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WIEN / Kasino: THEBLONDPROJECT

05.10.2019 | KRITIKEN, Theater

THEBLONDPROJECT
Gesine Danckwart und Caroline Peters
Uraufführung am 05.10.2019, Kasino / Burgtheater
EINE PRODUKTION VON CHEZ COMPANY UND BURGTHEATER, GEFÖRDERT IM FONDS DOPPELPASS DER KULTURSTIFTUNG DES BUNDES (DEUTSCHLAND) (c) Marcella Ruiz Cruz / Burgtheater

WIEN / Kasino des Burgtheaters:
THEBLONDPROJECT von Gesine Danckwart / Caroline Peters
Uraufführung
Premiere: 5. Oktober 2019  

Das war wohl nichts, und das ist doppelt schade. Erstens thematisch, denn man könnte sich zu einer Produktion, die sich „Theblondproject“ nennt, vorstellen, dass es vielleicht mehr Denkanstöße geben könnte als die allzu klischierten (der Sex der Monroe und die Dummheit der Blondinen). Und zweitens, weil sich Caroline Peters hier eingebracht hat und eine der wenigen Schauspieler/innen in Wien ist, um derentwillen man ins Theater geht. (Und auch bei den schauspielerwütigen Wienern gibt es nicht mehr gar zu viele Namen, die einen außer Haus locken.)

Blondinen bevorzugt? Wer fragt? Eine Dame namens Gesine Danckwart, die sich mit „interaktivem“ Theater einen Namen gemacht hat. Beteiligt ist auch die „Chez Company“, die sich im Internet vollmundig vorstellt: „Die Formation Chez Company, entstanden um Projekte von Gesine Danckwart, sucht den Kratzer in der Oberfläche, die Show im Flow, die Rehumanisierung im Digitalen. Wir sind keine digitalen Nerds, sondern spielen mit allen technischen Mitteln, die wir uns nur aneignen.“ So, jetzt wissen wir’s theoretisch. Was ist es praktisch?

Praktisch wird man ins Kasino des Burgtheaters gebeten, darf sich aber nicht wie üblich auf den Bänken niederlassen. Stehend erlebt man die initiale Doppelconference von Gesine Danckwart und Caroline Peters, die uns erzählen, dass erstere von Anfang an Feministin war, während die andere es nie nötig hatte, weil sich ihr offenbar kein Mann je in den Weg ihrer Selbstverwirklichung gestellt hat. Das Projekt „Blond“ haben sie gemeinsam erarbeitet – und nun soll doch das Publikum bitte gut eine Viertelstunde in den Räumen des Kasinos flanieren. Wozu? Zu keinem ersichtlichen Grund, es sei denn, die Zeit zuzubringen, weil ja schließlich ein ganzer Theaterabend versprochen ist – aber die Substanz dafür hat man nicht.

Die junge Dame, die mit einer Kamera am Kopf herumläuft und zum Avatar des Publikums erklärt wird, hat übrigens keine wirkliche Funktion, aber ohne das Digitale geht es ja nicht, ob es nun Sinn macht oder nicht.

Eine halbe Stunde nach Beginn darf man sich offiziell niederlassen, und jetzt kommt der wiederum halbstündige Monolog von Caroline Peters, den die beiden Damen wohl selbst geschrieben haben. Seltsam, dass er ausgerechnet mit Rita Hayworth beginnt, die bekanntlich eine „Strawberry Blonde“, sprich: rothaarig, war, aber so wirklich geht es ja gar nicht um das Thema „Blond“. Weit eher kommt Caroline Peters in freier Assoziation vom Hundertsten ins Tausendste, Gilda, die Atombombe, Michael Jackson, der Vibrator. Von Tippi (Hedren), weil „Die Vögel“, zu Siegfried und Roy (weil Tiger), war Siegfried blond? Von der Monroe zu Virginia Woolf, eher ein holpriger Weg, Angela Merkel kommt auch vor – du liebe Güte, wo führt das hin? Caroline Peters sagt es ehrlich selbst, nämlich ein „Baden in Narzissmus“, bevor sie per Salto durch das „O“ von „Blond“ fällt, Bühne auf der Bühne, Riesenbuchstaben, das Innere aus Papier…

Das Ganze macht intellektuell wenig Sinn, die Darstellerin ist virtuos, wie sie es nur sein kann (also: sehr!), und man wünschte ihr für ihr Solo einen viel besseren Text. Wenn allerdings dann Gesine Danckwart ihren kürzeren und ebenfalls nicht sehr sinnhaften Text nicht sehr gut abliest, dann hält man sich besser an den Videozusammenschnitt, der dahinter läuft: Marilyn und die Bardot, blonde Zeichentrickgirls, das Bekenntnis zur schlanken Barbie-Puppe (statt zur realistischen). Das führt wohl zum Feminismus-Bekenntnis des Anfangs zurück… Zusammen gefasst: Die Dürftigkeit des Gebotenen ist bemerkenswert. Über das Thema „Blond“ scheint hier niemand wirklich nachgedacht noch reflektiert zu haben. Beim Schulaufsatz hätte es lapidar geheißen: Thema verfehlt.

Ja, und dann darf man als Publikum heimgehen, eineinviertel Stunden nach dem Beginn, man könnte aber auch noch bleiben und durch das Kasino flanieren. Falls man nichts Besseres zu tun hat. Nun, man hat sich eine halbe Stunde an der Virtuosität von Caroline Peters ergötzt. Ob das ausreicht, einen ganzen Abend zu opfern… das sei dahin gestellt.

Renate Wagner

 

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