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WIEN / Kammerspiele: NON(N)SENS

12.05.2012 | Allgemein, Oper

 Fotos: Barbara Zeininger

WIEN / Kammerspiele des Theaters in der Josefstadt:
NON(N)SENS von Dan Goggin
Premiere: 12. Mai 2012,
besucht wurde eine Voraufführung

Das ist ein musikalischer Blödelklassiker, und man mag ihn schon ein paar Mal gesehen haben – man lacht immer wieder. So richtig als „Musical“ kann man die „Fünf-Nonnen-Show“ von Dan Goggin mit dem schönen Titel „Non(n)sens“ wohl doch nicht betrachten, weit eher als Nummernrevue, deren Qualität sich seit der Uraufführung 1985 in New York mehr oder minder in der Ausführung zeigt.

Und da braucht man in den Kammerspielen der Josefstadt keine Sorge haben: Hier entfaltet sich mit hinreißenden Interpretinnen der denkbar schönste, frechste und dabei nur in Grenzen geschmacklose Nonnen-Unsinn. Man weiß von allen Anfang an, dass es nicht ernst genommen werden soll… schon, wie die Damen mit Engelsflügel-Hauben auftreten (nur die Mutter Oberin trägt gleich eine ganze Kirche am Kopf), ist Spitze (Kostüme: Elisabeth Gressel, das unaufwendige Kirchen-Bühnenbild stammt von Lothar Hüttling).

Regisseur Werner Sobotka gilt zu Recht als Spezialist für dergleichen Blödsinn, der so perfekt über die Bühne gehetzt werden muss, dass man gar nicht zum Denken kommt. Auf „österreichisch“ bearbeitet, kommen die überlebenden Ordensschwestern eines kleinen Klosters in Pfaffstätten dem Publikum von Anfang an mit dem vollen „Schmäh“, dass sie eine Benefizveranstaltung durchführen müssen, um ihre leider von einer Bouillabaisse vergifteten Mitschwestern würdig begraben zu können…

Wenn die Damen nicht heftig und durchaus auch untergriffig mit- und gegeneinander argumentieren, gibt es Solo-Nummern oder auch hinreißende kollektive Gesangs- und Tanzszenen (für welche „der Inder“ Ramesh Nair mehr als erfolgreich verantwortlich zeichnet). Das Ganze dauert zweieinviertel Stunden und hat vielleicht, schüchtern eingewendet, nur einen Fehler: Es rast mit andauerndem Volldampf über die Bühne, so dass man manchmal innerlich „aussteigen“ muss, um nicht erschlagen zu werden.

Wenn man die legendäre Marianne Mendt engagiert, dann rockt der Abend um ihre selbstironische Fülle und dunklen Töne: Dabei hat sie noch einen so verschmitzt-liebenswürdigen Schmäh – die Mendt, die kann’s.

  

Marianne Mendt / Sona MacDonald / Ruth Brauer-Kvam

Mit Sona MacDonald in der Rolle der ehrgeizigen Schwester Robert Anna hat die Josefstadt bekanntlich eine herausragende Sängerin und äußerst charmante Person zu bieten, und Ruth Brauer-Kvam bekam mit der „Schwester Amnesia“, die alles vergisst, ohnedies die beste Rolle: singen und tanzen und bauchreden kann sie auch, von ihrer rührenden Persönlichkeit einmal ganz abgesehen. Und was ist sie – sozusagen nebenbei – noch für eine Schauspielerin! Anbetungswürdig.

Um die Fünferbande zu komplettieren, holte man gleich zwei Linzerinnen ins Team, wobei die Kabarettistin Angelika Niedetzky als Schwester Maria Hubert einen geradezu hinreißend trockenen Spruch loslässt und Hanna Kastner als Schwester Maria Leo Solo-Tanzkunststücke bietet, die fast an Akrobatik gemahnen.

Die Herren Musiker (musikalische Leitung & Arrangements: Christian Frank) agieren in Priestergewändern und machen herrlich Krach.

Das Publikum war schlechtweg aus dem Häuschen über dieses Quintett, und Wien hat jetzt einen Hit, der erst einmal bis Saisonende gespielt wird und für den man sich schleunigst Karten sichern sollte.

Renate Wagner

 

 

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