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WIEN / Kammerspiele: LADYKILLERS

25.01.2019 | KRITIKEN, Theater

Fotos: Josefstadt

WIEN / Kammerspiele der Josefstadt:
LADYKILLERS
Elke Körver & Maria Caleita
Nach William Rose
In einer freien Bearbeitung des Theaters in der Josefstadt
Premiere: 24. Jänner 2019

Selbst wenn man sich nicht mehr detailliert an den Film „Ladykillers“ erinnert, so hat man doch das unschuldsvolle Grinsen von Alec Guiness vor Augen, hört noch immer die unverkennbare Boccherini-Phrase, die immer wieder gespielt wird, und weiß, dass das als Film eine unvergessliche Köstlichkeit, eine ganz brillant gestrickte Gaunergeschichte war. Und weil solche Titel Signalwirkung haben, bringt man die Filme auch auf die Bühne (die Josefstadt besonders oft) – auch wenn es nie gelingt. Und hier wieder einmal ganz besonders nicht.

Für das Theater müsste man das Ganze schon pfeffern und die Groteske von der alten Lady, die aus „Arsen und Spitzenhäubchen“ kommen könnte, und den schleimigen Gangstern, die sich à la Biedermann und die Brandstifter bei ihr einmieten, zu einem teuflischen Spaß machen. In den Kammerspielen ist bis zur Pause absolut gar nichts los, nach der Pause soll die Dame umgebracht werden, statt dessen befördern sich die bösen Herren gegenseitig oder selbst ins Jenseits. Und das so unwitzig, dass man nicht einmal die Achseln zucken kann.

Was ist passiert? Im Programm steht: „Regie: Cesare Lievi“, aber der kann ja wohl nicht da gewesen sein. Oder hat er sich so darüber geärgert, dass man ihm einen solchen Schmarrn anbietet, dass er die Schauspieler einfach machen ließ, wie’s ihnen einfiel? (Und es fiel ihnen – oder wem immer – gar nichts ein.)

Sie alle könnten es besser, sicher Marianne Nentwich, sicher auch André Pohl, der seine Fähigkeit zur „Hintergründigkeit“ oft erwiesen hat. Hier ist er ein relativ nuancenloser alter Mann. Und die Nebenrollen? Dafür hat die Josefstadt mit Martin Zauner und Siegfried Walther zwei erste Namen für dieses Genre aufgeboten – aber spielen sie überhaupt mit? Bei Martin Zauner möchte man es verneinen, Siegfried Walther darf sich einmal Damenfummel überziehen, was nicht einmal ein müdes Lächeln hervorruft.

Dazu Wojo van Brouwer dümmlich und Markus Kofler möchtegern-gefährlich. Schließlich hat Alexander Strobele eine jener Rollen, die jeder Schauspieler haßt: Er tritt am Anfang auf und am Ende, was macht man dazwischen? Na ja, es dauert nur eindreiviertel Stunden (inklusive Pause). Ist das ein Trost?

Es gibt im Wienerischen einen Ausdruck für einen Theaterabend, der sich so mühselig und fad über die Bretter schleppt: lahmlackert.

Renate Wagner

 

 

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