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WIEN / Josefstadt: C’EST LA VIE

17.09.2014 | Theater

Turrini 70 Josefstadt

WIEN / Josefstadt: 
C’EST LA VIE – EINE REVUE von Peter Turrini
Uraufführung
Premiere: 17. September 20124
besucht wurde die Generalprobe

Einen Abend wie diesen nennt man wohl am exaktesten eine „Verlegenheitslösung“. Da ist einer, der in seiner Jugend unbequem, suspekt und nur bei seinesgleichen beliebt war, zum Edel-Poeten mit mild-weiser Attitüde herangereift. Bei den runden Geburtstagen mit 7 oder gar 8 vorne (man sah es ja neulich auch wieder bei Arnulf Rainer), sieht sich die Gesellschaft, der früher von diesen Künstlern vor die Tür gegackt wurde, zu größter Begeisterung und Ehrenbezeugungen verpflichtet. Na ja, die Zeit ändert viel.

Also ein großes Josefstadt-Fest für Peter Turrini zum 70er, schließlich ist er diesem Haus ebenso verbunden wie dem Burgtheater und dem Volkstheater, da muss man schon geschickt und fleißig sein. Die Josefstadt hatte nur ein Problem: Es gab kein neues Turrini-Stück, und die alten haben sich so ziemlich überholt.

Aber nach dem Motto: „Es muss was g’schehen“ (unbedingt!) nahm man, was man fand. Das ist ein Turrini-Buch zum Geburtstag, im Amalthea Verlag erschienen, mit dem Titel „C’est la vie“. Zwischen Buchdeckeln heißt es „Ein Lebens-Lauf“. Auf der Bühne macht man „eine Revue“ daraus. Nicht fragen, wie man zu dieser Bezeichnung kommt – ein Musiker und gelegentlicher Chorgesang des Ensembles lassen den „Revue“-Anspruch schwach aussehen.

Was ist „C’est la vie“? So etwas wie Brotkrumen aus dem großen Brotlaib des Lebens, ganz kurze Texte,  absolut willkürliche Erinnerungssplitter des Peter Turrini, die den großen, allgemeinen Schluss, dass „das Leben“ so sei, nicht unbedingt zulassen. Aber die Josefstadt hat sich größte Mühe gegeben und sich voll in das Unternehmen hineingehechtet, das muss man ihr wirklich lassen.

Turrini schreibt also Textbröckchen von der Wiege bis zur bevorstehenden Bahre, wobei die Schauspieler auch noch völlig sinnlos die Nummern der Texte angeben: Wer hat schließlich das Buch zur Hand und wozu überhaupt? Immerhin, es sei verraten, gezählt wird bis 94, dann ist Schluß. Wenn Turrini so alt werden will (es sei ihm herzlich gegönnt), hat er fast noch ein Vierteljahrhundert, da kann er auch noch ein paar richtige Theaterstücke schreiben.

Was sieht bzw. hört man? Ein bisschen wehleidig denkt Turrini zurück an den oft verspotteten dicklichen Jungen mit dem italienischen Vater im Kärntner Dorf. Ein seltsamer Außenseiter, der vieles im Leben versucht hat, was höchst beiläufig erzählt wird. Wie man ein Autor wird, erschließt sich dabei nicht wirklich, aber geschafft hat er es ja, wie man weiß. Um die Wahrheit zu sagen – das alles ist höchst beiläufig und kaum aussagestark, es sei denn, man ekelt sich ein bisschen vor dem absolut widerlichsten Muttertags-Gedicht, an das man sich erinnert. Motto: Er kann’s noch immer?

Turrini C est la vie Bühnenbild x 
Fotos: Barbara Zeininger

Regisseurin Stephanie Mohr (sie hat 2012 im Volkstheater seinen „Riesen vom Steinfeld“ inszeniert) versucht, den Texten Halt und Kontur zu geben. Sie hat sich von Miriam Busch eine 50er-Jahre-Kleinbürger-Wohnzimmer-Landschaft auf die Bühne stellen lassen, obwohl hier eigentlich nur ein kleiner Teil der Erinnerungen spielt. Und darin hält sie ihre Darsteller, zwei Damen und drei Herren, ununterbrochen in Bewegung (was soll sie sonst tun?), unterstützt von einem Musiker (Wolfgang Schlögl) und der Souffleuse auf der Bühne, die dann bei kollektiven Aktionen auch mitspielen dürfen. Immerhin, eine gelungene „Inszenierung“, vor allem deshalb, weil sie ja keinerlei Material zum Arbeiten hatte…

Turrini C est la vie _Szene x

Die Texte sind gänzlich willkürlich auf die Interpreten verteilt. Schön, dass Hilde Dalik, diesmal im schwarzen Anzug, zeigen darf, dass sie auch jenseits ihrer weiblichen Reize überzeugt, die sie sonst meist ausstellen muss. Susanna Wiegand wirkt anders, aber auf ihre Art auch gut.

Marcello De Nardo (aus nicht erklärten Gründen für den angekündigten Alexander Pschill eingesprungen), Erich Schleyer und Thomas Mraz sind Persönlichkeiten eigener Art, und jeder spielt sich selber aus, weil jer ja nichts anderes hat…

Der ganze Abend dauert 65 Minuten – bestenfalls ein Schmankerl. Das kann man als Matinee einem geschätzten Dichter zum Geburtstag verehren. Ein Theaterabend ist es trotz der Mühe, die man sich damit gemacht hat, mit Sicherheit nicht geworden.

Renate Wagner

 

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