aus „Cavalleria Rusticana“. Elina Garanca vergisst, dass sie am Konzert-Podium steht. Sie leidet mit der gekränkten, stolzen Frau mit. Grandios!

Den größten Erfolg – ohne Garanca -hat das Wiener KammerOrchester unter Karel Mark Chichon dann mit dem Tanz der Stunden aus Amilcare Ponchielli’s „La Gioconda“. Und die „Diva mit dem Fachwechsel“ beendet den stürmisch gefeierten Abend mit Francesco Paolo Tosti und den obligaten Zugabenmix aus Zarzuelas und schließlich „Granada“. Jubel, Trubel und viele Blumen. Zuletzt „standing ovations“ und strahlende – mitunter sogar junge – Gesichter.

Peter Dusek

 

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