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WIEN/ Konzerthaus: Antrittskonzert von Andrés Orozco-Estrada als Chefdirigent der Wiener Symphoniker

11.10.2020 | Konzert/Liederabende

 


Umjubelt: Andrés Oroczo-Estrada. Foto: Ludwig

Antrittskonzert von Andrés Orozco-Estrada als Chefdirigent der Wiener Symphoniker am 10.10.2020

Endlich war es soweit: der am 14.12.1977 in Kolumbien geborene Andrés Oroczo-Estrada wurde von den Wiener Symphonikern im großen Saal des Wiener Konzerthauses als neuer Chefdirigent präsentiert. Schon 1997 kam er nach Wien um an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst zu studieren. Seinen Abschluß als Dirigent legte er dann mit Auszeichnung ab. Er leitete von 2009-2015 das Tonkünstlerorchester, ist momentan auch noch Chefdirigent des hr-Sinfonieorchester Frankfurt und Music Director der Houston Symphony. Eigentlich sollte er ja erst 2021/22 seinen neuen Posten bei den Wiener Symphoniker beginnen. Da aber Philippe Jordan, der seit 2014 Chefdirigent war, vorzeitig an die Wiener Staatsoper als Musikdirektor ging, ist der unermüdliche Musiker schon jetzt zur Stelle, ohne seine anderen Verpflichtungen dabei zu vernachlässigen. Chapeau! 

Das Ziel dieser neuen Gemeinschaft ist so definiert, dass jedes Konzert eine Sternstunde sein soll. Ein guter Start, den man sich aber meiner Meinung nach nicht leicht gemacht hat, was die Programmauswahl betrifft. Es hätte ja auch, gerade für dieses Jahre sehr passend, eine Beethoven Symphonie sein können. Doch wählte man sehr umsichtig aus. Mit “einfache Lieder” vom Wunderkind Erich Wolfgang Korngold, geb. 1897, geschrieben 1911-1913, wurde an die Anfangszeiten des Orchestern zu Beginn der Moderne hingewiesen. Sehr schön interpretiert von der deutschen Sopranistin Christiane Karg und vom Orchester sehr fein nuanciert begleitet. Beendet wurde der erste Teil des Konzerts dann mit dem Lied der Marietta “Glück das mir verblieb” aus Korngolds Oper “Die tote Stadt. Wunderbar!


Christiane Karg. Foto: Ludwig

Eröffnet wurde die 120. Saison der Symphoniker aber mit einem Auftragswerk, welches an junge Talente ausgeschrieben war. Aus 250 Einsendungen wählte die hochkarätige Jury die 1989 in den Niederlanden geborene Komponistin Carlijn Metselaaie mit ihrem Werk “Vorfreude”. Dieser Willkommensgruß ist ein räumliches Erlebnis, sind doch Musiker im Konzertsaal verteilt und geben der Musik umfassenden Raum. Ein interessantes Stück. Leider durfte die Komponistin offenbar nicht auf die Bühne kommen, um den Applaus des Publikums entgegenzunehmen. Schade. Aber Orozco-Estrada und das Orchester wendeten sich ihr zu und beglückwünschten sie von der Bühne aus. 

Nach der Pause dann Richard Strauss. Schon das Abschlusskonzert mit dem scheidenden Chefdirigenten Philippe Jordan, der nun Musikdirektor der Wiener Staatsoper ist, stand ganz im Zeichen dieses Komponisten, dessen Werke zum Kernrepertoire der Symphoniker zählt. 

“Ein Heldenleben” also. Op. 40. In Es-Dur, so wie auch Beethovens Eroica und seither die Tonart des Heldentums. Eine Tondichtung. Eine symphonische Dichtung. Entstanden 1898 und uraufgeführt am 3.3.1899 in Frankfurt unter der Leitung des Komponisten. Der Erfolg zwiespältig. Das einsätzige Werk ist in drei Teile unterteilt, die wiederum Episoden erzählen. Strauss selbst hat zeitlebens ganz unterschiedliche Interpretationen zu seinem Stück gegeben. Er meinte zB, dass es reicht zu wissen, dass es einen Helden im Kampf mit seinen Feinden beschreibt. Mein Harenberg Konzertführer (auch schon in die Jahre gekommen) merkt übrigens an, dass “Heldenleben” vielfach zur Selbstdarstellung großer Dirigenten dient. Ich würde sagen, Orchester und Dirigent können damit ihre Qualität ganz besonders hervorheben. Im Konzerthaus hatte das Stück übrigens am 8.10.1922 Premiere, damals unter dem Dirigat von Clemens Krauss, und es wurde bisher 34 mal aufgeführt. 

Andrés Orozco-Estrada zuzusehen ist immer ein Erlebnis, gestern aber besonders speziell. Manchmal kam mir vor, als würde die Musik direkt aus ihm kommen und von ihm dann auf die Musiker überspringen. Quasi wie ein Austausch von Klängen und Tönen über den Äther… Auch wenn die Partitur vor ihm lag, blätterte er scheinbar auswendig und ohne hinzusehen um. Eindrucksvoll! 

Die ebenfalls neue, erste Konzertmeisterin Sophie Heinrich interpretierte ganz herausragend und eindrucksvoll den von der Solo-Violine dominierten dritten Teil. Die begeisterten Bravo-Rufe beim Schlussapplaus waren mehr als wohlverdient. Großartig!

Es machte überhaupt den Eindruck, als sei Orchester und Dirigent schon jetzt, zu Beginn der engen Zusammenarbeit, sehr verbunden. Alle Instrumentengruppen wurden einzeln hervorgehoben und vom Orozco-Estrada begeistert bedankt. Ein sehr würdiger und gelungener Auftakt in eine neue Ära. Bravi tutti!

http://www.orozco-estrada.com/biografie

https://www.wienersymphoniker.at/

https://www.sophieheinrich.com/

Bericht von Helena Ludwig

https://www.instagram.com/helena_ludwig_austria/

https://www.facebook.com/helena.ludwig

 

 

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