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WIEN / Kammerspiele: JACKPOT

26.01.2012 | Theater

WIEN / Kammerspiele des Theaters in der Josefstadt: 
JACKPOT von Réjane Desvignes
Uraufführung
26. Jänner 2012, besucht wurde die Generalprobe

Drei Frauen im Park, und so wie sie aussehen, sind sie recht schicki-micki. Zwei von ihnen passen auf ihre Kinder auf (eine von ihnen ist außerdem schwanger), die dritte beneidet die anderen ums Kinderglück, und im übrigen tun sie das Übliche: Sie reden über eine Abwesende. Die ist zwar auch die „beste Freundin“ von allen, wird aber nach allen Regeln der Kunst ausgerichtet. Sie ist schließlich das, was die Durchschnittsfrau in den meisten Fällen absolut nicht verträgt – eine Intellektuelle. Also eingebildet, großkopfert, angeberisch, was immer… aber nichts Gutes.

Das ist die Grundsituation von „Jackpot“ aus der Feder der Schweizer Schauspielerin und Autorin Réjane Desvignes. Ihre Beziehung zu Autor / Regisseur Igor Bauersima ist offenbar so gut, dass sie ihr Stück – er übersetzt und inszeniert natürlich – den Josefstädter Kammerspielen als Uraufführung überlassen hat. Ob es hierher passt… nun ja, bei Direktor Föttinger ist ja alles anders als früher, wie wir wohl wissen.

Wenn die drei, dann vier Frauen ohnedies nur eineinhalb pausenlose Stunden (es wirkt endlos!) schnatternd auf der Bühne herumwirbeln und jedem normalen Menschen den Nerv ziehen, passiert kaum etwas, das man für realistisch halten könnte – der Glaubwürdigkeitsfaktor ist gleich null. Drei Frauen, die sich mit demselben hirnlosen Kraftmeier im Bett wälzen, wären angeblich bereit, sich an der vierten, die sie derselben Sünde verdächtigen, immerhin so vehement zu rächen, dass sie deren Kind entführen (!).

Dazu kommen „geniale“ technische Spielereien der Art, dass alle bösen Pläne durch ein als „Babyphon“ wirkendes Telefon offenbar werden. Und ganz am Schluss – ja, da kriegt eine der Frauen noch auf offener Bühne ein Kind. Glücklicherweise halb hinter einem Baum verborgen. Schluss, aus, das ist einfach zu blöd.

Aber interessanterweise stimmt einiges auf der zweiten Ebene des Stücks: Dass Frauen und ihre „besten Freundinnen“ nicht immer in Harmonie leben, dass jede jede (vor allem, wenn man es mit einem Pulk von Damen zu tun hat) hinter dem Rücken der gerade Abwesenden verrät, dass man voll Groll, Neid und auch evidenter Niedertracht ist, wenn es um die ach so liebe Nächste geht, der man wiederum vertrauensvoll und unter dem Siegel absoluter Verschwiegenheit sein Innenleben anvertraut, während man das der anderen hemmungslos preisgibt…

Nein, ein gutes Zeugnis stellt die Autorin den Frauen nicht aus, aber sagen wir einmal: ganz unrealistisch ist das, was sie da an spannungsreichen Beziehungen darstellt, wirklich nicht. Andererseits ist das der Subtext: Die Oberfläche dieser grellen Komödie ist wirklich verzichtbar.

Und Regisseur Igor Bauersima – das Beste an dem Abend ist sein semi-realistisches Park-Bühnenbild – setzt immer noch einen drauf. Folglich gackern und kreischen sich Hilde Dalik, das schöne Sex-Blondchen des Hauses, Silvia Meisterle als Intellektuelle, Alexandra Krismer und Sona MacDonald, schwanger und verbiestert, an der Grenze der Unerträglichkeit durch das Geschehen. Eine überdrehte Groteske mit Lehrstück-Moral: Dumme Frauen, lasst gescheite Frauen in Ruhe, die stecken Euch in die Tasche… Wer das in dieser Form ehrlich lustig, unterhaltend oder erhellend zu finden vermag, dem sei gratuliert.

Renate Wagner

 

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