Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

WIEN / KHM: KUNST VOLLER WEIN

04.06.2012 | Allgemein, Ausstellungen

WIEN / Kunsthistorisches Museum: 
KUNST VOLLER WEIN
Intermezzo 04
Vom 5. Juni 2012 bis zum 2. September 2012

Vivat Bacchus, Bacchus lebe!

Strategien sind gefragt, wenn das Geld knapp geworden ist, Museen aber dennoch genötigt sind, immer wieder neue Ausstellungen zu erstellen. Schon vor vier Jahren hat man die arbeitsinensive, aber finanziell schonende Lösung der so genannten „Intermezzo“-Ausstellungen gefunden: Themenzusammenstellungen, die allein aus eigenen Beständen gestaltet werden, wobei natürlich vor allem das Kunsthistorische Museum diese Gelegenheit überaus schätzt, „mit der Breite und Tiefe der Sammlungen zu spielen“, wie es Direktorin Sabine Haag ausdrückt.  Das klassische Thema „Wein“ bietet hier reiche Möglichkeiten.

Von Heiner Wesemann

Intermezzi     Ein Intermezzo pro Jahr – die bisherigen galten gemalten Räumen, Porträts und den schaurig schönen Monstern, alles höchst wirkungsvoll. Der „Wein“ ist es nicht minder, nicht nur ein Thema für Österreich, sondern für die gesamte Menschheitsgeschichte. Das Kunsthistorische Museum kann hier seine Gemäldegalerie ebenso anzapfen wie die Tapisserien, die Antikensammlung wie das Münzkabinett. Aus dem Schloß Ambras hat man so manches nach Wien geholt. Und natürlich stammen gerade hier viele Stücke aus der Kunstkammer, deren Eröffnung nun (nach vielen Verschiebungen – schon Seipel hatte gehofft, es über die Bühne zu bringen!) für Februar 2013 in Aussicht genommen ist.

 Foto: Wesemann

Dionysos – Bacchus grüßt     Nackt, in weißem Marmor, 1,80 Meter groß, Weinlaub im Haar, so grüßt ein Dionysos/ Bacchus (römisch, aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. aus Karthago) den Besucher in klassischer Schönheit. Ursprünglich ein thrakischer Gott, als Sohn von Zeus und Semele zum Halbgott der Griechen und Römer ernannt, ist er in vielen Variationen möglich, aber er feiert in allen Kulturen die Trunkenheit als einen Zustand außerhalb der Norm: Gemalt von Jan van Dalen im 17. Jahrhundert lacht Bacchus so frech wie hintergründig und herausfordernd vom Bild. Ihm gilt notwendigerweise ein thematischer Schwerpunkt der Ausstellung.

  Tintoretto

Quer durch die Jahrhunderte    Das Thema Wein begegnet uns im Alten Ägypten, schier unendlich auf griechischen Vasen, auf antiken Reliefs. Ein Weinkrug, ein Trinkhorn, ein Traube finden sich auf antiken Münzen. Wer Wein trinken will, braucht Gefäße – von der antiken Amphore bis zu den kompliziertesten Kunststücken, die die Renaissance zu diesem Zweck schuf, ist Kostbares zu bestaunen. Gläser, Schalen, Pokale, Trinkhörner. Auf Gemälden werden die Gefässe serviert.

 Fangstuhl

Kampfsaufen im 16. Jahrhundert   Ein Objekt wirkt auf den ersten Blick erschreckend: Denn der Stuhl, der wie aus Silber wirkt, aber doch nur aus Eisen ist, erinnert stark an einen elektrischen Stuhl oder zumindest ein Foltergerät. Das werden die Unglücklichen auch mit Schreck empfunden haben, die sich darauf niederließen und plötzlich von eisernen Klammern umfangen fanden – und zwar nachdrücklich, um Oberschenkel, Bauch und Oberarme, da gab es kein Entkommen. Offenbar musste man sich da „freisaufen“, was im 16. Jahrhundert offenbar als unterhaltsames Trinkspiel galt.

Gemalt, geknüpft, geschnitzt     Die Gemäldesammlung hat ein paar bemerkenswerte Werke zum Thema zu bieten, ob Lucas Cranach der Ältere Lot und seine Töchter recht zweideutig beim Weine malte, ob für Hans von Aachen „Bacchus, Venus und Amor“ wieder einmal Gelegenheit bedeutete, sich selbst und seine Gattin zu porträtieren – letztere busenfrei, wie Kaiser Rudolf II. es liebte, ob Maerten van Heemskerck einen recht zügellosen Triumphzug des Bacchus losschickte. Bacchus ist das zentrale Motiv, auf dem Brüsseler Gobelin von 1695, wo der Knabe den Nymphen übergeben wird, oder auf einem faszinierenden vergoldeten „Trinkautomaten“ von 1602, wo er, auf einem Bock reitend, einen Wagen ziert, dessen Mechanik erlaubte, ihn nicht nur über den Tisch rollen zu lassen, sondern auch noch die einzelnen Figuren zu bewegen…

Die vielen Gesichter des Weins    Natürlich spielt der Wein nicht nur bei zügellosen, sondern auch bei christlichen Zeremonien seine wichtige Rolle, das KHM kann hier den so genannten „Wiltener Kelch“ aus dem 12. Jahrhundert bieten, und man hielt Wein auch für heilkräftig, wie zumindest der Barmherzige Samariter auf dem Gemälde meint. Von der formvollendeten Traube als Stilleben (Philipp Ferdinand de Hamilton, erste Hälfte des 18. Jahrhunderts) bis zu ihrer Ernte, die manches „Herbst“-Gemälde zierte, ist der Wein auch quasi in seiner Urform vertreten.    

Vom 5. Juni 2012 bis 2. September 2012
Täglich 10 – 18 Uhr, Donnerstag 10 – 21 Uhr
Achtung: Über die Sommermonate ist das KHM täglich geöffnet!

 

 

Diese Seite drucken