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WIEN / Josefstadt: ENDLICH SCHLUSS

03.05.2012 | Theater

WIEN / Theater in der Josefstadt: 
ENDLICH SCHLUSS von Peter Turrini
Premiere: 3. Mai 2012   
Besucht wurde die Generalprobe

Vor vielen, vielen Jahren (genau: im Juni 1997) war das eine Auftragsarbeit: Ein Monolog, den Peter Turrini dem großen Gert Voss auf den Leib schrieb (damals noch der Superstar des Burgtheaters) und der im Akademietheater unter der Regie von Claus Peymann mit all jenem Erfolg uraufgeführt wurde, den die prominenten Protagonisten erwarten konnten. Über das weitere Schicksal des Stücks weiß man hier in Wien nichts weiter (möglicherweise ist es anderswo landauf, landab gespielt worden?) – und nun hat es die Josefstadt 15 Jahre später wieder angesetzt. Ursprünglich für Heribert Sasse. Aber Spielpläne, die mindestens ein Jahr und mehr davor erstellt werden, halten nicht immer. Nun spielt Alexander Pschill den Einakter, der in der Regie von Herbert Föttinger gerade 70 Minuten dauert und einen etwas dürftigen Eindruck hinterlässt.

Es ist vermutlich die letzte Ausstattung des verstorbenen Rolf Langenfass, stimmungsmäßig phantastisch, inhaltlich etwas in der Luft hängend: Warum ein hoch erfolgreicher und sicherlich auch super verdienender Mann in mittleren Jahren, der sich umbringen will, dafür eine muffige Altbauwohnung mit schäbigen Tapeten wählt, ist kaum klar. Vermutlich handelt es sich um das Kinderzimmer des Sohnes, als dieser klein war, denn der einsame Held des Geschehens reitet immer wieder ein Schaukelpferd, wenn er sich nicht damit beschäftigt, die altmodisch hohen Fenster mit schwarzem Klebestreifen zuzupicken und den Ort ihn eine schwarze Höhle zu verwandeln… Es ist überhaupt meist sehr dunkel auf der Bühne, was für die Zuschauer bekanntlich anstrengend ist, und auch 70 Minuten können sehr lang werden.

 Foto: Barbara Zeininger

Allerdings besteht die Hoffnung, dass auch ein Mann, der nicht bis drei, nicht bis zehn, nicht bis hundert, nein bis tausend zählt, bis er sich erschießen will, endlich doch einmal dort anlangt – und es dann tut. Dass „Endlich Schluß“ ist, nicht nur für ihn, auch für die Theaterbesucher… Natürlich unterbricht er das Zählen (manchmal springt er auch in Zehnergruppen, man muss sich nicht jede einzelne Ziffer anhören) mit Reflexionen über sein Leben, das so erfolglos nicht war.

Möglicherweise gab es 1997 einen aktuellen Anlass, auf den Turrini angespielt hat, einen Erfolgsjournalisten, der ein übler Opportunist war und gerade deshalb Karriere gemacht hat (könnte er damals, nur eine Vermutung, Günther Nenning gemeint haben, der sich in allen Ideologie-Farben umtat?). Also, ein Mann, der mit sich selbst und seinem Erfolg unzufrieden ist.

Gut, aber dass man sich deshalb umbringen muss – das wird in diesen Überlegungen nicht ausreichend begründet. Man bekommt den Selbstmörder nicht so recht in den Griff. Und das hat nichts mit dem Interpreten zu tun, außer dass Alexander Pschill vielleicht doch ein wenig zu jung dafür wirkt – und eigentlich gar nicht sonderlich resigniert und gebrochen: Man möchte ihm anbieten, ins Kaffeehaus oder zum Heurigen zu gehen und noch ein bißl darüber zu reden. So essentiell, dass er wirklich abdrücken muss… na, wie dem auch sei. Am Ende tut er es jedenfalls.

Bis dahin hat Regisseur Herbert Föttinger ihn in düster-flackerndem Ambiente in Bewegung gehalten, aber Glaubwürdigkeit oder auch Anteilnahme sind damit nicht zu erzielen. Dieser Text ist einfach zu dünn. Irgendwas zwischen Belanglosigkeit und Schlafmittel. Das war einfach nicht zu retten.

Renate Wagner

 

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